DAX +0,19 % 26.141,52 Pkt 17:12:13 MDAX +0,80 % 32.077,24 Pkt 17:12:17 Euro Stoxx 50 +0,61 % 6.461,31 Pkt 17:12:15 Dow Jones -0,59 % 53.150,04 Pkt 17:27:17 S&P 500 -0,41 % 7.676,19 Pkt 17:27:13 Nasdaq -0,62 % 26.166,57 Pkt 17:27:12 Nikkei -0,30 % 66.016,36 Pkt 08:45:03 Gold +3,06 % 4.654,40 USD 17:17:07 Silber +1,88 % 69,31 USD 17:17:14 Brent +0,27 % 94,03 USD 17:17:10 WTI -1,30 % 86,69 USD 17:17:16 Bitcoin +6,49 % 77.771,38 USD 17:27:15 EUR/USD +0,03 % 1,16780 USD 17:26:56 EUR/GBP -0,20 % 0,85660 GBP 17:27:17 EUR/CHF +0,53 % 0,93610 CHF 17:27:17 EUR/JPY +0,47 % 185,630 JPY 17:27:17

Kurssprung von 177 Prozent an einem Tag: Wo nach Moderna das nächste Pharma-Kursfeuerwerk lauert

Technologie

177 Prozent Kursanstieg an nur einem Handelstag: Der Erfolg der Moderna-Studie mit dem gemeinsam mit Merck & Co. entwickelten personalisierten mRNA-Impfstoff gegen Hochrisiko-Melanome zeigt, welche Wucht klinische Daten an der Börse entfalten können. Für Anleger richtet sich der Blick damit fast zwangsläufig auf den möglichen nächsten Überraschungserfolg. Welche Unternehmen stehen vor einem wichtigen Studiendurchbruch – und wo könnte ein Erfolg die Bewertung besonders stark verschieben? Pharma und Biotech: Wo Experten das nächste Kursfeuerwerk erwarten Besonders groß ist dieser Hebel bei kleineren Biotechfirmen. Dort hängt die Zukunft oft an wenigen Wirkstoffen, mitunter sogar nur an einem einzigen. Entsprechend empfindlich reagieren die Kurse, wenn neue Daten die Erfolgsaussichten grundlegend verändern. In einem aktuellen Überblick hebt das US-Anlegermagazin „Barron’s“ vor allem Summit Therapeutics und Revolution Medicines hervor. Beide Unternehmen stehen vor Entscheidungen, die ihre weitere Entwicklung maßgeblich prägen könnten. Summit Therapeutics: Goldman Sachs sieht den großen Kurstreiber Bei Summit Therapeutics hängt derzeit fast alles an einem einzigen Medikament: Ivonescimab. Der Wirkstoff soll das Immunsystem im Kampf gegen Krebs unterstützen und zugleich verhindern, dass der Tumor neue Blutgefäße bildet und sich so weiter versorgt. In China hat diese Kombination bereits vielversprechende Ergebnisse geliefert. Nun muss Summit beweisen, dass sie auch in großen internationalen Studien überzeugt. ANZEIGE ANZEIGE Entsprechend groß ist die Bedeutung der laufenden Phase-3-Studie. Goldman-Sachs-Biotechanalystin Salveen Richter zählt laut „Barron’s“ die anstehenden Ergebnisse zu den wichtigsten Ereignissen für Biotech-Aktien in diesem Jahr. Fallen die Daten überzeugend aus, hält sie einen Aktienkurs von 41 Dollar für möglich. Sollte Summit selbst zum Übernahmeziel werden, wären ihrer Einschätzung nach sogar Kurse von mehr als 70 Dollar denkbar. Allerdings zeigt die jüngere Vergangenheit, wie riskant die Wette ist. Bei einer frühen Zwischenanalyse der Phase-3-Studie erreichte Ivonescimab bei einer bestimmten Form von Lungenkrebs noch keinen statistisch eindeutigen Vorteil. Die Summit-Aktie verlor daraufhin rund 25 Prozent. Daina Graybosch von Leerink Partners, einer auf den Gesundheitssektor spezialisierten US-Investmentbank, bezeichnete die heftige Marktreaktion gegenüber „Investor’s Business Daily“ als nachvollziehbar. Es bleibe eine erhebliche Unsicherheit über den weiteren Ausgang der Studie. Schon im zweiten Halbjahr könnte es aber mehr Klarheit geben. Dann erwartet Summit die entscheidende Analyse für die untersuchte Patientengruppe mit Plattenepithel-Lungenkrebs. Zudem steht eine zweite wichtige Entscheidung an: Bis zum 14. November 2026 will die FDA über die Zulassung von Ivonescimab in Kombination mit einer Chemotherapie bei einer anderen Form von nicht-kleinzelligem Lungenkrebs entscheiden. BioNTech: Goldman optimistisch, Morningstar deutlich vorsichtiger Auch bei BioNTech könnte sich 2026 entscheiden, ob aus der Covid-Erfolgsgeschichte tatsächlich ein großer Krebsmedikamentenhersteller wird. Anders als Summit setzt das Mainzer Unternehmen allerdings nicht auf einen einzelnen Kandidaten. BioNTech erwartet in diesem Jahr mehrere wichtige Daten aus seiner Onkologie-Pipeline. Dazu gehören Phase-3-Ergebnisse zu „BNT113“ bei Kopf-Hals-Krebs, „Gotistobart“ bei Lungenkrebs sowie „Trastuzumab Pamirtecan“, kurz T-Pam, bei Brustkrebs. Goldman Sachs sieht darin eine große Chance. Die Bank stufte BioNTech bereits im Januar von „Neutral“ auf „Kaufen“ hoch und erhöhte ihr Kursziel von 115 auf 142 Dollar. Die Analysten sehen BioNTech nach Angaben des US-Finanzdienstes „The Fly“ „im Zentrum bedeutender Entwicklungen“ in der Onkologie. Vor allem die Kombination aus neuen Immuntherapien und sogenannten Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten könnte nach Einschätzung der Bank neue Behandlungsansätze ermöglichen. Dass die Pipeline trotzdem mit erheblichen Risiken verbunden ist, zeigt die Gegenposition von Morningstar-Analyst Jay Lee. Morningstar setzte den fairen Wert der BioNTech-Aktie im Mai lediglich bei 76 Dollar an und bewertet die Unsicherheit als „sehr hoch“. Die Aktie sei nach Einschätzung des Analysehauses leicht überbewertet. Bei BioNTech stehen also mehrere Daten an, die das Bild verändern können. Anders als bei Summit verteilt sich das Risiko aber auf eine deutlich größere Pipeline. Revolution Medicines: Der erste Kurssprung ist schon passiert Wie schnell ein einziges Medikament einen Unternehmenswert verändern kann, zeigt auch Revolution Medicines. Patienten mit metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs lebten in der Phase-3-Studie unter Daraxonrasib im Median 13,2 Monate – gegenüber 6,7 Monaten unter der Vergleichsbehandlung. Analysten von BMO Capital Markets sprechen laut „MarketWatch“ von einem „klaren Überlebensvorteil“ bei einer Krebsart, bei der es lange kaum therapeutische Fortschritte gegeben habe. Die Analysten von Leerink Partners glauben, dass Daraxonrasib allein bei metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs in der Spitze rund 7,6 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr erzielen könnte. Allerdings ist ein beträchtlicher Teil dieser Hoffnung inzwischen in der Bewertung angekommen. Die Analysten von Bernstein argumentierten, dass ein erheblicher Teil des erwarteten Umsatzpotenzials der Pipeline bereits im Kurs berücksichtigt sei. Die medizinische Pipeline bleibt dennoch relevant: Die FDA prüft inzwischen den Zulassungsantrag für Daraxonrasib bei Bauchspeicheldrüsenkrebs. Zusätzlich läuft eine Phase-3-Studie bei Lungenkrebs. Zealand: Die Wette auf weniger Nebenwirkungen Ein anderer Milliardenmarkt lockt bei Zealand Pharma. Gemeinsam mit Roche, einem der größten Pharmakonzerne der Welt, entwickelt das dänische Biotechunternehmen das Abnehmmedikament Petrelintide. Der Wirkstoff soll nicht nur beim Gewichtsverlust helfen, sondern vor allem weniger Nebenwirkungen verursachen als viele bisherige Abnehmspritzen. Genau darin sieht HSBC-Analyst Rajesh Kumar laut Reuters derzeit eine der größten offenen Chancen im Abnehmmarkt. Verträglichkeit sei momentan der entscheidende ungedeckte medizinische Bedarf. Patienten benötigten nicht zwingend mehr als 20 Prozent Gewichtsverlust. Entscheidend seien eine konkurrenzfähige Wirkung, gute Verträglichkeit und eine langfristig praktikable Einnahme. Bei der bisherigen Gewichtsabnahme liegt Petrelintide allerdings hinter einigen Konkurrenzprodukten. Morningstar-Analystin Karen Andersen sagte Reuters im März, die Wirksamkeit liege klar unter den Daten von Eli Lillys konkurrierendem Amylin-Wirkstoff Eloralintide. Direkte Vergleiche seien wegen unterschiedlicher Teilnehmergruppen allerdings schwierig. Auch bei der Aktie gehen die Meinungen auseinander. Jefferies bestätigte im Juni seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 505 dänischen Kronen. Die Deutsche Bank blieb dagegen bei „Halten“ und einem Ziel von 300 Kronen. Analyst Emmanuel Papadakis begründete die zurückhaltende Haltung unter anderem mit langen Zeiträumen bis zu einer möglichen Vermarktung und zuletzt schwierigen Pipelineentwicklungen. Noch im zweiten Halbjahr sollen Daten einer weiteren Phase-2-Studie bei Patienten mit Typ-2-Diabetes folgen. Zudem soll Petrelintide in Phase 3 wechseln. Wie stark solche Studienergebnisse eine Aktie bewegen können, hat Moderna gerade eindrucksvoll gezeigt – allerdings gilt derselbe Mechanismus auch in die andere Richtung. Je stärker der Unternehmenswert an einzelnen Studien hängt, desto größer ist nicht nur das Potenzial für einen Kurssprung, sondern auch für einen Absturz.

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