Krieg: Russische Behörden erlassen Haftbefehl gegen „FAZ“
In Russland ist ein Haftbefehl gegen den Balkankorrespondenten der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Michael Martens, erlassen worden. Der Journalist werde „gemäß einem Artikel des Strafgesetzbuchs gesucht“, hieß es am Donnerstag auf der Website des russischen Innenministeriums. Laut einer von der russischen Nachrichtenagentur Tass befragten Quelle wird Martens „Anstiftung zum Hass“ vorgeworfen. Martens hatte am 8. August bei einer Pressekonferenz des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und des serbischen Staatschefs Alexander Vucic in Belgrad gefragt, was die Europäer tun könnten, um der Ukraine zu helfen, „mehr Russen zu töten“, bevor er hinzufügte: „russische Soldaten, natürlich“. Die Frage löste eine Kontroverse insbesondere in Russland und Serbien aus. Die „FAZ“ teilte später mit, die Frage sei „missverständlich formuliert“ gewesen. Es sei nicht die redaktionelle Linie der Zeitung, „dass möglichst viele russische Soldaten getötet werden sollen“. Churchill-Zitat im Zweiten Weltkrieg Martens hatte im Nachgang bei X erklärt, die Frage sei sehr wohl bedacht formuliert gewesen. Es habe sich dabei um eine Anspielung auf ein Zitat des ehemaligen britischen Premierministers Winston Churchill gehandelt, der im Zweiten Weltkrieg seinem Verbindungsoffizier Fitzroy Maclean einen Auftrag für ein Treffen mit dem jugoslawischen Kommunistenführer Josip Tito gab. Demnach sagte Churchill zu Maclean, er solle „herausfinden, wie wir den Partisanen dabei helfen könnten, noch mehr Deutsche zu töten.“ Im Fall einer Verurteilung würden Martens in Russland bis zu sechs Jahre Haft drohen. Der deutsche Journalistenverband protestierte scharf: „Welche Fragen Journalisten bei einer Pressekonferenz stellen, geht die Justiz nichts an – auch nicht die russische“, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster. Aus Deutschland droht Martens keine Auslieferung an Russland. Gefährlicher könnte es für ihn aber auf dem Balkan und insbesondere im Russland nahestehenden Serbien für ihn werden, wo er als Korrespondent tätig ist. (AFP)