Landtag Sachsen-Anhalt: AfD-Politiker Rausch zum neuen Präsidenten gewählt
Konstituierende Sitzung
Von 48 Abgeordneten gewählt: AfD-Politiker Rausch ist neuer Landtagspräsident
Stand: 06.10.2026 15:59 Uhr
Der AfD-Politiker Tobias Rausch ist bei der konstituierenden Sitzung des Landtags von Sachsen-Anhalt zum neuen Landtagspräsidenten gewählt worden. Er erhielt 48 Stimmen.
von MDR SACHSEN-ANHALT
Tobias Rausch ist neuer Landtagspräsident in Sachsen-Anhalt. Der AfD-Politiker wurde am Dienstag bei der konstituierenden Sitzung des Parlaments im ersten Wahlgang mit 48 der 82 abgegebenen Stimmen gewählt. 29 Abgeordnete stimmten gegen den 35-Jährigen, fünf enthielten sich.
Erster AfD-Parlamentspräsident in Deutschland
Es ist bundesweit das erste Mal, das die AfD einen Parlamentspräsidenten stellt. Die Wahl fand geheim und mit Stimmzetteln statt. Für die AfD sitzen 39 Abgeordnete im Landtag. Das BSW, das angekündigt hatte, Rausch wählen zu wollen, stellt fünf Abgeordnete. Beide Fraktionen kämen zusammen also auf 44 Stimmen.
Somit bekam Rausch vier Stimmen mehr, als vor der Wahl angenommen wurde. SPD, Grüne und Linke hatten angekündigt, mit Nein zu stimmen. Die CDU-Fraktionsspitze empfahl ihren Abgeordneten, sich zu enthalten.
Video: Aufgaben des Landtagspräsidenten (1 Min)
Rausch: Verschiedene Meinungen müssen ausgehalten werden
In seiner ersten Rede als Parlamentspräsident sagte Rausch, er wolle nicht als Präsident für eine Fraktion agieren, sondern als Präsident für den gesamten Landtag. Die Regeln im Parlament dürften nicht danach gestaltet werden, wem sie nützten und wem sie schadeten, sondern sie müssten Bestand haben.
Video: Was sich der neue Landtagspräsident vom Landtag wünscht (3 Min)
Der AfD-Politiker verwies zudem darauf, dass Menschen und Abgeordnete verschiedener Meinung sein können – das müsse ausgehalten werden. Er betonte, die Zeit für politische Brandmauern müsse vorbei sein.
Grünen-Fraktionschefin kritisiert AfD
Direkt nach der Wahl Rauschs meldete sich die Grünen-Fraktionsvorsitzende Susan Sziborra-Seidlitz zu Wort. Sie erklärte, aus einem Wahlergebnis erfolge kein Anspruch auf Unterordnung und kritisierte die neue Sitzordnung.
Der Fraktionsvorsitzende des BSW, Thomas Schulze, verteidigte im MDR die Wahl von Tobias Rausch durch seine Fraktion. Rausch sei der Kandidat der größten Fraktion. Er habe sich in Gesprächen mit seiner Partei zu Fachthemen sehr konstruktiv verhalten. Er werde dem Landtag guttun.
SPD-Abgeordnete überreicht Rausch weiße Rose
Die SPD-Fraktionsvorsitzende Katja Pähle überreichte dem neuen Landtagspräsidenten Tobias Rausch das Grundgesetz und eine weiße Rose. Sie verwies damit auf Artikel 37a der Landesverfassung, wie sie dem MDR sagte. Die weiße Rose steht als Symbol für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
Die stellvertretende parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Fraktion, Sandra Hietel-Heuer, sagte dem MDR, sie habe nicht mit 48 Stimmen für den AfD-Kandidaten gerechnet. Sie selber habe, wie angekündigt, nicht für ihn gestimmt.
MDR (Felix Fahnert, Christoph Dziedo, Linus-Benedikt Zosel, Norma Düsekow, Sebastian Gall), dpa | Erstmals veröffentlicht am 02.10.2026