DAX +0,44 % 26.415,70 Pkt 11:39:47 MDAX +0,63 % 32.467,34 Pkt 11:39:57 Euro Stoxx 50 +0,18 % 6.551,54 Pkt 11:39:45 Dow Jones -0,07 % 53.732,41 Pkt 22:41:05 S&P 500 +0,48 % 7.785,76 Pkt 22:39:27 Nasdaq +0,53 % 26.729,16 Pkt 23:15:59 Nikkei +0,74 % 69.220,25 Pkt 08:45:03 Gold +0,33 % 4.452,00 USD 11:44:51 Silber +0,86 % 65,67 USD 11:44:34 Brent +0,95 % 89,36 USD 11:44:51 WTI +0,47 % 82,79 USD 11:44:55 Bitcoin +0,68 % 63.245,01 USD 11:54:51 EUR/USD +0,58 % 1,16020 USD 11:54:54 EUR/GBP +0,05 % 0,85530 GBP 11:54:57 EUR/CHF 0,00 % 0,93900 CHF 11:54:57 EUR/JPY +0,39 % 184,611 JPY 11:54:54

Krim versinkt im Benzin-Chaos

Welt

Startseite Politik Benzin-Chaos auf der Krim: Leere Tankstellen führen zu brisanten Schwarzmarkt-Deals – via Telegram Von: Felix Busjaeger Uns auf Google folgen „Hier gibt es kein Benzin“: Die Treibstoffkrise in Russland hat die Krim erfasst. Die Bewohner werden erfinderischer – der Schwarzmarkt blüht auf. Kiew/Moskau – Auf der von Russland annektierten Krim hat sich die Treibstoffversorgung so weit verschlechtert, dass reguläre Tankstellen für Privatpersonen faktisch nicht mehr zugänglich sind. Seit dem 21. Juni ist der Kraftstoffverkauf an örtlichen Zapfsäulen vollständig eingestellt: Tanken dürfen dort nur noch Militärangehörige und Regierungsangestellte. Was an ihrer Stelle entstanden ist: ein florierender Schwarzmarkt, der vor allem über den Messenger-Dienst Telegram organisiert wird. Benzin der Sorte AI-95 wurde dort zuletzt für bis zu 300 Rubel pro Liter angeboten. Zum Vergleich: Normalerweise kostete ein Liter Benzin vor der Krise etwa 80 Rubel. Hintergrund des Engpasses sind unter anderem die strategischen Angriffe auf Russlands Wirtschaft. Treibstoffkrise als Folge der Angriffe auf Russlands Wirtschaft Die Nowaja Gaseta Evropa hat den Graumarkt untersucht und dabei zahlreiche Anbieter auf Telegram gefunden, die Benzin direkt zu den Autos liefern. Einige geben an, die Lieferung erfolge per Taxi, mit einer versprochenen Lieferzeit von vier Stunden. Andere bieten die Abholung vom russischen Festland an. Ob das Benzin nach der Vorauszahlung tatsächlich ankommt, ließ sich in vielen Fällen nicht unabhängig bestätigen. Auch auf dem Onlinemarktplatz Avito tauchten Angebote auf, darunter ein als „gepanzerter Treibstofftanker“ beworbenes Fahrzeug sowie ein Inserat, das vorgab, einen Tankwagen zu verkaufen, tatsächlich aber bereits auf die Krim geliefertes Benzin zu 350 Rubel pro Liter anbot. Bereits seit Monaten führt Kiew im Ukraine-Krieg eine systematische Kampagne gegen Russlands Wirtschaft durch. Immer wieder stehen nach Angriffen Öl-Raffinerien oder Depots in Flammen. Von den zehn größten Anlagen wurden fast alle mindestens einmal getroffen. Nur zwei blieben bislang verschont. Die Treibstoffkrise in Russland betrifft inzwischen nahezu alle Regionen. Die Engpässe der Treibstoffversorgung auf der Krim bedeuten für die Bewohner einen tiefgreifenden Einschnitt in den Alltag. Nur gegen einen QR-Code gibt es bis zu 20 Liter Benzin. Wie dramatisch die Verhältnisse teilweise sind, erklärte ein Betroffener gegenüber der Moscow Times: „Wir saßen zu zehnt da und hofften, dass einer von uns einen Code bekommen würde.“ Die Behörden in Sewastopol hatten zuvor schrittweise die Beschränkungen verschärft: zunächst Barzahlungsverbot, dann Prepaid-Karten, schließlich QR-Codes über die staatlich unterstützte App Max. Zeitweise wurde der Verkauf komplett eingestellt. Brisante Lage nach Angriffen auf Russlands Wirtschaft – „Hier gibt es kein Benzin“ Ein weiterer Bewohner der Krim machte auf den Umfang der Krise aufmerksam. Da es auf der Halbinsel in der Folge der Angriffe auf Russlands Wirtschaft kein Benzin gab, versuchte er sein Glück auf dem Festland. „Man sagte mir, sie hätten kein Benzin für Krimbewohner, sondern nur für Einheimische“, sagte er. Den Grund für die aufwendige Fahrt nannte er offen: Er wolle genug Benzin vorrätig haben, um seine Familie im Notfall von der Krim evakuieren zu können. „Hier gibt es kein Benzin. Die Kinder hören ständig Explosionen, und Strom und Wasser sind rationiert. Ich weiß nicht, wann das ein Ende hat.“ Inzwischen zeichnet sich immer mehr ab, welchen dramatischen Umfang die Angriffe auf Russlands Wirtschaft haben. Die Benzinproduktion ist laut Berichten um 25 Prozent eingebrochen, nachdem mehrere große Raffinerien ihren Betrieb einstellen oder erheblich drosseln mussten. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Schläge gegen russische Energieinfrastruktur als „Sanktionen auf lange Distanz“: „Jeden Tag wird unser Plan zur Verhängung ukrainischer Weitreichensanktionen umgesetzt. Das ist eine vollkommen gerechte Antwort auf alles, was Russland gegen uns tut.“ Russlands Wirtschaft in Bedrängnis: Kreml sucht Benzin im Ausland Wegen der systematischen Angriffe auf Russlands Wirtschaft sieht sich Wladimir Putin zu drastischen Mitteln gezwungen. Der Kreml bestätigte inzwischen, dass Russland mit anderen Ländern über Benzinimporte verhandelt. Sprecher Dmitri Peskow sagte, es fänden „aktiv Gespräche statt“, nannte aber keine konkreten Partnerländer. „Wenn Einigungen zu akzeptablen Preisen erzielt werden können, dann werden die Importe voranschreiten“, fügte er hinzu. Vizepremierminister Alexander Nowak bezeichnete Importe als eine der „wichtigsten Maßnahmen“ zur Stabilisierung des Marktes. Präsident Wladimir Putin räumte am Wochenende ein, dass Russland mit einer Treibstoffknappheit konfrontiert ist, und bezifferte die Gesamtreserven auf 1,7 Millionen Tonnen – vier Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der durchschnittliche Benzinpreis in Russland ist seit Jahresbeginn um 9,8 Prozent gestiegen; in einer einzigen Woche Ende Juni legte er um drei Prozent zu. Ministerpräsident Michail Mischustin wies das Statistikamt an, wöchentliche Preisveröffentlichungen auszusetzen – das Amt erklärte jedoch, die Daten weiterhin zu veröffentlichen. Die russischen Behörden gehen unterdessen gegen den Schwarzmarkt vor. Der Föderale Kartelldienst leitete Kartellverfahren gegen drei Ölhandelsunternehmen ein. Personen, die Benzin über Telegram-Anzeigen weiterverkauften, wurden in ganz Russland festgenommen. (Quellen: Ukrainska Pravda, n-tv, Moscow Times, Nowaja Gaseta Evropa) (fbu)

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