Krise bei Windenergie spitzt sich zu - Ausschreibung erneut überzeichnet
Die Bundesnetzagentur hat in der vergangenen Woche die Zuschläge der Ausschreibungen für Windenergieanlagen an Land vom 1. Mai 2026 veröffentlicht. „Die Ausschreibung war abermals deutlich überzeichnet. Dies schlägt sich in weiter sinkenden Zuschlagswerten nieder“, sagt Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur. „Auch bei der Innovationsausschreibung überstieg die Gebotsmenge das ausgeschriebene Volumen deutlich. Die Zuschlagswerte blieben stabil." Die im Gebotspreisverfahren ermittelten Werte liegen zwischen 4,44 ct/kWh und 5,19 ct/kWh. Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert ist gegenüber der vorherigen Gebotsrunde erneut deutlich gesunken, auf nunmehr 5,06 ct/kWh (Vorrunde: 5,54 ct/kWh). Seit der Ausschreibung im August 2024 ist der mittlere Zuschlagswert sukzessive gefallen, über sieben Gebotsrunden insgesamt um mehr als 2 ct/kWh. Die Präsidentin des Bundesverbandes Windenergie (BWE), Bärbel Heidebroek, erklärt: „Die zahlreichen bezuschlagten Projekte belegen erneut den Tatendrang der Windenergiebranche. Enttäuschend ist jedoch, dass die Ergebnisse der Ausschreibungsrunde erst 55 Tage nach dem Gebotstermin veröffentlicht wurden.“ Damit kritisiert sie erneut die sehr lange Bearbeitungszeit der Bundesnetzagentur. Gerade angesichts der weiterhin bestehenden Unklarheiten bei EEG-Novelle und Netzpaket bräuchten Projektierer schneller Planungssicherheit. Für den letzten Gebotstermin 2026 im November müsse deshalb sichergestellt werden, dass die Ergebnisse in jedem Fall noch vor Jahresende veröffentlicht würden. Andernfalls drohten gefährliche Investitionsunsicherheiten, sollte bis dahin kein beihilferechtlich genehmigtes EEG vorliegen. Zwar erhielten im Vergleich zur vorherigen Ausschreibungsrunde mehr Projekte in Süddeutschland einen Zuschlag. Mit lediglich vier Zuschlägen in Bayern und acht in Baden-Württemberg bleibt der Süden jedoch weiterhin deutlich hinter dem zurück, was für einen ausgewogenen Ausbau nötig wäre. „Genehmigte Projekte sind ausreichend vorhanden. Bund und Länder müssen jetzt für verlässliche Rahmenbedingungen und ausreichende Ausschreibungsvolumina sorgen, damit auch in Süddeutschland deutlich mehr Windenergieanlagen ans Netz gehen können“, so Heidebroek. Der niedrigste Zuschlagswert liegt in dieser Ausschreibungsrunde bei 4,44 ct/kWh. Durchschnittlich ergibt sich ein Zuschlagswert von nur 5,06 ct/kWh. Das zeigt laut BWE eindringlich, unter welchem enormen Druck die Windenergiebranche inzwischen steht. So lasse sich mittlerweile bei jeder Ausschreibungsrunde ein Rückgang der Zuschlagswerte um etwa 0,5 ct/kWh feststellen. Vor einem Jahr lag der durchschnittliche Zuschlagswert noch bei 6,83 ct/kWh. Während die Preise in allen Bereichen stiegen, werde von der Windbranche eine Realisierung zu Grenzkosten erwartet. Der BWE mahnt, dass es einer hohen Realisierungsrate der bezuschlagten Projekte benötigt, um den Ausbaupfad zu erreichen und den wachsenden Strombedarf zu decken. Dass 20 Zuschläge unter Widerrufsvorbehalt erteilt wurden, ist ein Störsignal. In der Ausschreibung vom 1. Februar 2026 waren es noch sechs. Für die BWE-Präsidentin zeigt dies, wie verunsichert die Branche auf das Jahr 2027 blickt: „Die laufenden Rechtsmittelverfahren machen deutlich, wie groß der Druck in der Branche inzwischen ist und wie viel Unsicherheit aufgrund der fehlenden EEG-Novelle vorherrscht. Das erhöht die Klagebereitschaft drastisch.“ Heidebroeks Fazit: „Die aktuelle Ausschreibungsrunde zeigt erneut: Es fehlt nicht an genehmigten Projekten oder Leistungsbereitschaft der Projektierer. Was fehlt, sind verlässliche politische Rahmenbedingungen.“ Die Bundesregierung müsse mit der EEG-Novelle jetzt für mehr Planungssicherheit sorgen, fehlgeleitete Pläne für einen Redispatch-Vorbehalt begraben und stattdessen den Windenergieausbau konsequent als Rückgrat unseres Stromsystems stärken. Auf Bayern entfielen nur vier Zuschläge mit einem Volumen von 2,2 % des bezuschlagten Gesamtvolumens. Auch Baden-Württemberg erhielt nur acht Zuschläge mit einem Volumen von insgesamt 60,2 Megawatt (MW) und damit 2,4 % des bezuschlagten Gesamtvolumens. Bayern verzeichnet laut Aiwanger bei der Windenergie inzwischen ein kräftiges Wachstum der Antrags- und Genehmigungszahlen: Allein 2025 wurden Genehmigungen für 198 Windenergieanlagen erteilt. Damit würden 350 genehmigte bayerische Windräder vergeblich darauf warten, bei einer Ausschreibung den Zuschlag zu bekommen. Zudem seien Genehmigungsanträge für 819 Windenergieanlagen gestellt. „Diese erfreuliche Dynamik wird vom Bund ausgebremst“, kritisiert der Minister. Ein ausgewogener Ausbau der Windenergie in ganz Deutschland müsse gewährleistet werden. Strom werde am besten dort erzeugt, wo er auch gebraucht wird. Die Erzeugung müsse nahe den großen Verbrauchszentren der Industrie in Bayern mit hohem Strombedarf erfolgen. Jede Kilowattstunde, die in Bayern produziert und auch hier genutzt werde, entlaste die Netze, reduziere den Bedarf an Stromtransporten und verbessere die regionale Versorgungssicherheit bei Terroranschlägen auf die Netze. Die bisher im EEG 2027-Entwurf vorgesehenen Rahmenbedingungen reichen laut Aiwanger nicht aus, um den Ausbau der Windenergie an Land in Süddeutschland verlässlich abzusichern. Erforderlich seien eine Anhebung der jährlichen Ausschreibungsmenge für Windenergie an Land von 10.000 MW auf 14.000 MW, eine zusätzliche Windsonderausschreibung im Jahr 2027 mit 5.000 MW, ein Korrekturfaktor von 1,70 statt 1,50 für windschwächere Standorte der Südregion (Stichwort: Referenzertragsmodell) sowie ein gesondertes Zuschlagssegment für die Südregion im Umfang von mindestens 20 % des Ausschreibungsvolumens. Hintergrund sei, dass süddeutsche Windenergieprojekte aufgrund geringerer Windhöffigkeit und teilweise höherer Investitionskosten strukturelle Wettbewerbsnachteile haben. Ohne die genannten Maßnahmen bestehe die Gefahr, dass genehmigte und weit fortgeschrittene Projekte nicht realisiert würden und der Ausbau sich weiter auf besonders windstarke Regionen konzentriere. Dies würde nicht nur den Ausbau in Bayern bremsen, sondern auch den Netzausbaubedarf erhöhen. Ihre Meinung ist gefragt Was denken Sie über dieses Thema? Was beschäftigt Sie aktuell? 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