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Länger leben mit Spermidin: „Guter Kandidat“ - doch Verbraucherschutz warnt

Wissenschaft

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Wer sich mit Longevity oder Langlebigkeit beschäftigt, stößt früher oder später auf Spermidin. Die Substanz übernimmt Funktionen im Körper, die für den Schutz vor Erkrankungen und somit für gesundes Altern essenziell sind. Im Vergleich zu NAD+ und NMN, vor denen der Ernährungs-Doc Matthias Riedl warnt, zeigt die Forschung für Spermidin Hinweise auf eine lebensverlängernde Wirkung.

„Man könnte hoffen, dass Spermidin ein guter Kandidat ist“, sagt Sebastian Grönke vom Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns. Dabei könnten nicht nur eine Nahrungsergänzung, sondern auch eine spermidinreiche Ernährung eine Quelle für Longevity sein. Allerdings gibt es einen wichtigen Haken.

Was ist Spermidin und wofür braucht der Körper es?

Spermidin ist ein Polyamin und kommt sowohl in Menschen und Tieren als auch in Pflanzen vor. Es wurde erstmals in menschlichem Sperma entdeckt und erhielt so seinen Namen. In jeder Zelle des menschlichen Körpers übernimmt Spermidin wichtige Aufgaben: Es ist unter anderem an der Zellteilung und am Zellwachstum beteiligt und wichtiger Signalgeber für die sogenannte Autophagie. Dabei handelt es sich um einen Selbstreinigungs- und Recyclingmechanismus, bei dem die Zellen geschädigte Zellbestandteile, Moleküle und defekte Proteine abbauen und wiederverwerten.

Mit dem Alter nimmt die Spermidin-Konzentration im Körper ab. Das kann auch die Autophagie beeinträchtigen, sodass sich geschädigte Zellbestandteile und defekte Proteine leichter in den Zellen ansammeln können. Eine gestörte Autophagie steht unter anderem mit chronischen Entzündungsprozessen, Krebs und neurodegenerativen Erkrankungen in Verbindung. Bei Alzheimer und Parkinson etwa sammeln sich vermehrt beschädigte Proteine in den Zellen an. Auch interessant: Vitamin D und Langlebigkeit: Studien deuten auf überraschende Wirkung.

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Wirkung von Spermidin: Nahrungsergänzung fördert Longevity bei Tieren

Die Autophagie läuft konstant auf einem Grundniveau ab. Bestimmte Auslöser können diesen Prozess jedoch verstärken, etwa Sport und Intervallfasten. Den gleichen Effekt sollen Spermidin-Präparate haben: Regelmäßig eingenommen, sollen sie den Selbstreinigungsmechanismus der Zellen unterstützen und so lebensverlängernd wirken. Untersuchungen an Tieren geben erste Hinweise darauf.

„Wenn man spezifisch die Autophagie befeuert, also ihre Aktivität steigert, kann man Tiere länger leben lassen. Das weiß man aus Tierstudien“, erklärt der Biologe und Genetiker Sebastian Grönke. „Die Idee ist, dass Spermidin diesen Prozess aktiviert und dadurch wahrscheinlich die Lebenszeit verlängert wird.“ Für Mäuse, Würmer und Fliegen sei der Zusammenhang gut belegt. „Die Hoffnung ist, dass sich das auch auf den Menschen übertragen lässt“, sagt Grönke.

Beim Menschen ist dagegen offen, ob Spermidin tatsächlich vor Krankheiten schützt oder die Lebensspanne verlängert. Einzelne Studien haben untersucht, ob Spermidin-Präparate nach mehreren Monaten Einnahme die Gedächtnisleistung verbessern, allerdings mit unterschiedlichen Ergebnissen. Forscher der Charité Berlin konnten bei 100 Probanden, die täglich 0,9 Milligramm Spermidin einnahmen, nach zwölf Monaten keinen Effekt feststellen. Auch interessant: Ist Kreatin gut für das Gedächtnis? Zweifel an bekannter Studie.

Klinische Studien mit großer Probandenzahl und klaren Ergebnissen fehlen, vor allem zu der Frage, ob Spermidin als Nahrungsergänzungsmittel die Lebensspanne verlängern kann. „Das ist auch schwierig zu messen, weil solche Studien sehr lange dauern würden“, sagt Grönke.

Studie: Verlängern Lebensmittel mit Spermidin das Leben?

Positive Effekte auf die Gesundheit könnte dagegen natürliches Spermidin aus der Nahrung haben: Die Substanz kommt in vielen Lebensmitteln vor und ist unter anderem in Weizenkeimen, Hartkäse, Pilzen, Erbsen und Sojabohnen reich enthalten. Forscher der Universität Innsbruck untersuchten, ob sich eine spermidinreiche Ernährung positiv auf die Lebenserwartung auswirken kann. Dafür nutzten sie Daten von über 800 Probanden zwischen 45 und 84 Jahren. Die Teilnehmer gaben über einen Zeitraum von 20 Jahren viermal Auskunft über ihre Ernährungsgewohnheiten.

Der Studie zufolge hatten die Teilnehmer mit der höchsten Spermidinaufnahme über die Nahrung ein deutlich geringeres Sterberisiko; selbst nach Bereinigung um Faktoren wie Alter, Geschlecht, Kalorienzufuhr und Lebensstil. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch andere Studien. Auch interessant: Kollagen-Pulver: Hilft es wirklich gegen Falten? Hautärztin klärt auf

Der beobachtete Zusammenhang ist aber kein Beweis für Langlebigkeit durch Spermidin: „Die Studien zeigen nicht, dass das Spermidin tatsächlich ursächlich für die längere Lebenszeit war“, so Grönke. Da die Substanz vor allem in gesunden Lebensmitteln enthalten ist, können auch andere Nährstoffe für den beobachteten Effekt mitverantwortlich sein, erklärt der Experte.

Lesen Sie hier alle Tipps von Longevity-Doc Felix Bertram

Nebenwirkungen von Spermidin: Ernste Warnung der Verbraucherzentrale

Generell sei die Ernährung einer der wichtigsten Hebel für ein längeres Leben, sagt Grönke. Eine bestimmte Ernährungsform kann laut einem Experten zu 10 bis 13 mehr Lebensjahren beitragen. Spermidin-Präparate sind dafür nicht notwendig. Zwar gilt eine Einnahme als unbedenklich – Grönke zufolge konnten Studien bisher keine schädlichen Nebenwirkungen bei einer kurzen bis mittelfristigen Anwendung nachweisen –, ausgeschlossen seien gesundheitliche Risiken aber nicht.

Da Spermidin-Präparate häufig aus Weizenkeimextrakten bestehen, eignen sie sich nicht für Menschen mit Glutenunverträglichkeit oder Weizenallergie. Die Verbraucherzentrale weist zudem darauf hin, dass hoch dosiertes Spermidin möglicherweise das Wachstum bestimmter Tumore fördern könnte.

Ein Nahrungsergänzungsmittel liefert zudem nicht zwangsläufig deutlich mehr Spermidin, als sich über eine ausgewogene Ernährung aufnehmen lässt: „Tatsächlich liefern einige dieser Produkte eine Tagesdosis an Spermidin von 0,5 Milligramm, die auch mit 2,5 Gramm Cheddar-Käse oder 50 Gramm gekochtem Blumenkohl erreicht würde“, erklärt die Verbraucherzentrale. Spermidin aus Lebensmitteln sei hingegen unbedenklich und gut verträglich.

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