Laptops vor: Plötzlich steht der Chef des wertvollsten Unternehmens der Welt im Berliner Gaming
Nvidia hat am Freitag die ersten Windows-Laptops mit seinem neuen Chip RTX Spark in den Handel gebracht. Weltweit gab es sieben Premieren-Events – doch nur in Berlin war ein besonderer Überraschungsgast dabei: Firmenchef Jensen Huang schaute am Abend bei Saturn am Alexanderplatz vorbei.
Mehr als fünf Billionen Dollar kostet Nvidia derzeit an der Börse. Damit ist der Chiphersteller aus den USA das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt. Es ist zwanzig vor acht, als Huang – graues Haar, schwarze Jacke – plötzlich im Xperion, dem Gaming-Tempel im dritten Stock der Saturn-Filiale, auftaucht. Im Reich der Zockerfreunde geht es heute auch um Demos zu KI-Agenten und kreative KI-Workflows.
500 Enthusiasten staunen über Huangs Besuch – vor allem aber die Gewinner von fünf KI-Laptops, die der Nvidia-Chef verlost und gleich auch signiert. Es kommt zu kuriosen Begegnungen. Wer rechnet schon am Alexanderplatz mit der Visite eines Welt-CEOs? Gewinner Hassan ist eher zufällig beim Launch-Event und wird den Kraftprotz-Rechner fürs Gaming nutzen. Huangs Rat: „Fang bald an, damit etwas Nützliches zu machen.“
Wofür die zweite Gewinnerin Katja den Rechner nutzen wird, geht in der lauten Menge unter. Nrh, der dritte Gewinner, kam vor sechs Jahren zum Studieren nach Deutschland, jetzt ist er für das Event eigens aus Rostock angereist. Er wird das Notebook für sein Studium verwenden.
Dass Nvidia-Chef Huang sich Berlin für seine Visite ausgesucht hat, ist kein Zufall. „Deutschland ist unser größter europäischer Standort“, sagt der 63-Jährige. „Hier gibt es Telekommunikation, Robotik, autonome Fahrzeuge und jede Menge KI-Forschung.“ Berlin sei eine wunderschöne Stadt, eine internationale Stadt, die Wissenschaftler und Forscher aus der ganzen Welt anzieht. „Das Zusammenkommen all dieser Punkte hat uns dazu bewogen, Berlin zu wählen.“
Während die deutsche Autobranche gerade in der Krise ist, hat Huang sie noch lange nicht aufgegeben. „Natürlich ist Deutschland für uns extrem wichtig, da wir enge Partnerschaften mit der Automobilindustrie pflegen“, sagt der Nvidia-Chef. „Wir arbeiten über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs hinweg mit der Automobilindustrie zusammen: vom Styling über Design, Ingenieurwesen, Simulation und Fertigung bis hin zur Technologie im Inneren der autonomen Fahrzeuge.“
Jensen Huang: „Größter Sprung, den es für Windows je gab“
Von dem Chip RTX Spark erhofft sich Nvidia viel: Er kombiniert Hauptprozessor (CPU) und Grafikprozessor (GPU) unter Windows 11. Bei klassischen Laptops hat die Grafikkarte einen eigenen, meist kleineren Speicher. Bei RTX Spark greifen CPU und GPU auf denselben Speicher zu, der bis zu 128 GB groß sein kann.
Nvidia sieht darin den Vorteil für lokale KI: Größere Modelle und KI-Agenten laufen direkt auf dem Gerät, ohne dass Daten in die Cloud müssen. Das ist aus Kosten- und aus Datenschutz-Gründen wichtig. Ein weiterer Vorteil: So können KI-Anwendungen auch in der Bahn genutzt werden, wo die Internetverbindung oft von unterschiedlicher Qualität ist.
Nvidia-Chef Huang ist sich am Freitagabend jedenfalls sicher: „Unsere Entwicklung ist der größte Sprung, den es für Windows je gab.“
Zu den ersten Anbietern von Geräten mit dem Chip gehören Microsoft mit dem Surface Laptop Ultra, das ab 2899 Euro erhältlich ist, sowie HP, MSI, ASUS und Lenovo. Einige Händler liefern einzelne Modelle erst ab der zweiten Novemberhälfte aus.
Auch wenn das Event in der Gaming-Umgebung des Xperion stattfand: Gamer sind nicht die von Nvidia zuerst angepeilte Zielgruppe. Vielmehr zählen dazu Entwickler, Selbstständige sowie kleine und mittelständische Unternehmen, die ihre KI-Anwendungen auf dem eigenen Rechner laufen lassen wollen.
Das hat Nvidia-Chef Jensen Huang in Berlin noch vor
Huang hat derweil noch weitere Pläne in Berlin: Das Event war der Auftakt zur KI-Konferenz GTC Berlin, die Nvidia vom 20. bis 22. Oktober im Tempodrom ausrichtet. Der Konzernchef hält dort am 21. Oktober die Keynote.
Laut „Handelsblatt“ wollen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Huang außerdem am Montag auf dem Gipfel „Invest in Germany“ in der European School of Management and Technology am Schlossplatz eine KI-Partnerschaft ankündigen. Die Bundesregierung soll einen dreistelligen Millionenbetrag investieren, Nvidia will demnach Ingenieure und Chips beisteuern. Etwa ein Dutzend deutscher Firmen, darunter Siemens und Audi, sollen beteiligt sein.
Angesprochen darauf, wie Deutschland seine digitale Souveränität wahren könnte, sagt Huang: „Das Wichtigste bei Souveränität ist, dass Sie die Kontrolle über Ihre Handlungsfähigkeit behalten und dass Sie sicherstellen, dass Sie Ihre eigenen Dienste stets selbst betreiben können.“
Nvidia verkaufe Prozessoren und Chips und keine Endnutzer-Dienste. „Diese Dienste sollten hier in Deutschland bereitgestellt werden. Damit behalten Sie die Kontrolle über Ihre Daten, Sie bauen Ihre eigene Handlungsfähigkeit auf, Sie betreiben Ihre Dienste – und Sie haben Ihre Souveränität.“
Ob Berlin nicht Hauptsitz des Konzerns werden könnte? „Der Hauptsitz von Nvidia ist dort, wo ich gerade bin“, sagt Huang und lächelt. „Wir haben weltweit hervorragende Niederlassungen und wir haben einen großartigen Standort hier in Berlin.“