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Laschet bei "Illner": Kritik an Merz-Aussage

Nation

Laschet kritisiert Merz bei "Maybrit Illner"

"Solche Formulierungen sind furchtbar"

Von Charlotte Zink

11.09.2026 - 03:00 UhrLesedauer: 4 Min.

Nach der Niederlage in Sachsen-Anhalt nimmt Armin Laschet den Kanzler in Schutz. Bei einem Thema kann er seine Kritik aber nicht zurückhalten.

Was muss sich nach der "Denkzettelwahl" in Sachsen-Anhalt ändern? Diese Frage hat Maybrit Illner am Donnerstagabend mit ihren Gästen diskutiert. Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir plädierte dafür, Inhalte und die Art wie Politik gemacht werde, grundlegend zu hinterfragen. Dabei gehe es beispielsweise darum, was man vor der Wahl verspreche und dann nicht halte. Mit Blick auf die CDU zeigte er sich optimistisch. Die Christdemokraten haben die Republik maßgeblich mitgegründet, erinnerte er. "Die CDU kann das, aber sie muss es jetzt halt auch wieder machen", so sein Appell.

Der Siegeszug der AfD habe bereits viel früher begonnen als vor der letzten Landtagswahl, erklärte Özdemir. Auch die Ampel habe nicht alles richtig gemacht, räumte der Grüne ein. Der Dauerstreit der Koalitionspartner sowie der Umgang mit Trigger-Themen wie Migration hätten zur Stärkung der rechten Partei beigetragen, führte Özdemir aus. Mit Blick auf die Zukunft wünsche er sich, dass Politiker aufzeigten, wo sie hinwollen, anstatt vor allem zu erklären, was sie nicht möchten. Dabei hatte er mit Rückblick auf den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt auch einen Tipp für die CDU parat.

Die Gäste

Armin Laschet (CDU), Bundestagsabgeordneter

Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg

Frauke Rostalski, Juristin

Robin Alexander, Journalist

Sabine Rennefanz, Journalistin

Die CDU habe Europa maßgeblich mitgeprägt, da könne man ruhig stolz drauf sein, dafür werben und aufzeigen, was Sachsen-Anhalt Europa zu verdanken hat – beispielsweise mit Blick auf Jobs. Vielleicht wäre ein "bisschen mehr republikanischer Stolz" angebracht, so der Grüne. Man müsse damit aufhören, Deutschland in die Tonne zu treten, forderte Özdemir und erinnerte daran, dass viele die Bundesrepublik um ihre Probleme beneideten. "Wir wollen vieles besser machen, aber wir sind nicht das schlechteste Land der Welt", so der Grüne.

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Laschet kritisiert Merz-Spruch

Zustimmung erntete er von CDU-Mann Armin Laschet. Es brauche einen neuen Politikstil, erklärte auch der ehemalige CDU-Vorsitzende. Der erste Schritt sei dabei, dass nicht ständig darüber nachgedacht werde, was man gegen die AfD tun könne, denn damit rücke man sie ständig in den Mittelpunkt. Er habe das "vielleicht auch eine Zeit" mitgemacht, erkannte er an. Nun sei es wichtig aufzuzeigen, welche Ideen man für Deutschland habe und bei wichtigen Themen wieder "ja, aber" zu sagen: So müsse Migration geordnet werden, bei Ressentiments gegen Minderheiten mache man aber nicht mit.

Illner konfrontierte Laschet auch mit der Selbstkritik, die Bundeskanzler Friedrich Merz nach der Wahl geäußert hatte. Nach der historischen Niederlage seiner Partei in Sachsen-Anhalt hatte Merz unter anderem erklärt: Bei der Frage, wie man besser werden könne, gehe es nicht nur um rationales Politikverständnis, sondern auch um Zuwendung, Empathie und Emotionen. "Solche Formulierungen sind furchtbar”, erklärte Laschet. Wenn es eine Strategie gebe, rede man nicht darüber, sondern solle einfach machen, so der CDU-Mann. "Ich kann diese ganzen Sprüche auch seit der Wahl nicht mehr hören", fügte er hinzu.

Özdemir widerspricht Laschet

An anderer Stelle nahm er den Kanzler jedoch in Schutz, der nach der Landtagswahl auch eingeräumt hatte, dass viele Menschen ihm nicht folgen könnten und er in diesem Punkt Dinge besser machen müsse. Dass Merz seinen Beitrag zum Wahlergebnis anerkenne und seinen Stil ändern wolle, sei "eigentlich ehrenwert", so der Ex-CDU-Chef. Was am Wahlsonntag in Sachsen-Anhalt passiert sei, hätte theoretisch auch vor fünf Jahren schon passieren können, während er noch Bundesvorsitzender war, erklärte Laschet. "Das ist ein wenig Glück gewesen", dass es damals anders gekommen sei, räumte er ein. Die Probleme, die es derzeit gebe, hätte jeder im Moment, so seine Analyse.

Alexander: Merz muss Blatt wenden oder gehen

"Das ist ganz ungewöhnlich", befand Journalist Robin Alexander über Merz‘ selbstkritischen Auftritt nach der Wahl. Ob es ein politisch kluger Schachzug gewesen sei, wisse er nicht, erklärte er weiter. Dem Kanzler müsse es nun gelingen, Änderungen umzusetzen. In Krisen könnten Politiker Kabinette verändern oder ihr persönliches Umfeld neu besetzen – der CDU-Chef habe diese Optionen jedoch schon ausgeschöpft, erinnerte Alexander. "Jetzt steht zwischen Friedrich Merz und dem Scheitern nichts mehr – er muss das Blatt wenden oder er wird gehen", so der Journalist.

Trotz motivierender Worte Özdemirs in Richtung CDU: Zu einer Meinungsverschiedenheit mit Laschet kam es bei Illner im Studio dann doch. Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine bemängelte der CDU-Mann einen Mangel an diplomatischen Bemühungen. "Es scheitert jetzt wirklich nicht an uns", widersprach Özdemir. "Doch", antwortete Laschet und verwies darauf, dass unter europäischen Regierungschefs lediglich der finnische Präsident bereit sei zu verhandeln. Ob er im Ernst glaube, dass Merkel, Scholz und Merz eine Chance den Krieg zu beenden hätten verstreichen lassen, schaltete sich Journalist Alexander ein. "Das teile ich sehr", pflichtete ihm Özdemir bei. Laschet ließ sich nicht überzeugen. Er könne keine politischen Positionen erkennen, erklärte er.

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