Kriegsführung mit KI: Experte erklärt, warum der Iran gegen die USA gewinnt
Startseite Politik Kriegsführung mit KI: Experte erklärt, warum der Iran gegen die USA gewinnt Uns auf Google folgen Im KI-Krieg „hat Iran seit einiger Zeit die Oberhand“, sagte der Kognitionswissenschaftler Michał Klincewicz dem Magazin Newsweek. Eine Kampfpause zwischen den Vereinigten Staaten und Iran hat US-Präsident Donald Trump nicht davon abgehalten, mit künstlicher Intelligenz erzeugte Bilder zu nutzen, um Teheran zu bedrohen. Ein Mittel, auf das er zunehmend zurückgreift und auf das die Islamische Republik ihrerseits reagiert. Nachdem die USA die Bombardierung Irans nach 13 Tagen von Luftangriffen und Vergeltungsschlägen Teherans in der Region ausgesetzt hatten, veröffentlichte Trump KI-generierte Bilder von in die Luft gesprengten iranischen Schiffen und Energieanlagen, die vom US-Militär übernommen würden. Content-Partnerschaft Dieser Artikel von den Redakteuren John Fitzpatrick und Sam Wilson entstand in Kooperation mit newsweek.com Der iranische Spott über die USA hält an und umfasst KI-erstellte Filme mit Lego-Figuren, die US-Truppen lächerlich machen – eine neue Front des Krieges, die losgelöst ist von Luftbombardements und Seeblockaden in der Straße von Hormus. Michał Klincewicz, ein Experte für Kognitionswissenschaft, sagte dem Magazin Newsweek, er sei überzeugt, dass Teheran den KI-Krieg gegen die USA gewinne. In einer Studie, die er im vergangenen Jahr mitverfasst hat, prägte er den Begriff „Slopaganda“ für KI-erzeugten „Slop“, der propagandistischen Zwecken dient. „Sie (der Iran) verändern die Erzählung, schaffen viralere, besser teilbare Inhalte und manövrieren so die USA im Bereich der kognitiven Kriegsführung aus“, sagte er. USA führen Krieg gegen den Iran – Trump mit martialischen KI-Postings Trump nutzt KI-Bildmaterial zu globalen und innenpolitischen Themen, doch im Zusammenhang mit dem Krieg gegen Iran legte er noch einmal nach. Während Teheran und Washington bei dem Konflikt in einer Pattsituation stecken, der am 28. Februar mit amerikanischen und israelischen Angriffen begann, stellte Trump am Sonntag auf Truth Social eine Reihe von KI-generierten, auf den Iran-Krieg bezogenen Bildern online. Dazu gehörte ein Motiv, das Kampfflugzeuge beim Bombardieren einer Ölanlage zeigte, versehen mit der Bildunterschrift „STRIKE ON KHARG“, ein Verweis auf Irans wichtigstes Ölexportzentrum. Mehrere Bilder in schneller Folge trugen den Untertitel „It’s Our Oil Tanker now!“. Ein weiteres Motiv zeigte eine Explosion auf einem Tanker mit der Aufschrift „Iran“ an der Bordwand und der Botschaft „goodbye engine room“. Ein anderes Bild zeigte Trump, wie er nach vorn blickt, neben Explosionen unter iranischen Flaggen, über der Bildunterschrift „Guardian of the World“. Iran kontert mit Lego-Satire und Verschwörungsbilder Am 29. April, als die Verhandlungen über einen Waffenstillstand mit Teheran ins Stocken geraten waren, veröffentlichte Trump ein KI-generiertes Bild von sich selbst mit einem Sturmgewehr in der Hand und der Botschaft „no more Mr. Nice Guy“ als Signal an Teheran. Iran seinerseits brachte einen offenbar KI-erstellten Film mit Lego-Figuren heraus, in dem ein US-Soldat aus einem abgestürzten Hubschrauber auf der Insel Kharg kriecht und, von der Hitze gezeichnet, auf einen iranischen Soldaten trifft, der lächelnd Tee trinkt. „Too hot for you softie. Go back to the AC“, lautet die Einblendung. Im März kursierte ein Video, das offenbar KI-generiert war und Trump sowie den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu zeigt, wie sie über eine Mappe mit dem Titel „Jeffrey Epstein File“ gebeugt neben Satan stehen – mit der Anspielung, die gemeinsame US-israelische Bombenkampagne solle von den Ermittlungen im Epstein-Fall ablenken. USA: Rubio über „blumige Sprache“ des Iran und „dumme LEGO-Videos“ Das Technikmagazin Wired berichtete, dass die Videos, die Millionen von Aufrufen verzeichneten, von „Explosive Media“ produziert würden, einer Gruppe junger Iranerinnen und Iraner, die sich bestens in der US-Popkultur auskennen und Verbindungen zur iranischen Regierung haben sollen. Am 23. Juli bezog sich Außenminister Marco Rubio auf die Clips und erklärte, Iran sei noch nicht bereit für ein Abkommen, „aber das werden sie bald sein. Denn der Preis, den sie zahlen, ist sehr hoch, ungeachtet ihres harten Geredes, ihrer blumigen Sprache und ihrer dummen LEGO-Videos.“ Am folgenden Tag bezeichnete ein Clip Rubio als „kleinen Clown“ und als „kleinen Schoßhund, der unter dem Daumen des Verlierers steckt“. „Im Vergleich zur Lego-Kampagne Irans ist die Slopaganda des Weißen Hauses qualitativ deutlich minderwertiger und hat meiner Meinung nach eine geringere Wirkung“, sagte Klincewicz. „Das Weiße Haus konzentriert sich scheinbar vor allem auf das US-Heimpublikum und seine eigene Wählerbasis – im Grunde Boomer-Memes für Boomer.“ Kognitive Kriegsführung zwischen Iran und USA: So wirkt „Slopaganda“ In einem Artikel, den er für die Plattform The Conversation mitverfasst hat, beschrieb Klincewicz, wie Slopaganda durch wiederholte Ausspielung in etablierten und sozialen Medien wirksam wird, weil sie unsere üblichen geistigen Abwehrmechanismen unterläuft. Sie zieht Aufmerksamkeit auf sich und erreicht ein abgelenktes Publikum, etwa Menschen, die durch soziale Medien scrollen oder im Netz surfen. Es ist eine äußerst effektive Methode, unsere Wahrnehmung der Welt mit Unwahrheiten und Halbwahrheiten zu verwässern – das, was er „epistemische Umwelt“ nennt. Anstatt auf Genauigkeit zu zielen, soll Slopaganda Gefühle und Emotionen auslösen und Assoziationen erzeugen – etwa die Verknüpfung von Satan mit Trump. Ist irreführende Information erst einmal in den Köpfen der Menschen, lässt sie sich oft nur schwer wieder verdrängen. Klincewicz erklärte in dem Beitrag auf The Conversation, Slopaganda könne dazu führen, dass Menschen grundsätzlich an allem zweifeln und eher dazu neigen, authentische Inhalte fälschlicherweise für Slop zu halten, was das öffentliche Vertrauen in Personen und Institutionen untergraben könnte. Slopaganda im Iran-Krieg und künftigen Konflikten Nach den ersten US-israelischen Angriffen auf Iran veröffentlichte das Weiße Haus am 6. März ein Video, das echte amerikanische Angriffe mit Szenen aus Filmen, Fernsehserien und Videospielen mischte. Iran wiederum veröffentlichte veraltetes Kriegsbildmaterial, das angeblich aus dem aktuellen Konflikt stammen sollte, sowie KI-generierte Inhalte, die Angriffe auf Tel Aviv und US-Stützpunkte im Persischen Golf darstellten.