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Landtagswahl MV: AfD vor SPD - Mehrheitsverhältnisse noch unklar

Allgemein

Stand: 20.09.2026 21:08 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern hat einen neuen Landtag gewählt. Laut den Hochrechnungen hat die AfD die Wahl vor der SPD gewonnen. CDU und BSW müssen um den Einzug ins Parlament bangen - die Grünen kommen auf knapp über fünf Prozent.

Laut den Hochrechnungen von infratest dimap geht die AfD als Sieger aus der Wahl hervor: Laut jüngster Hochrechnung von 19.57 Uhr erreicht die AfD 37,9 Prozent. Die SPD folgt demnach mit 35,7 Prozent. Mit großem Abstand dahinter liegt die Linkspartei mit 6,7 Prozent. Die Grünen erreichen 5,4 Prozent, die CDU liegt derzeit bei 5,0 Prozent. Das BSW erreicht 4,9 Prozent. Sollte es das BSW am Ende nicht in den neuen Landtag schaffen, könnte es rechnerisch für eine rot-rot-grüne Landesregierung reichen. Aber auch eine Dreier-Koalition aus SPD, CDU und Grüne könnte nach jetzigem Stand eine knappe Mehrheit im Landtag.

AfD mit riesigem Plus

Die AfD gewinnt laut der jüngsten Hochrechnung gegenüber der Landtagswahl von 2021 ganze 21,2 Prozentpunkte hinzu. Die SPD verliert 3,9 Prozentpunkte, bei der Linken sind es 3,2 Prozentpunkte. Die CDU muss ein Minus von 8,3 Prozentpunkten hinnehmen. Bei den Grünen hält sich das Minus mit 0,9 Prozentpunkten in Grenzen. Das BSW war bislang nicht im Landtag vertreten.

Holm: "Wir haben den Regierungsauftrag"

Leif-Erik Holm, Kandidat der AfD für das Amt des Ministerpräsidenten, sagte in Schwerin, die AfD habe einen Regierungsauftrag bekommen. Die AfD werde auf die anderen Parteien zugehen und er erwarte Gesprächsbereitschaft, denn es gehe "ums Land". Es werde Zeit, dass die AfD Regierungsverantwortung übernehme und "Verbesserungen für die Bürger" erreiche. Allerdings haben am Wahlabend alle anderen Parteien eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen.

Schwesig bereit für "stabile demokratische Regierung"

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sagte im ARD Interview, sie stehe für eine "stabile demokratische Regierung bereit". Die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler wolle, dass sie Ministerpräsidentin bleibe und ihre Arbeit fortsetzen könne. Die AfD werde keine Regierung stellen können, so Schwesig.

Schwesig sprach von einer Aufholjagd, die der SPD gelungen sei. "Vor einem Jahr lag die SPD MV bei 19 Prozent", blickte Schwesig zurück." Es sei die schwerste Landtagswahl gewesen - mit viel Gegenwind aus Berlin und einer erstarkten, in Teilen rechtsextremistischen AfD.

Laut Wahlforschungsinstitut infratest dimap hat die SPD bei dieser Wahl rund 47.000 Wähler an die AfD verloren. Zugleich erhielt die SPD aber 25.000 Stimmen aus dem bisherigen Lager der CDU-Wähler. Unter den heutigen SPD-Wählern gaben 49 Prozent an, dass sie die SPD ohne Manuela Schwesig nicht gewählt hätten.

Linken-Politikerin Oldenburg: Für Gespräche mit SPD bereit

Die Spitzenkandidatin der Linken in Mecklenburg-Vorpommern, Simone Oldenburg, hat sich offen für eine weitere Beteiligung an einer neuen Landesregierung gezeigt. Die Linke sei der Garant für ein bezahlbares Leben und eine gute Bildungspolitik. "Das möchten wir natürlich weiter vorantreiben", sagte die Linken-Spitzenkandidatin in der ARD. Der Ball für Gespräche liege aber bei der SPD. Eine Zusammenarbeit mit der AfD hatte Oldenburg vor der Wahl ausgeschlossen.

Oldenburg beklagte die Zuspitzung im Wahlkampf auf das Duell SPD gegen AfD. "Ich glaube, dass wir durch den polarisierenden Wahlkampf Federn gelassen haben“, sagte die Landesbildungsministerin im NDR Fernsehen. "Das ist schon ein schlechter Tag für uns als Linke."

Ähnlich äußerte sich Dietmar Bartsch (Linke), Bundestagsabgeordneter aus Mecklenburg-Vorpommern. Er sprach im NDR Interview von einer "unsäglichen Polarisierung in MV". Darunter habe das Ergebnis der Linken gelitten.

CDU-Landeschef spricht von "Überlebenskampf"

CDU-Landeschef Daniel Peters zeigte sich überzeugt, dass seine Partei auch im neuen Landtag eine Rolle spielen werde. "Dieses Land braucht die CDU", sagte er vor Anhängern seiner Partei in Schwerin. Er sei stolz auf die Wahlkämpfer, die sich unter miserablen Rahmenbedingungen für die CDU eingesetzt hätten. "Wir führen hier einen Überlebenskampf und deshalb wird das hier ein sehr langer Wahlabend." Eine Zusammenarbeit mit der AfD schloss er aus. Dabei bleibe es, man werde nicht mit der AfD koalieren. Noch muss die CDU aber um den Einzug in den Landtag bangen.

Auch der BSW-Spitzenkandidat Peter Schabbel schloss in der ARD eine Koalition mit der AfD aus. Gemeinsame Abstimmungen im neugewählten Landtag seien aber möglich - vorausgesetzt, das BSW schafft es überhaupt ins Parlament.

Wahlbeteiligung liegt deutlich höher als 2021

Die Wahlbeteiligung liegt laut Landeswahlleiter bei 79 Prozent (Stand: 20.00 Uhr). Bei der Landtagswahl MV im Jahr 2021 lag dieser Wert bei 70.8 Prozent. Dieses Mal waren etwa 1,3 Millionen Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. Zum ersten Mal konnten sich auch Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren an der Landtagswahl beteiligen.

19 Parteien zur Wahl zugelassen

Der Landtag in Mecklenburg-Vorpommern wird für fünf Jahre gewählt. Die Kandidatinnen und Kandidaten von 19 Parteien sowie fünf Einzelkandidaten haben sich um die 71 Sitze im Landesparlament beworben. 36 von ihnen wurden in den 36 Wahlkreisen direkt gewählt. Die anderen bekommen ihr Mandat über die Landeslisten der Parteien.

Zweitstimmen entscheiden über Zusammensetzung

Die Anzahl der Sitze für eine Partei hängt von ihrem Anteil an den Zweitstimmen ab. Sie muss allerdings zumindest fünf Prozent der Wählerstimmen bekommen, um überhaupt im Landtag vertreten zu sein. Sollte eine Partei mehr Direktmandate erreichen, als ihr nach dem Zweitstimmen-Ergebnis zustehen, wird die Zahl der Sitze im Landtag aufgestockt. Denn die anderen Parteien bekommen so viele Ausgleichsmandate, bis das Verhältnis der Zweitstimmenergebnisse im Parlament entsprechend abgebildet ist.

SPD regiert seit 28 Jahren

Seit 28 Jahren regiert die SPD in Mecklenburg-Vorpommern mit wechselnden Koalitionspartnern. Seit 2021 führt Ministerpräsidentin Schwesig die Koalition mit den Linken. Bei der Wahl vor fünf Jahren erzielte die SPD 39,6 Prozent und die AfD bekam 16,7 Prozent. Die CDU erreichte 13,3 Prozent, die Linke 9,9 Prozent, die Grünen 6,3 Prozent und die FDP 5,8 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 70,8 Prozent.

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