Krieg: Putin könnte Nato binnen weniger Wochen angreifen, warnen die US
Audioplayer wird geladen Anzeige Die US-Geheimdienste halten es für möglich, dass Russlands Präsident Wladimir Putin den Zusammenhalt der Nato mit einem begrenzten Angriff auf einen der Bündnispartner testen könnte. Das berichtet das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf US-Regierungsvertreter. Die Szenarien reichen demnach von einem Cyberangriff über die Entsendung nicht gekennzeichneter bewaffneter Gruppen zur Besetzung von Gebieten bis zu einem begrenzten Einmarsch an der Ostflanke des Bündnisses. Als Zeitraum für ein mögliches russisches Vorgehen nennen die Geheimdienstberichte die Spanne zwischen dem Herbst 2026 und 2029. Ein Angriff könnte demnach also bereits binnen weniger Wochen gestartet werden. Anzeige Lesen Sie auch Damit korrigieren die Dienste eine frühere Einschätzung. Bislang waren sie davon ausgegangen, dass Putin kein Nato-Land provozieren werde, solange er in der Ukraine Krieg führt. Diese Bewertung habe sich Anfang dieses Jahres geändert, sagten die namentlich nicht genannten US-Vertreter dem „Wall Street Journal“. Der Druck auf Russland steigt. Drohnen aus der Ukraine fügen sowohl der russischen Armee als auch der Ölindustrie zuletzt zunehmend Schaden zu. Gleichzeitig stocken die Geländegewinne an der Front. Anzeige Die Schlussfolgerung seitens der US-Vertreter: Putin steht innenpolitisch zunehmend unter Druck, einen Sieg vorzuweisen. Die Sorge sei, dass der russische Präsident gefährlicher werde, je mehr er in die Enge getrieben werde. Lesen Sie auch Ein Angriff auf die Nato während des laufenden Krieges gegen die Ukraine hätte nach Darstellung der US-Vertreter das Ziel, das Bündnis zu spalten. Amerikanische und europäische Regierungen sehen dem Bericht zufolge zunehmend Anzeichen für russische Testangriffe – darunter russische Marschflugkörper, die in Polen niedergingen, und Drohnen, die in den rumänischen Luftraum eingedrungen waren. Lesen Sie auch „Es war immer ein Ziel Russlands, die Glaubwürdigkeit der Nato infrage zu stellen und die Vereinigten Staaten von ihren Verbündeten zu trennen“, sagte Sicherheitsexpertin Heather Conley von der Washingtoner Denkfabrik American Enterprise Institute mit Blick auf einen möglichen russischen Vorstoß. Die Wahrscheinlichkeit des Extremszenarios – eines begrenzten Einmarschs – ist dem Bericht nach aktuell noch gering, nehme aber mit der Zeit zu. Sprecher des US-Verteidigungsministeriums und des Nato-Oberkommandos Shape lehnten es ab, sich zu sensiblen Geheimdienstinformationen zu äußern; das Büro des Nationalen Geheimdienstdirektors reagierte laut „Wall Street Journal“ nicht auf eine Anfrage. „Wir denken immer eine Vielzahl von Szenarien durch und bereiten uns darauf vor. Die Nato beobachtet die Lage, und wir sind bereit abzuschrecken und zu verteidigen, wo es nötig ist – was wir fortlaufend unter Beweis stellen“, sagte Oberst Martin O'Donnell, ein Sprecher der Nato, gegenüber der US-Zeitung. „Die Frage ist, wie die Vereinigten Staaten in einem solchen Fall reagieren würden“, sagte Conley. Militärisch hinge die Antwort des Bündnisses vor allem an amerikanischem Gerät. Weitreichende Waffen wie Raketen des Systems Atacms seien entscheidend, um eine Bodeninvasion abzuwehren, sagte Tom Karako vom Center for Strategic and International Studies (CSIS). „Gefährlich niedrige“ Munitionsbestände in der US-Armee? Doch die neuen Bewertungen der US-Geheimdienste fallen zusammen mit Berichten von CNN und „Washington Post“ über „gefährlich niedrige“ Munitionsbestände in der US-Armee – vor allem mit Blick auf weitreichende Tomahawk-Marschflugkörper und Patriot-Abfangraketen. Das Pentagon weist die Darstellung zurück. US-Kriegsminister Pete Hegseth schrieb auf X: „Das ist NICHT WAHR, @CNN. Schämt euch.“ Dazu postete er einen entsprechenden Screenshot von einer CNN-Sendung. US-Präsident Donald Trump drohte gar Personen, die diese Informationen verbreiten, mit langen Haftstrafen. In einem Post auf seiner Plattform Truth Social schrieb er am späten Mittwochabend: „Die USA verfügen über gewaltige Mengen an ‚Munition‘, insbesondere bestimmter Arten.“ Kiew konnte keine einzige russische Rakete abfangen In der Ukraine selbst verschärft der Munitionsmangel die Lage der Flugabwehr. Bei einem russischen Angriff auf die Region Kiew in dieser Woche konnte die ukrainische Armee nach eigenen Angaben keine einzige Rakete abschießen. Die russische Armee habe die Ukraine mit 98 Drohnen und 28 Raketen angegriffen, nur die Drohnen seien abgefangen worden, erklärte die Luftwaffe. Kiew klagt seit Längerem über einen Mangel an Abwehrraketen für die Luftverteidigung, vornehmlich an Patriot-Raketen. Die Ukraine entwickelt mit Freyja derzeit ein kostengünstigeres Raketenabwehrsystem, das die Abhängigkeit von Patriot-Raketen verringern soll. Selenskyj erklärte, binnen zwölf Monaten lasse sich gemeinsam ein serienreifes System entwickeln. Wann Freyja in Betrieb gehen kann, ist unklar. Lesen Sie auch Zugleich verschärft die Ukraine ihre Angriffe auf die russische Rüstungsproduktion. Bei einer Sitzung der militärischen und politischen Führung ordnete Selenskyj spezielle Einsätze gegen Russlands Rüstungsindustrie an. Dabei gehe es um „bestimmte Unternehmen, die wir bereits identifiziert haben“, teilte er auf Facebook mit. Alle Anwesenden hätten klare Aufgaben erhalten: „Ich erwarte, dass sie vollständig erfüllt werden.“ Russlands Militärindustrie müsse „spürbar eingeschränkt“ werden. Details nannte Selenskyj allerdings nicht. Seit dem 18. Juli hat die Ukraine zudem fast täglich Lagerhäuser des größten russischen Online-Händlers Wildberries – eine Art Pendant zu Amazon – ins Visier genommen, was zu umfangreichen Störungen im landesweiten Logistiknetz führte. Die Angriffe auf rund 20 Standorte haben Schockwellen durch den russischen Einzelhandel gesendet, mit enormen Auswirkungen auf die Wirtschaft. Denn Wildberries wickelt zusammen mit anderen E-Commerce-Plattformen Waren und Dienstleistungen ab, die 8,5 Prozent der russischen Wirtschaftsleistung entsprechen.