DAX +0,79 % 26.207,26 Pkt 11:45:15 MDAX +0,20 % 32.577,06 Pkt 11:45:15 Euro Stoxx 50 +0,00 % 6.486,89 Pkt 11:45:00 Dow Jones +3,05 % 54.085,88 Pkt 22:42:17 S&P 500 +3,30 % 7.736,52 Pkt 22:42:18 Nasdaq +4,77 % 26.584,99 Pkt 23:15:59 Nikkei +3,66 % 66.300,44 Pkt 08:45:02 Gold +2,95 % 4.216,40 USD 11:50:07 Silber +2,80 % 61,74 USD 11:50:10 Brent +1,59 % 80,62 USD 11:50:12 WTI +0,82 % 76,39 USD 11:50:10 Bitcoin +0,05 % 64.086,77 USD 12:00:12 EUR/USD +0,31 % 1,15430 USD 11:59:56 EUR/GBP -0,01 % 0,85690 GBP 12:00:15 EUR/CHF +0,14 % 0,93380 CHF 12:00:15 EUR/JPY +0,41 % 182,029 JPY 12:00:15

Laut Psychologie arbeiteten Menschen, die in den 1950er und 1960er Jahren geboren wurden, nicht aus Motivation früh, sondern weil sie keine andere Wahl hatten.

Wissenschaft

Die Generation der sogenannten Babyboomer ist in vielen Teilen Europas in Länder geboren worden, die sich noch im Aufbau befanden. Große Familien, knappe Ressourcen, klare Rollenerwartungen: Für die Jahrgänge 1946 und 1964 war Arbeit keine Frage der Selbstverwirklichung, sondern der blanken Notwendigkeit. Kinder halfen auf dem Feld, im Handwerksbetrieb oder im Haushalt mit. Den Begriff „Berufung“ kannte diese Generation kaum. Es ging darum, den Bedarf der Familie zu decken. Der Besuch einer weiterführenden Schule war in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern ein Privileg, wie das französische Nachrichtenmagazin „L'Internaute“ in einer aktuellen Analyse beschreibt. Besonders hart traf diese Einschränkung Frauen: Viele hatten nie die Möglichkeit, ihren Beruf frei zu wählen. Ihre gesellschaftliche Rolle war auf den Haushalt oder einige wenige Berufe beschränkt. Der Zugang zu Arbeit war nicht nur eine Frage des Geldes, sondern starrer Normen, die den Platz jedes Einzelnen von Kindheit an festlegten. Unbeaufsichtigte Kindheit als hartes Training Die Kindheit der Babyboomer unterschied sich fundamental von dem, was heutige Generationen kennen. Eltern arbeiteten oft lange Tage, Kinder waren stundenlang draußen unterwegs. Oft ohne Aufsicht, ohne Bildschirme, ohne strukturierte Freizeitangebote. Der Schulweg wurde in der Regel zu Fuß bewältigt, Streitigkeiten unter Gleichaltrigen persönlich ausgetragen. Diese Form der Freiheit förderte Kreativität, Eigenständigkeit und die Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen. ANZEIGE ANZEIGE Der amerikanische Psychologe Peter Gray zeigte schon 2011 in einer sehr bekannten Studie im Fachjournal „American Journal of Play“, dass genau dieses freie, unbeaufsichtigte Spiel drei wichtige Fähigkeiten stärkt: Risikomanagement Selbstvertrauen Konfliktlösungsfähigkeit Hinzu kam die frühe Übernahme von Verantwortung, die laut dem Buch „Locus of Control“ des Psychologen Herbert M. Lefcourt eine sogenannte interne Kontrollüberzeugung fördert: die Überzeugung, dass die eigenen Handlungen tatsächlich Auswirkungen auf die Welt haben – ein entscheidender Faktor für Resilienz. Generation zwischen Wirtschaftswunder und Leistungsdruck In Deutschland erhielt diese Prägung eine besondere Dynamik. Die Bildungsreform der 1970er Jahre ermöglichte den Babyboomern einen teils rapiden sozialen Aufstieg und finanziellen Wohlstand, wie der Soziologe Heinz Bude auf einem Fachsymposium der Universität Kassel beschrieben hat. Das „Deutsche Ärzteblatt“ berichtete über das Symposium, welches thematisierte, was die Babyboomer-Generation an Konflikten mit in Psychotherapien bringt. Die Babyboomer seien lange Zeit politisch sehr engagiert gewesen und hatten daran geglaubt, die Welt besser machen zu können. Warum viele Boomer ein Gefühl des Scheiterns mit sich tragen Doch genau diese hohen Ansprüche kollidierten mit der Lebensrealität, wie die Psychoanalytikerin Marie-Luise Hermann bei dem Symposium darlegte. Viele hätten die selbstgesteckten Leistungserwartungen nicht erreicht und trügen seither ein Gefühl des persönlichen Scheiterns mit sich. Verschärft wurde dies durch eine Elterngeneration, die, noch im Nationalsozialismus sozialisiert, für psychische Probleme „wenig offen“ gewesen sei. Zu sehr hatten sie selbst nach 1945 gelernt, Gefühle von Schuld und Scheitern zu verdrängen. Laut „Ärzteblatt“ erkennt Hermann in der rastlosen Arbeitshaltung vieler Boomer ein „hypomanisches Arbeiten“, eine Art „intergenerationale Verlängerung der Wiedergutmachung nach 1945“: Viele seien innerlich „immer stark angetrieben“ gewesen – vermutlich von dem Bedürfnis zu beweisen, dass es ihnen besser gehe als den Eltern, dass sie es „geschafft“ hatten und die Ziele der Eltern für die eigenen Kinder endlich erreicht worden waren. Generation Burnout: Was der Leistungsdruck anrichtete Wie tief sich das Pflichtbewusstsein in die Biografie dieser Generation eingegraben hat, beschreibt auch Andreas Hillert, Chefarzt an der Schön Klinik Roseneck, in einem Beitrag der „Wirtschaftswoche“. Leitsätze wie „Nur wer etwas leistet, ist etwas wert“ hätten zwar positiv betrachtet zum Wirtschaftswachstum beigetragen. Doch für die Babyboomer selbst sei die Gefahr groß gewesen, in chronischen Stress und Überlastung hineinzugeraten. Die Folge: Die Babyboomer wurden zur Generation Burnout. Hillert betont, dass viele mit diesen Mustern „an ihre Belastungsgrenzen gekommen“ seien. Es war ausgerechnet diese Generation, die dem Erschöpfungssyndrom ab Mitte der 1970er Jahre einen gesellschaftsfähigen Namen gab. Der Begriff Burnout bot den Betroffenen erstmals eine Sprache, die laut Hillert „nicht stigmatisierend“ war. Die Erschöpfung hatte einen hohen Preis Doch nicht alle fanden einen Weg, mit dem Druck umzugehen. Während die einen lernten, sich abzugrenzen, verabschiedeten sich andere in die Frühberentung – häufig mit depressiver Symptomatik. Zwischen 1993 und 2001 erreichten laut Hillert weniger als zehn Prozent der Beamten die Regelaltersgrenze, die meisten Frühpensionierungen erfolgten aufgrund psychischer Erkrankungen. Hillerts eigene Forschung zeigt dabei ein Paradox: In einer 2023 im Fachjournal „Psychotherapeut“ veröffentlichten Beitrag stellte er fest, dass das Burnout-Erleben jüngerer Menschen teils deutlich stärker ausfällt als das älterer Gruppen. Nicht weil die Arbeit härter wäre, sondern weil die Sozialisation eine andere ist: „Ein junger Mensch, der täglich liebevoll gefragt wird, wie es ihm geht, hat feinere Antennen, die eigene Belastung zu erkennen.“, kommentiert Hillert in der „Wirtschaftswoche“. Die Boomer hingegen hätten jahrzehntelang gar nicht gelernt, auf Warnsignale zu hören. Was für die Gen Z selbstverständlich ist Für beide Seiten ergibt sich daraus eine Lehre: Babyboomer mussten spät im Leben lernen, was für die Generation Z längst selbstverständlich ist: nein sagen achtsam sein Grenzen setzen Umgekehrt könnten Jüngere von dem profitieren, was den Boomern zugeschrieben wird: sich verbindlich mit beruflichen Zielen zu identifizieren. Denn vor allem Ziellosigkeit, so Hillert, könne für erheblichen Stress sorgen – ganz unabhängig von der Wochenarbeitszeit. So richten Sie FOCUS online als bevorzugte Quelle bei Google ein Sie wollen FOCUS online als bevorzugte Quelle bei Google hinterlegen? 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