Kritik an Reform: DFB-Präsident Neuendorf legt gegen Infantino nach
"Müssen ihn vom Platz stellen"
DFB-Präsident Neuendorf legt gegen Infantino nach
Von t-online, dpa
06.10.2026 - 07:24 UhrLesedauer: 2 Min.
Bernd Neuendorf findet im Machtkampf des europäischen Fußballs gegen Fifa-Präsident Infantino deutliche Worte. Was er dem Fifa-Chef als Reform-Angebot vorhält, lässt tief blicken.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat seine Kritik an Fifa-Präsident Gianni Infantino verschärft und will ihm die Rote Karte zeigen. Im "Tagesspiegel"-Interview forderte Neuendorf dessen Abwahl: "Wir müssen ihn vom Platz stellen."
Neuendorf wird beim Fifa-Kongress im kommenden März nicht für Infantino stimmen. "Gianni Infantino ist als Fifa-Chef nicht mehr tragbar. Er hat dem Fußball sehr geschadet", sagte Neuendorf weiter. Beim DFB sei man sich einig: Infantino habe "jegliches Vertrauen verspielt". An diesem Mittwoch treffen sich alle 55 Mitgliedsverbände der Uefa in Berlin.
Neuendorf hatte zuvor Infantinos Reform-Angebot an die 211 Mitgliedsverbände des Weltverbandes als "durchschaubares Manöver" bezeichnet. Dem Schweizer gehe es darum, seine Wiederwahl im kommenden Jahr zu sichern.
Infantino hatte zuvor auf die andauernde Kritik an seinem Führungsstil reagiert. Er bot seinen Gegnern erstmals Gespräche über mögliche Reformen in der Fifa an. In einem Brief kündigte er eine unabhängige externe Überprüfung der Fifa-Governance (Kontroll- und Führungssystem) an. Zudem stellte er Konsultationen über eine Stärkung der Entscheidungsprozesse in Aussicht – einschließlich der Rolle des Präsidenten.
Neuendorf: "Dürfen nicht den Bock zum Gärtner machen"
Gleichzeitig machte der 56-Jährige klar: Er will die Fifa weiter anführen. Von einem Verzicht auf eine Kandidatur für eine vierte Amtszeit beim Kongress im März 2027 ist nicht die Rede. Genau diesen Verzicht fordern seine Kritiker um Uefa-Präsident Aleksandar Čeferin. Einen Gegenkandidaten gibt es bisher nicht. Bis zum 18. November müssen Infantinos Gegner einen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl aufstellen, die drei Monate später in Marokko stattfindet.
Neuendorf mahnte im "Tagesspiegel": "Infantino ist seit zehn Jahren im Amt und hat eine Kultur in der Fifa etabliert, die eines grundlegenden Wandels bedarf. Wir können aber nicht den Bock zum Gärtner machen. Es kann nicht sein, dass derjenige, der die heutigen Zustände zu verantworten hat, den dringend nötigen Reformprozess steuert."
Ende August war der Streit zwischen Uefa und Fifa eskaliert. Grund war die Androhung eines Strafantrags vor Schweizer Gerichten im Zusammenhang mit den WM-Investorenplänen gegen Infantino. Dafür wurden bei US-Gerichten Informationen über die geplanten Geschäfte angefragt.