Krieg: Russland meldet Einnahme von wichtigem Stützpunkt im Donbass
Audioplayer wird geladen Anzeige Moskau hat am Freitag die Einnahme der ostukrainischen Stadt Kostjantyniwka gemeldet. „Kostjantyniwka ist komplett eingenommen. Die Stadt steht nun vollständig unter unserer Kontrolle“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow vor Journalisten. Russlands Präsident Wladimir Putin habe mit der Armee darüber gesprochen. Putin habe noch am Abend die sofortige Evakuierung aller in Kostjantyniwka verbliebenen Zivilisten angeordnet. „Wir alle wissen, dass diese Stadt ein wichtiges Verkehrszentrum und ein großes Industriezentrum des Donbass ist“, sagte der russische Präsident selbst. Putin erklärte weiter, die russischen Streitkräfte müssten als Reaktion auf die verstärkten ukrainischen Fernangriffe, die sich vor allem gegen die russische Ölindustrie richteten, die von ihm sogenannten Sicherheitszonen ausweiten. Je mehr Angriffe die Ukraine auf zivile russische Einrichtungen versuche, desto größer müsse die Sicherheitszone im angrenzenden Gebiet werden, sagte der Präsident und meinte damit das Vorrücken Russlands in ukrainisches Staatsgebiet. Anzeige Kostjantyniwka ist ein strategisch wichtiger Stützpunkt auf dem Weg zu den letzten größeren Städten in der Donbass-Region, die noch unter der Kontrolle Kiews stehen. Die Stadt, die vor dem Krieg 78.000 Einwohner zählte, war seit Ende 2025 schwer umkämpft. Peskow sagte, Putin habe einen Kommandoposten der russischen Armee aufgesucht, wo er sich einen Bericht seines Generalstabschefs Waleri Gerassimow angehört und den russischen Soldaten gedankt habe. Lesen Sie auch Im Fernsehen war der Präsident in Uniform mit dem Generalstabschef zu sehen, wie er den russischen Soldaten seinen Dank aussprach. Putin sagte dabei, die Einnahme von Kostjantyniwka sei von „großer strategischer Bedeutung“. „Die russischen Streitkräfte behalten an der Front weiterhin fest die strategische Initiative“, fügte der russische Präsident hinzu. Anzeige Von ukrainischer Seite gab es zu den Siegesmeldungen aus Moskau keinen Kommentar. Zuletzt hatten ukrainische Militärs eine schwierige Lage in der bereits schwer zerstörten Stadt eingeräumt. Der ukrainische Generalstab in Kiew sprach am Abend in seinem Lagebericht lediglich von schweren Kämpfen rund um Kostjantyniwka. Lesen Sie auch Im Juni hatte Putin bereits angekündigt, die russischen Truppen stünden kurz vor der Eroberung der strategisch wichtigen ukrainischen Stadt. Der russische Kommandeur Anton Grunis teilte mit, die Armee unternehme „Such- und Vernichtungseinsätze gegen vereinzelte Soldaten der ukrainischen Streitkräfte, die versuchen, sich in Gebäuden, Kellern und Ruinen zu verstecken“. Russland kontrolliert nach eigenen Angaben nun gesamte Region Luhansk Kostjantyniwka ist eine der letzten ukrainischen Bastionen auf dem Weg zu den strategisch bedeutenden Städten Kramatorsk und Slowjansk, deren Einnahme das oberste Ziel des Kreml ist. Die russischen Streitkräfte kontrollierten nun die gesamte Region Luhansk im Osten der Ukraine – eine der beiden Regionen, aus denen sich der Donbass zusammensetzt, erklärte Peskow. Generalstabschef Gerassimow erklärte derweil, die russischen Streitkräfte befänden sich nun neun Kilometer vor Saporischschja, einer Großstadt im Süden der Ukraine, die vor dem Krieg mehr als 700.000 Einwohner zählte. Ein weiterer Kommandeur berichtete, seine Truppen befänden sich zehn Kilometer vor der Regionalhauptstadt Sumy im Norden entfernt, die vor dem Krieg rund 250.000 Einwohner hatte. Russland hatte Saporischschja und die Großstadt Dnipro sowie die nordukrainische Stadt Sumy am Freitag mit Gleitbomben, Drohnen und Raketen angegriffen. Dabei sind mindestens neun Menschen gestorben. „Drei Tote und zwölf Verwundete, unter ihnen auch Kinder“, schrieb Olexander Ganscha, Militärverwalter von Dnipro. Die Region sei im Tagesverlauf von mindestens 50 Angriffen getroffen worden. In Saporischschja wurden durch eine Gleitbombe mindestens zwei Zivilisten getötet. Weitere 21 seien verletzt worden, teilte der Militärgouverneur des gleichnamigen Gebiets, Iwan Fedorow, bei Telegram mit. Durch die Bombe sei das Gebäude eines Industrieunternehmens beschädigt worden. In Sumy sind am Freitagabend nach offiziellen Angaben mindestens vier Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien ein fünfjähriges Kind und dessen Mutter, teilte der regionale Gouverneur Oleh Hryhorow auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Zudem seien 27 Menschen verletzt worden. Die Bombe sei in einem belebten Viertel mit einem Hochhaus und Geschäften eingeschlagen. Präsident Wolodymyr Selenskyj veröffentlichte Bilder der Zerstörung und forderte die Verbündeten der Ukraine auf, den Druck auf Russland zu erhöhen. dpa/AFP/rtr/luwi