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Krieg: Russland überzieht Kyjiw mit Luftangriffen – offenbar mehrere Tote

Welt

Aus Kyjiw wurden heftige Explosionen gemeldet, Behörden und Medien berichteten über zahlreiche Einschläge in der Hauptstadt und ihren Vororten. Mehrere Gebäude wurden demnach beschädigt, mindestens drei Menschen getötet und mehr als ein Dutzend verletzt. Ein Wohnblock sei teils eingestürzt, hieß es. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig bestätigen.

Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, ein Wohnhaus im historischen Stadtteil Podil sei betroffen: »Da sitzen Menschen im siebten bis neunten Stock ‌fest«, sagte Klitschko. ​Zudem seien Trümmerteile von Drohnen auf ein zweites Wohnhaus in derselben Gegend sowie in anderen Stadtteilen der ‌Stadt gefallen. Klitschko rief die Bevölkerung auf, in Schutzräumen zu bleiben.

Offenbar setzten die Angreifer neben zahlreichen Drohnen auch Dutzende Marschflugkörper und Raketen ein. Marschflugkörper können besser manövriert und wegen ihrer geringen Flughöhe nicht so leicht vom Radar der Flugabwehr erfasst werden, dafür sind ballistische Raketen aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit schwieriger abzuwehren. Während die ukrainische Flugabwehr eine relativ hohe Trefferquote gegen russische Drohnen und Marschflugkörper hat, ist sie gegen ballistische Raketen weitgehend machtlos.

Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte am Sonntag davor gewarnt, dass Russlands Präsident Wladimir Putin noch vor Beginn des Nato-Gipfels in der Türkei am Dienstag schwere Luftangriffe befehlen dürfte. Dabei berief er sich auf Informationen des ukrainischen Geheimdienstes. »Das entspricht ganz Putins Art – unmittelbar nach dem amerikanischen Unabhängigkeitstag und vor dem Nato-Gipfel in Ankara« wolle er »noch mehr Unheil anrichten und Menschen töten«, sagte Selenskyj in einem Video, das er bei Facebook verbreitete.

Selenskyj appellierte an die Partner seines Landes, die ukrainische Flugabwehr stärker zu unterstützen. »Jede Verzögerung bei der Lieferung von Raketen für unsere Flugabwehr und für die Patriot-Systeme kostet Menschenleben und ermutigt Russland, den Krieg fortzusetzen«, sagte er. Die Welt verfüge durchaus über die notwendige Menge und Qualität an Flugabwehrsystemen. Nötig sei aber, diese der Ukraine auch zur Verfügung zu stellen. »Und das sind natürlich in erster Linie die Entscheidungen der USA, die Entscheidungen der Mächtigen in Europa und in der Welt.«

Am Sonntag erklärten die USA, dass sich Präsident Donald Trump am Mittwoch am Rande des Nato-Gipfels mit Selenskyj treffen werde (hier mehr).

Kurz vor dem Gipfeltreffen in Ankara sagte Ex-Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg dem SPIEGEL: »Die Europäer hätten früher anfangen sollen, mehr in die Verteidigung zu investieren.« Das ganze Interview finden Sie hier .

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