DAX +2,98 % 25.500,51 Pkt 10:57:53 MDAX +2,18 % 32.364,79 Pkt 10:57:54 Euro Stoxx 50 +1,29 % 6.362,07 Pkt 10:57:45 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei +0,50 % 64.931,19 Pkt 08:45:03 Gold +0,64 % 4.096,70 USD 11:02:49 Silber +1,28 % 59,66 USD 11:02:42 Brent -7,95 % 89,09 USD 11:02:07 WTI -6,98 % 83,08 USD 11:02:53 Bitcoin -0,39 % 65.086,04 USD 11:12:42 EUR/USD +0,23 % 1,14030 USD 11:12:24 EUR/GBP +0,02 % 0,85480 GBP 11:12:54 EUR/CHF -0,03 % 0,92900 CHF 11:12:53 EUR/JPY +0,02 % 186,428 JPY 11:12:54

Laut Psychologie sind Menschen, die ihre Nachbarn stets grüßen, nicht nur freundlich. Sie stärken das Zusammenleben, emotionales Wohlbefinden und verringern Isolation.

Wissenschaft

Ein freundliches „Guten Morgen“ oder ein kurzes Zunicken im Treppenhaus – solche alltäglichen Gesten wirken auf den ersten Blick unbedeutend. Doch diese Mikrointeraktionen oder auch „Weak Ties “ (zu Deutsch: schwache Bindungen) haben einen erstaunlich großen Einfluss auf unser Wohlbefinden, unser Sicherheitsgefühl und das Zusammenleben in der Nachbarschaft. Sechs Grüße für maximales Wohlbefinden Eine umfangreiche Untersuchung zum Thema stammt vom Gallup National Health and Well-Being Index – einer repräsentativen Befragung in den USA. Seit 2008 misst diese vierteljährlich das Wohlbefinden der Bevölkerung. Im Kern funktioniert der Index so: Über 4500 Erwachsene aus den USA werden zu fünf zentralen Lebensbereichen befragt: Karriere Soziales Finanzen körperliche Gesundheit Gemeinschaftsgefühl Daraus errechnet Gallup einen Gesamtwert auf einer Skala von 0 (schlechtestes Wohlbefinden) bis 100 (bestes Wohlbefinden). Die Befragung kommt zu dem Ergebnis: 0 regelmäßig gegrüßte Nachbarn: 51,5 3 regelmäßig gegrüßte Nachbarn: 58,0 6 regelmäßig gegrüßte Nachbarn: 64,1 Mehr als 6 regelmäßig gegrüßte Nachbarn: kein weiterer Anstieg „Die optimale Anzahl für das Wohlbefinden liegt bei sechs Begrüßungen“, sagte Dan Witters, Forschungsleiter der Studie, gegenüber dem US-Sender „CNN“. „Nach sechs Begrüßungen bringen weitere keinen Mehrwert mehr. Aber sechs ist besser als fünf, fünf ist besser als vier, bis hin zu gar keinen Begrüßungen.“ ANZEIGE ANZEIGE Junge Menschen grüßen deutlich seltener Die Gallup-Daten zeigen auch einen deutlichen Generationenunterschied: Während Menschen über 65 Jahre im Schnitt 6,5 Nachbarn regelmäßig grüßen, sind es bei unter 30-Jährigen nur 2,9 Nachbarn. Nur 14 Prozent der jungen Erwachsenen grüßen sechs oder mehr Nachbarn – bei den über 65-Jährigen sind es 41 Prozent. Gallup-Forscher Witters sieht mehrere Ursachen: Junge Erwachsene würden häufiger in anonymen Hochhäusern in Innenstädten leben. Zudem spiele das Smartphone eine Rolle: „Die Leute blicken nicht auf und grüßen, sondern schauen nur auf ihre Handys.“ Psychologin: „Selbst ein kurzes Hallo hat erheblichen Mehrwert“ Wie wichtig auch scheinbar oberflächliche Kontakte sein können, beschreibt Susanne Bücker, Entwicklungspsychologin an der Universität Witten/Herdecke, in einem Interview mit der AOK Rheinland/Hamburg: „In der Beziehungsforschung dachte man lange, dass solche oberflächlichen Beziehungen gar nicht so viel für das Wohlbefinden tun. Heute wissen wir, dass beiläufige Begegnungen auf der Straße oder im Hausflur, ein kurzes ‚Hallo‘ oder auch nur ein Blickkontakt einen erheblichen Mehrwert für die mentale Gesundheit haben. Selbst solche kurzen Momente des Wahrgenommenwerdens sorgen für das Gefühl, zur Gemeinschaft dazuzugehören.“ Dabei gehe es um ein fundamentales menschliches Bedürfnis: das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein und dazuzugehören. Doch sie weist auch auf negative Folgen hin – etwa, bei zu viel Aufmerksamkeit von den Nachbarn oder dem Gefühl, beobachtet oder kontrolliert zu werden. Sie sagt: „Wenn nachbarschaftliche Beziehungen nicht gut funktionieren, sind Menschen einem Dauerstress ausgesetzt.“ Nachbarn grüßen schützt auch das Herz Dass nachbarschaftlicher Zusammenhalt nicht nur die Seele, sondern auch den Körper schützt, zeigte ein Forscherteam um den Psychologen Eric Kim von der University of Michigan. Die 2014 im „Journal of Epidemiology and Community Health“ veröffentlichte Studie gilt als erste wissenschaftliche Untersuchung, die gezielt den Zusammenhang zwischen sozialem Zusammenhalt in der Nachbarschaft und dem Herzinfarkt-Risiko untersuchte. Die Forscher begleiteten 5276 Personen über 50 Jahre, die zuvor noch keinen Herzinfarkt erlitten hatten, über einen Zeitraum von vier Jahren. Die Teilnehmer bewerteten auf einer Sieben-Punkte-Skala, ob sie ihre Nachbarn als vertrauenswürdig, verlässlich und freundlich empfanden. Jeder Punkt mehr auf der Zusammenhalts-Skala ging mit einer 17-prozentigen Reduktion des Herzinfarkt-Risikos einher. Teilnehmer, die den Zusammenhalt in ihrer Nachbarschaft mit der Höchstpunktzahl bewerteten, hatten sogar ein um 67 Prozent niedrigeres Risiko für einen Herzinfarkt. Die Forscher betonen allerdings: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie – ein direkter Ursache-Wirkung-Zusammenhang lässt sich daraus nicht zweifelsfrei ableiten. Dennoch: Die Ergebnisse sind laut Kim ein starker Hinweis darauf, dass ein Umfeld des Vertrauens die Gesundheit messbar beeinflusst. Fünf Tipps: So stärken Sie Ihre Nachbarschaftsbeziehungen Auf Basis der Expertenempfehlungen hier einige konkrete Tipps, um Ihre Beziehung zu den Nachbarn zu stärken. Grüßen Sie bewusst. Nehmen Sie sich vor, beim nächsten Gang zum Briefkasten oder Supermarkt mindestens drei Nachbarn aktiv zu grüßen. Am mit Blickkontakt und einem freundlichen Wort. Smartphone weg, Blick hoch. Gerade auf kurzen Wegen durchs Viertel: Handy in die Tasche stecken und die Umgebung bewusst wahrnehmen. Machen Sie den ersten Schritt. Psychologin Bücker empfiehlt: Ein Zettel im Briefkasten, ein Klingeln an der Tür mit dem Angebot, sich auf einen Kaffee zu treffen – kleine Gesten brechen das Eis. Bieten Sie konkrete Hilfe an. Mülltonnen im Urlaub rausstellen, einen Einkauf mitbringen, einen guten Arzt empfehlen – praktische Hilfe schafft Vertrauen und Verbindung. Übertreiben Sie es nicht. Wer keinen Kontakt zu seinen Nachbarn möchte, sollte auch nicht dazu gedrängt werden. Das kann die nachbarschaftliche Beziehung stark belasten.

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