Länger ohne Demenz leben: Diese drei Risiken solltest du meiden
Wer in seiner Lebensmitte auf drei spezielle Faktoren achtet, kann einer Langzeitstudie zufolge deutlich länger ohne Demenz leben. Der Unterschied könnte bis zu 12,6 Jahre betragen.
Der Grundstein für eine Demenzerkrankung im Alter wird viel früher gelegt, als vielen bewusst ist. Bereits ab der Lebensmitte können drei weit verbreitete Gesundheitsrisiken darüber mitentscheiden, wie lange ein Mensch später ohne kognitive Einschränkungen lebt. Das geht aus einer umfangreichen US-Studie hervor, die Forschende der NYU Grossman School of Medicine im Fachjournal "Neurology" veröffentlicht haben.
Für die Untersuchung griffen die Wissenschaftler auf Daten der sogenannten ARIC-Studie (Atherosclerosis Risk in Communities) zurück. An der Langzeiterhebung nahmen 12.409 Personen teil, die zu Beginn im Durchschnitt 56 Jahre alt und frei von Demenz waren. Über einen Zeitraum von durchschnittlich 26 Jahren wurde dokumentiert, ob die Teilnehmenden an einer Demenz erkrankten oder verstarben.
Diese Faktoren sind entscheidend
Im Mittelpunkt der Untersuchung standen drei vaskuläre Risikofaktoren: Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen. Teilnehmende ohne einen einzigen der drei Risikofaktoren verbrachten ab dem Alter von 55 Jahren durchschnittlich 30,1 Jahre in geistiger Gesundheit, also bis sie 85 Jahre alt waren.
Bei Personen mit einem dieser Risikofaktoren sank dieser Wert auf 26,3 Jahre, bei zwei Risikofaktoren auf 21,0 Jahre. Wer alle drei Belastungen – Diabetes, Bluthochdruck und aktives Rauchen – gleichzeitig aufwies, kam lediglich auf 17,5 demenzfreie Jahre.
Die Differenz zwischen dem besten und dem schlechtesten Profil beträgt somit rund 12,6 Jahre.
"Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass Menschen diese Faktoren in der Lebensmitte aktiv vermeiden sollten, um die Gehirngesundheit über mehr als ein Jahrzehnt zu bewahren", sagt Studienleiter Josef Coresh von der NYU Langone Health.
Nicht nur Demenz – auch die Sterblichkeit steigt
Wichtig dabei: Diese Zahl beschreibt nicht allein einen späteren Demenzbeginn. Vielmehr umfasst sie die gesamte Lebenszeit, die ohne Demenz verbracht wird. Da Betroffene mit mehreren Risikofaktoren insgesamt häufiger früher verstarben, hatten sie insgesamt auch weniger Lebensjahre, die sie ohne Demenz verbringen konnten, stellt die Alzheimer Forschung Initiative klar.
Neben dem Demenzrisiko – das bei Vorliegen aller drei Faktoren 2,7-mal so hoch ausfiel wie in der Vergleichsgruppe – stieg auch die allgemeine Sterblichkeit drastisch an. Teilnehmende mit Bluthochdruck, Diabetes und Tabakkonsum wiesen ein mehr als fünffach höheres Sterberisiko auf als Teilnehmer ohne Risikofaktoren.
Unterschiede nach Geschlecht und Ethnie
Die Forschenden schlüsselten ihre Ergebnisse auch nach Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit auf. Frauen verbrachten bei gleicher Risikobelastung generell mehr Jahre ohne Demenz als Männer – bei drei Risikofaktoren betrug der Abstand 18,1 gegenüber 16,6 Jahren.
Weiße Studienteilnehmende mit sämtlichen Risikofaktoren blieben durchschnittlich 19,6 Jahre demenzfrei, während es bei Schwarzen Teilnehmenden 16,0 Jahre waren. Die Forschenden führen dies unter anderem auf die ungleiche Verteilung vaskulärer Risikofaktoren zurück.
Coresh betont, dass eine Reduktion vaskulärer Risikofaktoren zwar allen Bevölkerungsgruppen zugutekommen dürfte, bestimmte Gruppen – etwa Schwarze Erwachsene – jedoch besonders von gezielten Präventionsmaßnahmen profitieren könnten.
Prävention in der Lebensmitte
Bei der Untersuchung handelt es sich um eine Beobachtungsstudie. Sie liefert also keinen kausalen Beweis dafür, dass das Vermeiden der drei Faktoren tatsächlich 12,6 demenzfreie Jahre nach sich zieht. Eine weitere Einschränkung der Studie: Die drei Risikofaktoren wurden zu einem einzigen Zeitpunkt erfasst. Veränderungen im weiteren Lebensverlauf – etwa ein späterer Rauchstopp oder eine neu auftretende Diabeteserkrankung – wurden nicht berücksichtigt.
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Laut den Forschenden stellt die vaskuläre Prävention in der Lebensmitte dennoch eine entscheidende ergänzende Strategie dar, da wirksame medikamentöse Therapien gegen Demenz weiterhin auf frühe Krankheitsstadien beschränkt blieben. Coresh empfiehlt, spätestens ab dem Alter von 48 Jahren verstärkt auf die eigene Gefäßgesundheit zu achten. (red)