Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt
Vor Landtagswahl
TV-Duell der Spitzenkandidaten: Schulze und Siegmund streiten über Migration, Wirtschaft und Bildung
Stand: 28.08.2026 15:31 Uhr
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht bevor. Keine zwei Wochen vor der Wahl haben die Spitzenpolitiker von CDU, AfD, der Linken, SPD, den Grünen, BSW und FDP in der MDR-Sendung "Fakt Ist!" diskutiert. Ein zentrales Thema war dabei die Migration.
von MDR SACHSEN-ANHALT
Elf Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben die Spitzenkandidaten in der MDR-Sendung "Fakt Ist!" über wichtige Themen in Sachsen-Anhalt diskutiert. Im MDR-Landesfunkhaus in Magdeburg waren am Mittwoch Sven Schulze (CDU), Ulrich Siegmund (AfD), Eva von Angern (Die Linke), Armin Willingmann (SPD), Susan Sziborra-Seidlitz (Bündnis 90/Die Grünen), Lydia Hüskens (FDP) sowie Thomas Schulze (BSW) zu Gast.
Schulze und Siegmund liefern sich hitzigen Schlagabtausch
Sven Schulze und Ulrich Siegmund haben den Umfragen zufolge die aussichtsreichsten Chancen, Ministerpräsident zu werden. Die beiden Politiker diskutierten in den ersten 30 Minuten zu zweit über verschiedene Themen. Dabei ging es beispielsweise um den Umgang miteinander und eine kürzliche Aussage der AfD-Chefin Alice Weidel, sie wolle nicht mehr angelogen werden von Flachzangen, "die da oben sitzen und irgendwas versprechen und genau das Gegenteil von dem tun". Schulze sagte daraufhin, dass er Siegmund niemals als Flachzange betiteln würde. Siegmund entgegnete auf die Frage, ob er diese Bezeichnung für seinen Kontrahenten verwenden würde: "Menschlich nicht, politisch ja."
Ein weiteres Thema in dem Schlagabtausch war die Inklusion. Siegmund sagte, Inklusion sei ein gescheitertes Experiment. Nach seinen Worten müssten die Menschen individuell betrachtet werden. Ministerpräsident Schulze zeigte sich darüber bestürzt. Kinder dürften nicht danach beurteilt werden, wie sie geboren werden.
Diskutiert wurde auch darüber, wie der künftige Ministerpräsident das Land regieren will. Schulze sagte, er wolle die Interessen Sachsen-Anhalts in den Bund tragen – und nicht umgekehrt. Er bezeichnete zudem das Thema Job und Arbeitsplätze als das wesentliche Thema für einen Ministerpräsidenten. In dem Zuge kündigte Schulze auch an, dass die Stickstoffwerke SKW Piesteritz insgesamt 200 Millionen in den Standort investieren wollen – 100 Millionen mehr als zuvor angekündigt. Schulze wertete das als Vertrauensbeweis.
Siegmund will dafür sorgen, dass den Menschen im Land wieder mehr Geld zur Verfügung steht. Dafür müssten nach seiner Ansicht die Ausgaben des Bundes im Ausland gestoppt werden. Auf die Frage, wie er als Ministerpräsident Arbeitsplätze in Sachsen-Anhalt retten würde, entgegnete Siegmund, man müsse der Wirtschaft wieder Luft zum Atmen geben. Als Land Sachsen-Anhalt sei man abhängig von den Entscheidungen in Berlin. "Und wir müssen endlich aufhören, als Länder das mitzuspielen", so Siegmund.
Eine halbe Stunde nach Sendungsbeginn stießen die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der übrigen Parteien zur Runde hinzu. Erstes großes Diskussionsthema war die Migration. Armin Willingmann (SPD) verwies auf sinkende Zuwanderungszahlen. Ulrich Siegmund (AfD) kritisierte die hohe Zahl der Einbürgerungen und forderte die konsequente Abschiebung straffälliger Einwanderer.
Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) nannte die Bürgerarbeit, bei der Geflüchtete gemeinnützige Tätigkeiten übernehmen, als positives Beispiel. In dem Zusammenhang äußerte sich Schulze auch zum Thema Innere Sicherheit. Er sagte, die Zahl der Straftaten in Sachsen-Anhalt habe sich seit 1995 fast halbiert.
Susan Sziborra-Seidlitz (Grüne) betonte, Zuwanderung sei notwendig, um die Folgen des demografischen Wandels abzumildern.
Eva von Angern (Linke) sagte, bei Straftaten gehe es nicht um die Herkunft der Täter, sondern um die Täter an sich. Man müsse in die Justiz vertrauen und vor allem auf die positiven Beispiele der Migration schauen. BSW-Kandidat Thomas Schulze sprach in der Diskussion davon, dass die Menschen in Sachsen-Anhalt nicht gut integriert seien. Nach seinen Worten kämen Migranten auf ihn zu und sagten: 'Wir sind zwar gut für die Arbeit, aber eine Integration, die soll überhaupt nicht stattfinden.'
Wirtschaft in Sachsen-Anhalt: Konzepte für Arbeitsplätze, Energie und Industrie
Die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt wurde ebenfalls umfangreich in der vergrößerten Runde diskutiert. Die Ansätze der Parteien gehen dabei weit auseinander. Die Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz sagte, es brauche günstigere Preise für erneuerbare Energien. Lydia Hüskens (FDP) sprach sich dafür aus, die nationale CO2-Abgabe abzuschaffen und bürokratische Hürden abzubauen. Armin Willingmann (SPD) hingegen will Unternehmen und Wissenschaft enger vernetzen.
Bildungspolitik und Inklusion: Wo die Parteien unterschiedliche Ansätze verfolgen
Auch beim Thema Bildung verfolgen die Spitzenkandidaten unterschiedliche Ansätze. Eva von Angern (Die Linke) fordert weitere Investitionen in die Schulsozialarbeit, damit Kinder und Jugendliche Ansprechpartner für ihre Probleme haben. Ulrich Siegmund (AfD) plädiert für ein stärker leistungsorientiertes und gegliedertes Schulsystem mit Sekundar-, Realschulen und Gymnasien. Inklusion sei keine pauschale Lösung; Schülerinnen und Schüler müssten individuell gefördert werden.
Thomas Schulze (BSW) fordert, den Lehrerberuf attraktiver zu machen und besser zu bezahlen. Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) setzt auf finanzielle Anreize bei Versetzungen sowie eine stärkere Unterstützung von Seiteneinsteigern.
Im aktuellen Sachsen-Anhalt-Trend, den Infratest dimap für die ARD ermittelt, liegt die AfD weiterhin weit vorn, gefolgt von CDU, den Linken, SPD und den Grünen. Auf die Umfrage angesprochen, wirft Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) der AfD vor, in die Vergangenheit statt in die Zukunft zu blicken. Ulrich Siegmund (AfD) entgegnet, seine Partei wolle Politik für das eigene Land machen.
Thomas Schulze (BSW) betont, einen Politikwechsel gebe es nur mit seiner Partei. Armin Willingmann (SPD) strebt erneut eine Regierungsbeteiligung an. Eva von Angern (Die Linke) erklärt, die Mehrheit der Menschen in Sachsen-Anhalt wolle vor einer Regierungsbeteiligung der AfD geschützt werden. Auch Lydia Hüskens (FDP) positioniert sich gegen eine Beteiligung der AfD. Susan Sziborra-Seidlitz (Grüne) erwartet ein "hartes Stück Arbeit" bei der Bildung einer handlungsfähigen Regierung, zeigt sich aber optimistisch.
MDR (Chiara Swenson, Linus-Benedikt Zosel, Kalina Bunk) | Erstmals veröffentlicht am 26. August 2026