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Lage in Haftanstalten ist "besorgniserregend"

Nation

Der geplante Aufstand in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Siegburg ist nicht der erste Zwischenfall in Gefängnissen in jüngster Zeit. Was ist da los in Deutschlands Haftanstalten? Das haben wir Thomas Galli im WDR-Interview gefragt. Galli ist Rechtsanwalt in Augsburg, war Leiter von Gefängnissen und hat Bücher geschrieben, in denen er das Strafsystem kritisiert. Nach Beinahe-Aufstand in Gefängnis: Wie kommen Waffen in den Knast? WDR: Herr Galli, wenn die Hinweise stimmen, die wir bekommen haben, dann müssten sich in der JVA Siegburg 450 Häftlinge organisiert und abgesprochen haben. Wie geht das? Galli: Ich halte es sehr schwer nachvollziehbar, dass wirklich fast alle Inhaftierten einer Anstalt sich absprechen und an einem Strang ziehen. Dazu ist die Gruppe der Inhaftierten meistens nicht homogen genug. Es gibt verschiedene Interessen, es gibt auch viele Konflikte untereinander. Aber dass sich größere Gruppen zusammenfinden, kommt schon immer wieder mal vor. Thomas Galli WDR: Wie können Waffen da eine Rolle spielen? Galli: Wenn Waffen im Spiel sind, wird es natürlich besonders gefährlich. Es gibt alle möglichen Wege, wie Dinge ins Gefängnis geschmuggelt werden. Zum Beispiel über Besucher, aber leider auch über Beamte. Zudem über Betriebe, die in Anstalten tätig sind. Es kommt immer wieder vor, dass sich auch Schusswaffen in den Anstalten befinden. Welche Gefängnisreform der Experte fordert WDR: Wir hier in NRW haben in den vergangenen Wochen viel über korrupte Systeme in den JVAen in NRW erfahren. Das Personal war mutmaßlich involviert und hat gegen Geld Freiheiten und Extras gewährt. Eskaliert da gerade etwas? Galli: Ich habe schon den Eindruck, dass die Situation in den Vollzugsanstalten immer angespannter wird. Die Vorfälle häufen sich. Seit Jahrzehnten kommt es immer mal wieder vor, dass es Fälle von korrupten Bediensteten gibt. Oder von Leuten, die Drogen oder Handys in Gefängnisse geschmuggelt haben. Dass das so verstärkt auftritt und offensichtlich ganze Netzwerke entstanden sind, ist aber eine besorgniserregende Entwicklung. WDR: Sie halten von dieser Art von Strafvollzug eher wenig. Was schlagen Sie stattdessen vor? Galli: Wenn einige hundert Sträflinge zusammen in eine geschlossene Anstalt eingesperrt werden, führt das oft zu Problemen. Die Menschen schaukeln sich gegenseitig hoch. Wenn man schon mit Freiheitsentzug arbeiten will - und in einigen Fällen kommt man auch sicherlich nicht daran herum - dann wären auf jeden Fall kleinere dezentrale Einrichtungen vorzugswürdig. Mit höchstens 50 Menschen zusammen. Dann können auch solche Entwicklungen, wie sie jetzt im Raum stehen, weitgehend unterbunden werden. Das Interview führte Martina Eßer für WDR-Aktuell am 22. Juli 2026. Sendung: WDR.de, Interview mit Thomas Galli, 22.07.2026, 19:15 Uhr

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