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Krieg und Klimawandel treiben Profite: Milliardengewinne für Öl-Konzerne

Wirtschaft

Kriege, Waldbrände, Dürre Ölmultis machen in der Krise 700.000 Dollar Gewinn pro Minute Von Amy Walker 05.08.2026 - 14:44 UhrLesedauer: 4 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Im ersten Halbjahr haben die acht größten Ölunternehmen der Welt Milliardengewinne eingefahren. Zugleich brennen die Wälder und toben Kriege. Während im Nahen Osten und in der Ukraine Menschen sterben und sich eine neue Weltwirtschaftskrise abzeichnet, reiben sich acht Unternehmen die Hände. Die Ölmultis Saudi Aramco, BP, Shell, TotalEnergies, ExxonMobil, Chevron, Equinor und ENI haben auch im zweiten Quartal des Jahres Milliardengewinne eingefahren. Insgesamt summierten sich die Gewinne auf 93 Milliarden Dollar in den Monaten April bis Juni. Besonders profitiert hat der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco, der 122,6 Milliarden Riyal (32,7 Milliarden Dollar) an Gewinn einfahren konnte. "Trotz der beispiellosen Versorgungsstörungen über die Straße von Hormus haben wir erneut unter Beweis gestellt, dass wir in der Lage sind, die Kontinuität unserer Geschäftstätigkeit zu gewährleisten", erklärte Aramco-Chef Amin Nasser. Shell hat seine Gewinne derweil verdreifacht, Chevron sprach sogar von einer Verfünffachung seines Gewinns. Loading... Embed Höhere Ölpreise lassen Gewinne sprudeln Durch den Ausbruch des Iran-Krieges im Februar sowie die neuen Angriffe der Ukraine auf die russische Ölinfrastruktur sind die Ölpreise stark gestiegen, in der Spitze auf bis zu 120 Dollar pro Barrel. Das haben Verbraucher weltweit gespürt, in Deutschland hauptsächlich an der Tankstelle, wo Benzin und Diesel seit Wochen nicht unter die Marke von zwei Euro pro Liter fallen. Lediglich staatliches Eingreifen mit dem Tankrabatt bewirkte eine kleine Entlastung. Die höheren Ölpreise wirken sich jedoch auf alle Lebensbereiche aus, da der Transport sämtlicher Waren von fossilen Treibstoffen abhängt. So steigt auch wieder die Inflationsrate. Entsprechend fallen auch die Reaktionen auf die sprudelnden Gewinne der Konzerne aus. Sogar US-Präsident Donald Trump, der selbst beispiellose Profite aus seiner Präsidentschaft zieht, kritisierte die Ölkonzerne. "Sie verdienen zu viel Geld", befand Trump am Montag. "Ich mag das nicht, das sage ich als Freund der freien Marktwirtschaft." Forderung nach Übergewinnsteuer wird lauter In Deutschland wird erneut die Forderung nach einer Übergewinnsteuer laut. Christoph Trautvetter vom Netzwerk Steuergerechtigkeit hält einen solchen Schritt für "absolut gerechtfertigt". Auch Raffinerien und Tankstellen hätten seiner Untersuchung zufolge Gewinne eingefahren, die über die erhöhten Ölpreise hinausgingen. "Eine erste Analyse zeigt, dass die Betreiber von Raffinerien und Tankstellen ihre Preise seit März zusätzlich zum gestiegenen Ölpreis um weitere 500 bis 1.000 Millionen Euro pro Monat erhöht haben", so Trautvetter. Das Kartellamt darf bei den Raffinerien seit einigen Monaten genauer hinsehen und die Preisgestaltung prüfen. Allerdings sei das Verfahren langwierig und nicht alle Unternehmen seien kooperativ. Zwei Rechtsstreite hat ein Gericht in Düsseldorf nach Aussagen des Kartellamtes auch schon beigelegt – die Unternehmen haben verloren und müssen ihre Daten teilen. Nach Aussagen der Mineralölwirtschaft sei es aber "überhaupt nicht trivial", die Daten überhaupt erst zu beschaffen. Für sechs- oder siebenstellige Kosten pro Unternehmen seien Berater eingeschaltet, um die Zahlen zu ermitteln, die das Kartellamt abfrage. Klimaschützer verweisen auf Waldbrände Neben der Kritik an den Kriegsgewinnen verweisen Umwelt- und Klimaschützer auch auf die Verantwortung der Ölfirmen für die Klimakrise. Die Initiative Global Witness hat berechnet, dass die Konzerne, deren fossile Brennstoffe für die Klimakrise verantwortlich seien, im zweiten Quartal 2026 700.000 Dollar pro Minute verdient haben. Allein die großen fünf – BP, Shell, TotalEnergies, ExxonMobil und Chevron – erzielten demnach jede Sekunde 6.000 Dollar Gewinn. Laut Flossie Bloyd von Global Witness würden die Ölmultis so "aus unserer Misere Kapital schlagen". "Warum müssen wir mit explodierenden Lebensmittelpreisen, immer weiter steigenden Energiekosten und fehlendem Schutz vor extremer Hitze kämpfen, während sich die Führungskräfte der Ölriesen die Taschen vollstopfen?", so Bloyd weiter. Regierungen weltweit sollten die Abkehr von fossilen Brennstoffen vollziehen und die Profiteure der Krise "gerecht besteuern", so die Aktivistin. TotalEnergies spendiert der Feuerwehr Treibstoff Dass TotalEnergies in Frankreich vergangene Woche verkündet hat, den Feuerwehrleuten, die im Süden des Landes noch immer massive Waldbrände bekämpfen, den Treibstoff zu spenden, löst bei Klimaschützern keinen Jubel aus. "Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet einer der Konzerne, die den Planeten in Brand setzen, für die Löschfahrzeuge aufkommt: Es kostet TotalEnergies nur einen Bruchteil seines Gewinns", sagt Soraya Fettih von der Klimaschutzorganisation 350.org, die selbst vor den Bränden bei Bordeaux flüchten musste. "Kein Geld bringt die Feuerwehrleute zurück, die bei der Verteidigung unserer Region ums Leben gekommen sind, oder die Wälder und Häuser, die nur noch Asche sind." Es sei "höchste Zeit", dass Regierungen die Verursacher der Krise "zur Kasse bitten", so Fettih. In Deutschland hat die Bundesregierung eine Übergewinnsteuer bisher abgelehnt. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) warnte davor, dass eine solche Abgabe verfassungsrechtlich problematisch sein und den Wirtschaftsstandort Deutschland schwächen könnte. Auch in der Corona-Pandemie konnten Pharmaunternehmen durch die Entwicklung von Impfstoffen große Gewinne einfahren und Leben retten. Diese Firmen dürfe man nicht bestrafen, so das Argument. Loading... Loading... Loading... Die Finanzminister von Portugal, Italien, Spanien und Österreich sowie Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) fordern hingegen von der EU die Einführung einer Übergewinnsteuer für Ölkonzerne. Die EU-Kommission lehnt das bislang ab. Derweil griff Portugal zu eigenen Mitteln und legte Ende Juli einen entsprechenden Gesetzesentwurf vor. Die Einnahmen sollen "zur Unterstützung der Familien und Wirtschaftszweige verwendet werden, die am stärksten von den Kraftstoffpreissteigerungen betroffen sind", erklärte die Regierung vergangene Woche. Die Steuer solle auch zur Finanzierung von Investitionen zur Dekarbonisierung der Wirtschaft dienen. Die Abgabe werde auf den Teil des Profits erhoben, der den Durchschnitt der Jahre 2024 und 2025 um mehr als 20 Prozent übersteige, so das portugiesische Finanzministerium.

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