Krieg: USA greifen Insel Larak an – Teheran attackiert US
Das US-Militär hat erstmals seit Ende Juli wieder Ziele in Iran angegriffen: Es nahm dabei zwei Raketenabschussrampen auf der Insel Larak ins Visier, wie das Nachrichtenportal »Axios« sowie die Sender Fox News und CBS News berichteten.
Mitglieder der Revolutionswächter seien dabei beobachtet worden, wie sie Raketen mit Seeminen in die Straße von Hormus abfeuern wollten, wurde ein Sprecher des für die Region zuständigen US-Kommandos Centcom zitiert. Die Insel Larak liegt in der Meerenge, um deren Kontrolle die USA und Iran seit Monaten ringen.
Erst vergangene Woche hatte US-Präsident Donald Trump Iran erneut mit der Zerstörung jeglicher Schiffe und Boote gedroht, die in der Straße von Hormus neue Seeminen verlegen.
Iran greift US-Stützpunkte in Jordanien an
Die iranischen Revolutionswächter drohten umgehend mit Vergeltung. Der US-Angriff habe zum Tod und zur Verletzung mehrerer ihrer Kämpfer und Landsleute geführt, zitierte die Nachrichtenagentur Fars aus einer Mitteilung der Revolutionswächter. Dies werde eine Bestrafung des Aggressors nach sich ziehen, hieß es weiter. Eine genaue Zahl von Toten oder Verletzten wurde in der Mitteilung nicht genannt. Die iranische Agentur Tasnim berichtete von zwei Todesopfern und zwei Verletzten.
Kurz nach der Ankündigung griff Iran dann tatsächlich zwei US-Stützpunkte in Jordanien an. Die kombinierte Drohnen- und Raketenattacke sei eine Vergeltungsaktion für den US-Angriff auf Larak, heißt es in einer Erklärung der Revolutionswächter, aus der mehrere staatliche iranische Nachrichtenagenturen zitierten. Laut Tasnim wurde bei dem iranischen Angriff auf die Militärbasen King Hussein und Al Azraq technische Infrastruktur zerstört.
Die USA und Israel hatten Ende Februar Iran angegriffen. Teheran reagierte mit Gegenschlägen auf Israel und Golfstaaten, in denen es US-Stützpunkte gibt. Der Krieg hat zu einer Blockade der Straße von Hormus geführt, durch die vor dem Konflikt etwa ein Fünftel des weltweit verbrauchten Öls transportiert wurde. Entsprechend ist der Ölpreis deutlich gestiegen.
Trump hatte die US-Angriffe auf Iran Ende Juli vorerst ausgesetzt – mit der Begründung, laufenden Verhandlungen über die Straße von Hormus und das iranische Atomprogramm eine weitere Chance zu geben. Zwei Tage später wurden neue Angriffe des US-Militärs in Iran gemeldet. Anfang August sagte Trump dann weitere geplante Angriffe auf Iran ab und begründete seine Entscheidung damit, dass Iran und andere Länder in der Region darum gebeten hätten, davon abzusehen, da es nun »Umrisse einer Einigung« gebe.
Weil Trump seit Wochen keine Fortschritte vorweisen konnte, rief er zuletzt einen »Wirtschaftskrieg« gegen Iran aus (mehr dazu hier). Zwar verhängte das Finanzministerium vereinzelte Sanktionen gegen bestimmte Personen und Unternehmen. Konkrete Maßnahmen, die die Einnahmequellen Teherans tatsächlich abschneiden würden, fehlen allerdings nach wie vor.
Verlängerung von Iraneinsatz untragbar? Pentagon dementiert
Mehrere hochrangige US-Militärs sollen offenbar Verteidigungsminister Pete Hegseth darauf hingewiesen haben, dass eine Verlängerung groß angelegter Operationen gegen Iran nicht tragbar sei. Zudem könnten dadurch die Fähigkeiten der Streitkräfte eingeschränkt werden, Bedrohungen auch in der Heimat abzuwehren, schrieb die »Washington Post« .
Die Zeitung zitierte dabei aus einem geheimen Dokument: Demnach sei vorgesehen, dass einige in Nahost stationierte Truppen bis September und andere bis 2027 dort bleiben sollen. Eine mögliche Verlängerung des Truppeneinsatzes habe die Militärführung dazu veranlasst, ihre Besorgnis zu äußern.
Das Pentagon dementierte diesen Bericht nun in Teilen. »Vieles davon ist schlichtweg falsch«, schrieb Pentagon-Sprecher Sean Parnell bei X . Er betonte, dass die Veröffentlichung streng geheimer Lageberichte ein »Verbrechen« sei. In einer Erklärung an die Nachrichtenagentur dpa nannte Parnell den Zeitungsartikel »einen schlecht recherchierten Bericht voller Ungenauigkeiten«. Zu internen operativen Abläufen oder bestimmten Risikobewertungen wolle er sich nicht öffentlich äußern.
Mehr Hintergründe im SPIEGEL-Leitartikel: Donald Trump hat keine guten Optionen mehr gegenüber dem iranischen Regime. Es geht nur noch um Schadensbegrenzung – und um ein Signal an Wladimir Putin .