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L-Thyroxin, aber Beschwerden bleiben? Experten raten bei Nahrungsergänzungsmitteln zur Vorsicht

Allgemein

Nahrungsergänzung trotz L-Thyroxin: Was ist wirklich belegt?

Wer trotz gut eingestellter Schilddrüsenwerte weiter unter Müdigkeit oder anderen Beschwerden leidet, stößt schnell auf Nahrungsergänzungsmittel, die eine bessere Umwandlung des Schilddrüsenhormons L-Thyroxin (T4) in die aktive Form T3 versprechen.

Laut DGE wird häufig behauptet, bestimmte Inhaltsstoffe wie Selen, Cholin oder Pflanzenextrakte aus der Mariendistel könnten die Hormonumwandlung über einen Einfluss auf den Leberstoffwechsel fördern. Die Fachgesellschaft kritisiert, dass dabei wissenschaftliche Erkenntnisse teilweise verkürzt dargestellt oder aus dem Zusammenhang gerissen würden.

Betroffene sollten deshalb vorsichtig sein, wenn Präparate mit einer angeblichen Unterstützung des Schilddrüsenstoffwechsels beworben werden.

Cholin und Mariendistel: Warum Experten zur Vorsicht raten

Besonders kritisch bewertet die DGE Nahrungsergänzungsmittel, die bestimmte Inhaltsstoffe aus Mariendistelextrakten enthalten. Dazu gehört Silychristin. Untersuchungen deuten darauf hin, dass Silychristin den Schilddrüsenhormon-Transporter MCT8 hemmen kann. Dieser Transporter ist wichtig, damit Schilddrüsenhormone in die Zellen gelangen. Theoretisch könnte eine regelmäßige Einnahme dadurch Beschwerden sogar verstärken, statt zu lindern.

Auch für Cholin verweist die Fachgesellschaft auf aktuelle Forschungsergebnisse. Demnach waren höhere Cholinkonzentrationen mit veränderten Schilddrüsenwerten und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert. Dabei handelt es sich jedoch um einen beobachteten Zusammenhang. Aus solchen Daten lässt sich nicht automatisch ableiten, dass Cholin die Ursache dieser Veränderungen ist. „Diese Studien zeigen, dass eine Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln nicht immer unkritisch ist“, betont Professor Dr. med. Lars Möller in einer Mitteilung der Fachgesellschaft. Er ist Mitglied der Sektion Schilddrüse der DGE und Oberarzt am Universitätsklinikum Essen. Besondere Vorsicht sei ihm zufolge geboten, wenn die behauptete Wirkung eines Präparats sehr schwammig formuliert sei.

Beschwerden trotz guter Schilddrüsenwerte: Das sollten Patienten prüfen lassen

Eine Schilddrüsenunterfunktion wird häufig durch eine Autoimmunthyreoiditis verursacht. Dabei greift das Immunsystem die Schilddrüse an, sodass sie nicht mehr ausreichend Hormone produziert. L-Thyroxin gleicht diesen Mangel aus. Bleiben Beschwerden dennoch bestehen, empfiehlt die DGE eine ärztliche Abklärung statt Selbstbehandlung. Mögliche Gründe können unter anderem sein:

Einnahmefehler

Wechselwirkungen mit Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln

Begleiterkrankungen oder andere Ursachen

Wichtig ist laut der Fachgesellschaft außerdem: Patientinnen und Patienten sollten L-Thyroxin weder eigenständig absetzen noch die Dosis verändern.

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