DAX +1,40 % 25.817,18 Pkt 12:45:19 MDAX +0,11 % 32.278,03 Pkt 12:45:25 Euro Stoxx 50 +0,99 % 6.407,16 Pkt 12:45:15 Dow Jones -1,02 % 52.208,06 Pkt 22:56:30 S&P 500 +0,12 % 7.437,63 Pkt 22:44:35 Nasdaq +0,99 % 25.122,18 Pkt 23:15:59 Nikkei +4,03 % 64.362,02 Pkt 08:45:03 Gold +0,30 % 4.112,40 USD 12:50:06 Silber -1,01 % 58,22 USD 12:50:22 Brent +0,66 % 89,62 USD 12:40:35 WTI +0,78 % 84,24 USD 12:50:15 Bitcoin -1,34 % 63.859,87 USD 13:00:21 EUR/USD +0,33 % 1,15050 USD 13:00:24 EUR/GBP -0,26 % 0,85560 GBP 13:00:26 EUR/CHF -0,23 % 0,93060 CHF 13:00:24 EUR/JPY -1,73 % 184,008 JPY 13:00:25

Lagen: Wann kehren wir endlich zur Atomkraft zurück?

Technologie

Die Bundesnetzagentur trifft Vorkehrungen für eine Strommangel-Lage in Deutschland. Das ist vernünftig. Deutschland hat sich offiziell zum Ziel gesetzt, seinen künftigen Energiebedarf zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien zu decken, ohne die grundlastfähige Wasserkraft in nennenswertem Maß zur Verfügung zu haben. Da muss man sich auf sowas einstellen. Dunkelflauten, in denen die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, oder Hellbrisen, in denen ein Überangebot an erzeugtem Strom unsere Netze an den Rand der Belastbarkeit bringen, gibt es schließlich regelmäßig. Sie können Tage, manchmal auch Wochen andauern. Angesichts dieser Perspektiven ist es bemerkenswert, dass fast keiner der relevanten politischen oder wirtschaftlichen Akteure den derzeitigen Kurs grundlegend infrage stellt. Das Förderregime müsse effizienter werden, der Netzausbau schneller gehen, das hört man immer wieder. Aber die klare Aussage, dass Deutschland sich energiepolitisch komplett verrannt hat, grundlegend umsteuern muss, will es nicht in einem ökonomischen Desaster enden – das höre ich so nur im vertraulichen Gespräch. Öffentlich wird nach wie vor der Gesslerhut gegrüßt: „Wir halten am Ziel der Energiewende fest“. Dabei liegt die Lösung ja so nah: Kernenergie – die zusammen mit den Erneuerbaren ein ziemlich kongeniales Duo bilden könnte. Deutschland verfügt dabei über einen Schatz, der weltweit ziemlich einzigartig ist: mit deutscher Spitzentechnologie konstruierte Atomkraftwerke, von denen immer noch ziemlich viel da ist. Und die laut Fachleuten einen recht zeitnahen Wiedereinstieg in einem substantiellen Umfang möglich machen. Die Radiant Energy-Group, ein amerikanisches pro-nukleares Energieberatungsunternehmen mit Fokus auf Dekarbonisierung, hat dazu gerade wieder eine Studie vorgelegt. Demnach könnten die fünf zuletzt abgeschalteten AKW, Emsland, Isar 2, Neckarwestheim 2, Brokdorf und Grohnde bis 2031 wieder ans Netz gehen. Zu Kosten zwischen einer Milliarde (Brokdorf) und 2,2 Milliarden Euro (Grohnde). Technische Hürden, die eine Wiederinbetriebnahme unmöglich machen, bestünden nicht, so Radiant. Die deutschen Reaktoren seien langlebig, gut zugänglich für Wartungsarbeiten und auf den Austausch von Großkomponenten ausgelegt. Daher könne jede wesentliche Komponente repariert oder ersetzt werden. Ob das so stimmt, kann ich auf technischer Ebene nicht beurteilen. Aber ich sehe, dass es weltweit erfolgreiche Wiederinbetriebnahmen gab und gibt. Ausgerechnet Japan, das nach Fukushima den Betrieb seiner Kernkraftwerksflotte ausgesetzt hatte, ist wieder eingestiegen. Das amerikanische Kernkraftwerk Palisades in Michigan, das bereits im Rückbau war, soll noch dieses Jahr wieder ans Netz gehen. Taiwan prüft eine Reaktivierung, in Europa hat gerade Belgien entschieden, den Rückbau zu stoppen und einen Wiedereinstieg zu prüfen. Und nur in Deutschland soll der Ausstieg irreversibel sein? Das Problem ist kein technisches, schon klar. Die SPD macht nicht mit. Aber was wäre, wenn man das Thema zu dem erklärte, was es wahrscheinlich ist, eine der Schicksalsfragen Deutschlands? Kann sich die SPD dann wirklich dauerhaft verweigern? In Betriebsräten und Industriegewerkschaften wird das Thema inzwischen immer mehr gesehen – kann die Sozialdemokratie das ignorieren? Ich glaube: nein. Deutschland wird zur Kernenergie zurückkehren. Die Frage ist bloß, wann. Mit jedem Jahr, das wir warten, wird es teurer. Kristina Schröder war von 2002 bis 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages und von 2009 bis 2013 Bundesministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend. Heute ist sie unter anderem als Unternehmensberaterin tätig und als stellvertretende Vorsitzende von REPUBLIK21, Denkfabrik für neue bürgerliche Politik. Sie gehört der CDU an und ist Mutter von drei Töchter

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