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Künstliche Intelligenz: Warum Langdock seinen Rechtssitz nach Deutschland verlegt

Technologie

Als Investorin Judith Dada (34) als Co-Chefin zum KI-Start-up Langdock wechselte, kündigte sie an, zusammen mit Co-CEO Lennard Schmidt die Internationalisierung voranzutreiben. Ihr Fokus solle sich dabei auf Europa richten. Das soll sich nun auch in der rechtlichen Struktur widerspiegeln. Das Unternehmen verlegt seinen Rechtssitz von den USA nach Deutschland, wie das Unternehmen gegenüber dem manager magazin bestätigte. Zuerst hatte das „Handelsblatt “ darüber berichtet.

„Bei Kunden hat das bisherige Set-up Fragen aufgeworfen“, erklärt Dada den Schritt im Gespräch mit dem manager magazin. Langdock war ursprünglich als amerikanische Inc. gestartet. Das war die Voraussetzung für die Teilnahme des Gründerteams am berühmten Start-up-Inkubationsprogramm YCombinator.

Doch durch US-Gesetze wie den Patriot Act können US-Behörden unter bestimmten Bedingungen Zugriff auf Kundendaten vom amerikanischen Unternehmen erhalten. Daher hat Langdock die US-Muttergesellschaft in eine Europäische Aktiengesellschaft (Societas Europaea, SE) umgewandelt. Das sei ein langwieriger Prozess gewesen, erzählt Dada.

Entscheidung für Europa – trotz Bürokratie

In gewisser Weise agiert Langdock mit seinen 65 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern damit gegen den Trend. Denn bislang kritisieren Gründer, dass bürokratische Hemmnisse sie geradewegs ins Ausland treiben würden.

Die Struktur einer europäischen SE schien dem Langdock-Team am geeignetsten, um internationale Geschäftspartner und operative Teams in einem europäischen Rahmen zu organisieren. Auch im Hinblick auf einen späteren, potenziellen Börsengang.

So ließen sich etwa Aktien an Mitarbeitende ausgeben, ohne, dass man dafür extra zum Notar gehen muss. Dada kritisiert in diesem Zuge die deutsche Notarpflicht. Die Gründerin war mit ihrem ehemaligen Fonds La Famiglia eine der ersten Investorinnen bei Langdock und hatte vor zwei Jahren die bis dato einzige Finanzierungsrunde geleitet.

Mittlerweile verwenden nach Unternehmensangaben mehr als 13.000 Firmen die Plattform von Langdock, über die sich die Sprach- und Bildmodelle mehrerer KI-Anbieter nutzen lassen. Zu den Kunden zählen neben vielen kleineren Firmen auch größere wie der Pharmakonzern Merck und der Industriezulieferer Trumpf. Das erst vor drei Jahren gegründete Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben profitabel und erzielte zuletzt einen wiederkehrenden Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro.

Langdock will Cloud-Anbieter werden

Im Zuge der Umfirmierung verkündete das Führungsteam um Schmidt und Dada eine weitere Nachricht: Langdock will mittelfristig zu einem europäischen Cloud- und KI-Infrastrukturanbieter, einem sogenannten Hyperscaler, heranwachsen. Hyperscaler sind Cloud-Anbieter, die große Mengen Rechenleistung und KI-Infrastruktur bereitstellen.

Microsoft Azure oder Amazon Webservices gelten hier als Marktführer. Langdock wolle ein ähnliches Angebot schaffen – und damit zur digitalen Souveränität beitragen, die in Europa politisch zusehends eingefordert wird. Noch in diesem Jahr soll dafür ein erstes eigenes Rechenzentrum in Deutschland in Betrieb gehen, in das das Start-up zwischen 10 und 15 Millionen Euro investieren will.

In Zukunft sollen Langdock-Kunden so die Möglichkeit haben, Open-Source-Modelle wie etwa das chinesische Deepseek auch in Deutschland auf eigenen Servern zu hosten. Laut Dada geht es darum, ein souveränes Angebot mit Rechenleistung und Unternehmenssoftware aus einer Hand zu schaffen.

Die Energiekosten in Deutschland sind im europäischen Vergleich sehr hoch, etwa im Vergleich zu Skandinavien. Das mache Deutschland erst mal weniger attraktiv als Standort für energieintensive Datencenter, so Dada. Gleichzeitig gebe es hierzulande bereits „hochprofitable“ Datencenter.

Es soll sie nicht davon abhalten, ebenfalls ein solches zu bauen.

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