Kriegsschiff Moskaus gesichtet: Russischer Öl-Tanker treibt in der Ostsee
Auf der Ostsee vor Rügen spielte sich am Wochenende ein brisanter Zwischenfall ab: Der russische Öltanker „Sled“ ist offenbar wegen eines Antriebsproblems manövrierunfähig geworden.
Russischer Öl-Tanker vor Rügen: Zuerst wurde das Schiff langsamer, dann trieb es nur noch
Der knapp 200 Meter lange Tanker war laut „Ostsee-Zeitung“ vom russischen Hafen Primorsk in Richtung Skagen in Dänemark unterwegs.
In der Nacht zum Sonntag, 18. Oktober, war das Schiff demnach auf dem Weg von Bornholm zur Kadetrinne, bevor der Tanker nordöstlich der Mecklenburger Bucht schließlich langsamer wurde und anschließend offenbar manövrierunfähig zwischen Rügen und der dänischen Insel Møn trieb. Der starke Ostwind drückte das Schiff offenbar von der deutschen Küste weg in Richtung Dänemark.
Der deutsche Notfallschlepper „VB Bremen Fighter“ machte sich daraufhin auf den Weg zum Tanker. Ob er das Schiff tatsächlich in Schlepp nahm, war zunächst unklar.
Weitere russische Schiffe gemeldet: Bundespolizei im Einsatz
Am Montagmorgen meldete der „ NDR“ unter Berufung auf Schiffspositionsdaten, dass die „Sled“ offenbar wieder Fahrt aufgenommen hat und zu ihrem Zielort (Skagen) in Dänemark unterwegs ist. Ob die technischen Probleme vollständig behoben sind, geht aus den bisherigen Berichten nicht hervor.
Nicht nur der Havarist beschäftigte die Einsatzkräfte. In der Nacht zum Sonntag waren auch zwei weitere russische Schiffe in der Nähe. Nach Informationen des Rundfunksenders beobachtete die Bundespolizei die Schiffe, weil sie den Tanker möglicherweise begleitet hatten. Da sie nicht in deutsche Gewässer einfuhren, wurden sie den Angaben zufolge nicht kontrolliert.
Bei einem der Schiffe soll es sich um das russische Landungsschiff „Aleksandr Shabalin“ gehandelt haben. Das Schiff gehört zur russischen Ostsee-Flotte und hat seinen Heimathafen im Gebiet Kaliningrad. Es wurde 1985 im polnischen Danzig gebaut und war unter anderem beim Transport von Soldaten und militärischer Ausrüstung im Zusammenhang mit dem Syrien-Krieg im Einsatz.
An Bord finden bis zu zehn Kampfpanzer und 340 Soldaten Platz. Zur Bewaffnung sollen Flugabwehrsysteme, 57-Millimeter-Kanonen und Raketenwerfer gehören.
Auch ein weiterer Tanker war in der Ostsee im Fokus der Behörden: Das Einsatzschiff „Bamberg“ verfolgte den aus Russland kommenden Tanker „Myra“. Das Schiff war laut Medienberichten zuvor aufgefallen, weil es während der Fahrt seine Flagge von Madagaskar auf Kamerun wechselte. Der 2006 gebaute Tanker „Myra“ steht auf den Sanktionslisten der EU, Großbritanniens, der Schweiz und Kanadas. Die Maßnahmen stehen im Zusammenhang mit dem Transport russischen Öls in Drittstaaten.
Öl-Tanker „Sled“: Ist das Schiff Teil der russischen Schattenflotte?
Aber zurück zur „Sled“. Diese fährt demnach unter der Flagge der Bahamas und transportiert russisches Rohöl. Damit stellt sich die Frage, ob das Schiff zur russischen Schattenflotte gehört. Als Schattenflotte werden Tanker bezeichnet, mit denen Russland unter anderem Öl exportiert, um westliche Sanktionen im Ukraine-Krieg zu umgehen.
Eine eindeutige Zuordnung ist anhand der bisher bekannten Angaben jedoch nicht möglich. Weder die Herkunft der Ladung noch die Flagge allein belegen, dass die „Sled“ Teil dieser Flotte ist.
Russische Schattenflotte in der Ostsee: Erinnerungen an Vorfall aus 2025 werden wach
Der Fall erinnert an den Tanker „Eventin“, der im Januar 2025 mit rund 99.000 Tonnen russischem Öl an Bord vor Rügen havarierte. Nachdem sämtliche Systeme ausgefallen waren, trieb das 274 Meter lange Schiff stundenlang manövrierunfähig auf der Ostsee. Deutsche Einsatzkräfte sicherten den Tanker und schleppten ihn vor die Küste von Sassnitz.
Dort liegt die „Eventin“ bis heute – inzwischen seit mehr als eineinhalb Jahren. Solange der Rechtsstreit um die Beschlagnahmung und Einziehung des Tankers und seiner Ladung andauert, ist ein Abtransport nicht in Sicht. Nach einer Expertenschätzung könnten für den laufenden Betrieb täglich bis zu 8000 Euro anfallen, berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Die Kosten werden zunächst aus staatlichen Mitteln getragen – obwohl noch nicht abschließend geklärt ist, ob Deutschland das Schiff und seine Ladung überhaupt einziehen darf.
Bei der aktuellen Havarie der „Sled“ sind derzeit weder ein Ölaustritt noch Umweltschäden oder Verletzte gemeldet. Die genaue Ursache des Antriebsproblems ist bislang nicht bekannt.