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Kusama-Ausstellung in Köln knackt Besucherrekord

Unterhaltung

Polka Dots, grelle Farben und verspiegelte Räume - Yayoi Kusamas farbenfrohe Kunst beeindruckt Hunderttausende. Für das Museum Ludwig in Köln ist die zu Ende gehende Ausstellung die erfolgreichste seiner Geschichte. Mit über 450.000 Besucherinnen und Besuchern knackt Kusama den über 20 Jahre alten Rekord. Jetzt, kurz vor Schluss, wird Bilanz gezogen: Was macht Kusamas Kunst - also die berühmten Punkte und Infinity Rooms - zum Publikumsmagneten? Wie reist dieser Erfolg weiter nach Amsterdam - und wer ist die Frau, die weltweit fasziniert? Kusama-Ausstellung als Erstkontakt mit Kunst "Wir haben mit einem großen Erfolg gerechnet, sind aber jetzt doch überrascht, wie groß der Erfolg ist", sagt Museumsdirektor Yilmaz Dziewior. Wochenlang waren die Tagestickets ausverkauft, Menschen aus ganz Deutschland kamen angereist, teils in Verkleidung. Die Besucherzahl übertrifft den bisherigen Rekord einer Edward-Hopper-Ausstellung im Jahr 2004/2005, seinerzeit wurden 380.000 Tickets verkauft. Den Direktor begeistert aber nicht nur das rege Interesse, auch das mediale Echo sei durchweg positiv gewesen. Durch den zusätzlichen Hype auf Social Media wurden auch Museumsneulinge erreicht: "Da sind Besucherinnen und Besucher, die teilweise noch nie bei uns waren", so Dziewior. Kusama wirkt dabei als Vermittlerin zur übrigen Sammlung - das Museum hofft, das neue Publikum auch langfristig zu binden. Aufgrund der hohen Nachfrage wird das Museum an den letzten beiden Ausstellungstage am 01. und 02. August bis spät in die Nacht geöffnet bleiben. Eine Verlängerung über die "Kusama-Nächte" hinaus ist nicht möglich, da die Ausstellung ins Stedelijk Museum in Amsterdam weiterzieht. Infinity Rooms, Polka Dots und Selfie-Hype Besonderes Highlight der Ausstellung ist einer von Kusamas berühmten Infinity Rooms: begehbare Installationen, die unendliche Räume erzeugen. Im etwa 400 Quadratmeter großen, besonders geräumigen DC-Saal des Museum Ludwig erstrecken sich tentakelartige Skulpturen über den gesamten Raum, übersät mit dem Kusama-typischen Punktemuster in Gelb und Schwarz. Hier kann das Publikum in Kusamas Kunst eintauchen und Teil davon werden. Für Direktor Dziewior ist das Besondere die "geradezu körperliche Wirkung" dieser Installation. Das Werk wird für jedes Museum der Ausstellungstour an die jeweiligen Räumlichkeiten angepasst: Höhe, Breite und Laufwege müssen exakt abgestimmt, Licht und Spiegelungen sorgfältig eingerichtet werden, damit der Eindruck einer "Unendlichkeit" funktioniert. Ein Leben zwischen Klinik und Kunstwelt Die Gesamtausstellung zeigt aber weit mehr als spektakuläre Fotomotive, sie erzählt auch von der künstlerischen Entwicklung und Persönlichkeit der Künstlerin Yayoi Kusama. Kusamas Arbeiten bieten eine Mischung aus beliebten Fotomotiven und tiefergehenden Themen. In ihren Werken stellt sie existenzielle Fragen, beschäftigt sich aber auch mit der Natur im Wandel oder Vergänglichkeit. 97 Jahre alt ist Yayoi Kusama. Seit 1977 lebt die Japanerin freiwillig in einer psychiatrischen Klinik. Hier malt sie kontinuierlich weiter. Schon als Kind hatte sie Halluzinationen, die ihr Angst machten. Indifferente Formen überlagerten ihre Wahrnehmung. Diese Bilder bringt sie bis heute als Ursprung ihrer Motive auf Papier. Somit wird die Kunst für sie zur Überlebensstrategie, um Depressionen und Gefühle von Hoffnungslosigkeit zu überwinden. Prägender Familienbetrieb Auch Punkte, Netze und Blüten begleiteten sie schon früh - ihre Familie betrieb eine Samengärtnerei. Mit Ende 20 zog sie 1957 nach New York, wo sie die Kunstwelt mit ihren Wiederholungsmustern begeisterte. In dieser Zeit entstanden erste Installationen und Performance-Stücke, die politische Themen sowie sexuelle Befreiung aufgriffen. Gleichzeitig entwickelte sich Mode zu einem festen Bestandteil ihrer Kunst. Doch das Leben in New York forderte auch ihre mentale Gesundheit. 1977 kehrte sie zurück nach Japan und entdeckte auch die Literatur als künstlerische Ausdrucksform. Mittlerweile gilt Yayoi Kusama als globale Ikone, mitsamt erfolgreichen Markenkooperationen von Louis Vuitton bis Veuve Clicquot und mit eigenem Museum in Tokio. Vom Museum Ludwig ins Stedelijk Die größte Ausstellung der Tour zieht nun weiter. Knapp 300 Exponate, darunter Installationen, Gemälde sowie Literatur, müssen verpackt und transportiert werden. Schon der Aufbau sei ein enormer Kraftakt gewesen, berichtet Museumsleiter Dziewior. Der logistische Aufwand beim Abbau ist ähnlich groß. Zwanzig Sattelschlepper, speziell für den Transport empfindlicher Kunstwerke konzipiert, werden die Werke nach Amsterdam ins Stedelijk Museum bringen. Allein für die Arbeiten auf dem Museumsdach braucht es zwei Kräne, um sie wieder herunterzuheben. Was vom Kusama-Hype bleibt Rund einen Monat wird das Verpacken dauern. Viele Werke kommen in maßgefertigte Kisten mit kontrolliertem Klima, damit Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit keinen Schaden anrichten. Für den Umzug reisen Kuriere aus den unterschiedlichen Leihgeber-Museen an. Detaillierte Ablaufpläne regeln, welche Objekte wann bewegt werden dürfen, Restauratorinnen und Restauratoren dokumentieren Zustand und Transportwege jedes einzelnen Exponats. Für Yilmaz Dziewior ist klar: Viele Besucherinnen und Besucher nehmen nicht nur Fotos mit nach Hause. Durch die Art, wie sie aus ihrem Schicksal "unglaublich fröhliche" Kunst schafft und das Publikum aufheitert, hinterlasse Kusama "einen großen Optimismus ". Er ist sich sicher: "Das wird für viele in Köln noch nachhallen."

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