Lanz fährt nach Stegner-Satz aus der Haut: "Kann ich nicht mehr hören"
Muss Friedrich Merz bald das Kanzleramt räumen? Bei "Markus Lanz" mahnte Ralf Stegner, dass ein Kanzlerwechsel nicht der richtige Weg sei. Mit seinem eigenen Lösungsansatz eckte der SPD-Politiker jedoch beim ZDF-Moderator an.
Eine TV-Nachlese
von Natascha Wittmann
Diese TV-Nachlese gibt die persönliche Sicht von Natascha Wittmann auf die Sendung wieder. Sie basiert auf eigenen Eindrücken und ordnet das Geschehen journalistisch ein. Informiere dich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.
Friedrich Merz befindet sich nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in einer schweren Krise. Seit Tagen wird die politische Zukunft des CDU-Kanzlers öffentlich diskutiert. Am kommenden Sonntag soll nach den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sogar eine "indirekte Vertrauensfrage" im Konrad-Adenauer-Haus gestellt werden. Grund genug für Markus Lanz, in seiner ZDF-Talkshow am Dienstagabend über einen möglichen Machtwechsel innerhalb der Union sowie den richtigen Umgang mit der AfD zu debattieren.
Die Gäste
Ralf Stegner: SPD-Politiker
Franziska Brantner: Grünen-Co-Chefin
Michael Bröcker: Journalist und "Table.Briefings"-Chefredakteur
Manfred Lütz: Psychiater und Autor
Der besondere Moment
Am Dienstagabend fokussierte sich Markus Lanz auf die anhaltenden Gerüchte um einen möglichen Kanzler-Sturz. "Die Bundesregierung ist im Zerfall", stimmte Journalist Michael Bröcker zu. SPD-Politiker Ralf Stegner warnte daraufhin von einem Kanzlerwechsel und machte deutlich: "Ich halte davon überhaupt nichts, (...) jetzt die Nerven zu verlieren in einer Situation, wo uns droht, dass eine rechtsradikale Partei die Regierung übernimmt. Das ist das Letzte, was wir brauchen."
Über Merz sagte Stegner konkret: "Das ist wirklich nicht mein Kanzler, aber ich kann mich überhaupt nicht daran erfreuen, wenn darüber diskutiert wird, dass der Kanzler ausgetauscht wird." Die Forderung des SPD-Politikers: "Sich zusammenreißen, Führungsstärke zeigen und Professionalität zeigen - das ist meine Erwartung."
Grünen-Co-Chefin Franziska Brantner stimmte zu und erklärte, sie erwarte, "dass die Koalitionsparteien sich zusammenraufen und sagen: So, was lernen wir daraus? Was ändern wir?" Markus Lanz konterte: "Für Sie ist das ja alles eine Riesenchance als Grüne." Brantner wiegelte ab: "Ich finde die Situation katastrophal in Deutschland. (...) Ich will, dass wir in diesem Land gut regiert werden." Die Grünen-Politikerin erklärte weiter: "Mir macht das schlaflose Nächte, dass wir eine CDU sehen, die in einer Erosion gerade befindlich ist."
Psychiater Manfred Lütz zeigte sich davon unbeeindruckt und kritisierte: "Wir machen diese Debatten fast nach jeder Wahl." Ihn hingegen interessiere nur, wie man die AfD-Wähler wieder zurückgewinnen könne: "Darüber redet aber seit Jahren schon niemand!" Lütz fügte hinzu: "Ich glaube, dass kein einziger AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt wegen der Rente mit 63 AfD gewählt hat." Laut des Psychiaters muss die Union die "AfD-Wähler zurückgewinnen - und das erreicht man nicht durch erfolgreiche Reformen".
Eine Steilvorlage für Lanz, der mit Blick auf die AfD wissen wollte, ob es einen anderen Umgang mit der Partei brauche. Im Gespräch mit Franziska Brantner fragte Lanz: "Reden Sie mit AfD-Politikern?" Die Grünen-Parteivorsitzende antwortete deutlich: "Mit AfD-Politikern? Nein, aber mit vielen AfD-Wählerinnen und -Wählern." Lanz hakte irritiert nach: "Aber Sie geben denen nicht die Hand?" Brantner reagierte energisch: "Die beschimpfen mich ja ständig! (...) Die nennen mich Sprechpuppe!"
Ralf Stegner unterstützte den Kurs von Brantner und stellte klar: "Das sind Feinde der Demokratie." Eine Aussage, die Manfred Lütz nicht unkommentiert ließ. Er warnte davor, immer nur über die Probleme und weniger über mögliche Lösungen zu diskutieren: "Wir müssten wieder mehr darüber reden: Wo gelingt es, die AfD kleinzuhalten?"
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Der Schlagabtausch
Im Laufe der Sendung ging Markus Lanz immer wieder auf "den Revolutions-Gedanken" innerhalb der Union ein. Journalist Michael Bröcker nickte und prophezeite für den kommenden Sonntag "eine Art D-Day für diesen Kanzler". "Man traut ihm nicht mehr zu, dass er die Kraft, die Autorität und die Zustimmung in seiner eigenen Partei hat", so Bröcker. Er fügte sorgenvoll hinzu: "Der Autoritätsverlust ist eklatant. Ich habe sowas noch nie erlebt!"
Laut Michael Bröcker kann der Neustart einer schwarz-roten Regierung gelingen, "wenn es einen anderen Kanzler gibt, der noch mal ein paar Dinge neu aufziehen darf". Friedrich Merz sei derweil "der falsche Kanzler" für ein solches Comeback. In dem Zusammenhang verriet Michael Bröcker, dass sowohl innerhalb der CDU als auch in der SPD Bundesinnenminister Alexander Dobrindt als möglicher neuer Kanzler gehandelt werde.
"Haben Sie das schon mal gehört, das Gerücht?", fragte Lanz prompt. SPD-Politiker Ralf Stegner nickte vorsichtig: "Ja, sicher." Dennoch erklärte er, nicht "an Räuberpistolen" zu glauben. Mit Blick auf den kommenden Sonntag hielt Michael Bröcker derweil fest: "Stützen oder stürzen - das ist am Ende die Logik, auf die es jetzt ankommt."
Eine Aussage, die Manfred Lütz wütend machte. Er warnte eindringlich: "Es ist doch klar, dass der Kanzler nach diesen (...) Wahlen sein Präsidium fragen muss: 'Steht ihr noch hinter mir?' (...) Aber meine Sorge ist, dass, wenn wir dauernd solche dramatisierten Geschichten erzählen und nicht mehr über die wirkliche Politik sprechen, Demokratie nur noch aus Storys besteht!"
Lütz wetterte weiter: "Die Politik dieser Bundesregierung ist nicht so schlecht, wie sie geredet wird!" Bröcker hielt entschieden dagegen: "Ich weiß aber, dass die gesamte CDU-Führung über einen möglichen besseren Kanzler nachdenkt, weil die Umfragen bei 18 Prozent sind und weil die Existenzängste haben, was ihr Mandat betrifft. Das beschreibe ich analytisch."
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Manfred Lütz ließ sich davon nicht überzeugen. Er erklärte erneut, dass man nicht nur "Problem-Talk machen" dürfe, "sondern mal Lösung anbieten" müsse. Zudem mahnte der Autor, dass man im politischen Umgang streng unterscheiden müsse zwischen Wählern der AfD und den Funktionären.
Ralf Stegner hatte derweil einen anderen Vorschlag und erklärte, dass die Regierung ihre Politik besser erklären müsse und der AfD viele wichtige Themen "nicht kampflos" überlassen dürfe. Daraufhin platzte Markus Lanz der Kragen: "Dieser Satz wieder: 'Besser erklären.'" Lanz zog weiter vom Leder: "Diese Floskel (...) kann ich wirklich nicht mehr hören!" Auch Bröcker stichelte in Richtung Stegner: "Ihr haltet euch an keinen einzigen eurer Beschlüsse! Alles wird aufgeweicht! Alles wird taktisch wieder diskutiert - und das ist das Problem, was die Menschen mit dieser Regierung haben!" © 1&1 Mail & Media/teleschau