Kuriose Erklärung: Darum ließ Preining seinen Teamkollegen Feller noch vorbei
(Motorsport-Total.com) - Thomas Preining hat beim Saisonfinale in Hockenheim seinen zweiten DTM-Titel perfekt gemacht: Dem Manthey-Porsche-Piloten reichte ein dritter Platz, um den Titelgewinn unter Dach und Fach zu bringen. Kurios: Bis zur letzten Runde lag der Österreicher sogar auf Rang zwei, ehe er Manthey-Teamkollege Ricardo Feller vorbei ließ.
"Ich hatte einen Krampf im Fuß, das kann passieren", liefert der neue DTM-Champion im Gespräch mit Motorsport-Total.com die (wohl nicht ganz ernst gemeinte) Erklärung. Denn bereits am Samstag hatte Landgraf-Pilot Lucas Auer seinen AMG-Markenkollegen Maro Engel vorbeigelassen - und zwar mit derselben Begründung.
Engel kämpfte am Samstag nicht nur um den Sieg, sondern auch um seine verbliebene Titelchance. Das Geschenk von Auer nahm er deshalb gerne an. Offiziell sind Teamorder und Herstellerabsprachen laut DTM-Reglement allerdings bereits seit 2022 verboten. Die Fahrer werden deshalb gerne kreativ, wenn sie ihren Markenkollegen helfen wollen.
Dass Preining seinem Manthey-Teamkollegen am Sonntag den zweiten Platz überlassen hat, bestreitet der frisch gebackene DTM-Champion: "Nein, nein", sagt der Österreicher mit einem verständlichen Schmunzeln. Sein Vorsprung in der Gesamtwertung war ohnehin so komfortabel, dass ihm sogar ein zehnter Platz zum Titelgewinn gereicht hätte.
Thomas Preining erlebt gute Anfangsphase
Dabei hatte der Manthey-Porsche-Pilot das letzte Rennen des Jahres lediglich vom siebten Startplatz in Angriff genommen. Doch Preining erwischte einen starken Start und arbeitete sich bereits im Verlauf der ersten Runde auf Rang vier nach vorne. "Ehrlich gesagt war ich heute nicht im Angriffsmodus", sagt der 28-Jährige.
"Am Start habe ich einfach nur versucht, Ärger aus dem Weg zu gehen", ergänzt Preining, der scherzhaft vom "Carbon-Mittelfeld" spricht. "Überall um mich herum gab es Unfälle. Ich habe einfach versucht, nirgendwo hineingeraten zu werden."
"Das hat gut geklappt", freut sich der nun zweifache DTM-Champion. "Ein paar Runden später habe ich mir den dritten Platz gesichert, als die anderen vor mir miteinander kämpften." Noch vor dem ersten Boxenstopp gelang es Preining zudem, Markenkollege Buus zu überholen und damit den zweiten Rang zu übernehmen.
Beim ersten Stopp setzte Manthey auf gebrauchte Reifen. "Das war von Anfang an der Plan", verrät der Österreicher. Damit sollten "wir im Falle eines späten Safety-Cars zum Schluss die besten Reifen haben und uns verteidigen können. Im Endeffekt ist alles beim Start super aufgegangen."
Rückendeckung von Feller war "definitiv entspannter"
Die Winward-Mercedes-Mannschaft entschied sich für die entgegengesetzte Strategie und setzte bei Engel im Mittelsprint auf frische Reifen. Für Preining spielte das allerdings kaum eine Rolle. Ihm war es "eigentlich auch relativ egal, ob Maro jetzt schneller ist oder zehn Sekunden weg fährt oder nicht. Je weiter er weg ist, desto besser."
Ohnehin musste Preining keinen Angriff von hinten fürchten: Manthey-Teamkollege Ricardo Feller folgte dem Österreicher mit identischer Reifenstrategie. "Es war natürlich praktisch das ganze Rennen über, dass ich immer irgendwie Rückendeckung gehabt habe", zeigt sich Preining dankbar.
"Es war definitiv deutlich entspannter, als wenn man von einer Meute Mercedes-Fahrern umgeben ist", ergänzt der Österreicher. "Ich war auf jeden Fall froh darüber. Ganz 'gemütlich' ist es natürlich trotzdem nie, aber es hat die Sache definitiv etwas einfacher und entspannter gemacht - das war schon gut."
"Das brauchst du aber im Meisterschaftskampf, nicht nur am letzten Tag, sondern generell ist es gut, wenn man Leute hat, auf die man sich verlassen kann." Tatsächlich konnte sich Preining am Sonntag auf seinen Teamkollegen verlassen: Denn obwohl Feller offensichtlich schneller unterwegs war, verzichtete der Schweizer auf einen Angriff.
Preining-Geschenk hat keine Auswirkungen für Feller
Möglicherweise bekam Preining genau deshalb in der letzten Runde noch den mysteriösen Krampf im Fuß, sodass Feller kurz vor dem Ziel noch vorbeiziehen konnte. Der Schweizer nutzte die Gelegenheit, ohne zu wissen, warum sein Teamkollege ihn plötzlich passieren ließ. "Ich habe es dann natürlich mitgenommen", sagt Feller.
"Ich weiß nicht, ob es vielleicht noch einen Unterschied gemacht hat bei mir in der Fahrermeisterschaft." Statt der 16 Punkte für Rang drei erhielt Feller am Ende 20 Punkte für den zweiten Platz. Auf die Gesamtwertung hatte das allerdings keine Auswirkungen mehr.
"Aber es hat mich natürlich gefreut, die Saison mit einem Podium zu beenden", ergänzt Feller. Gemeinsam mit Preining wird der Schweizer nun den Titelgewinn feiern - und seinem Teamkollegen dabei vielleicht auch den "Krampf" aus dem Fuß massieren ...