Leben im Weltall getestet: So fühlt sich eine Mondmission an
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Bern – Kein Sonnenlicht. Kaum Privatsphäre. Der Alltag streng durchgetaktet. Nur durch ein Bullauge kann man einen Blick auf die Heimat erhaschen, unsere Erde. Einfach die Tür öffnen, frische Luft schnappen oder in den Himmel schauen? Unmöglich. Willkommen auf dem Mond, zumindest fast.
Tief im Schweizer Gotthardmassiv wird erprobt, wie sich das Leben und Arbeiten auf einer künftigen Mondbasis anfühlen könnte. Regelmäßig werden beim Forschungsprojekt Asclepios simulierte Weltraummissionen durchgeführt. Dabei werden wissenschaftliche Experimente sowie Technik und Abläufe für künftige Raumfahrtmissionen getestet.
Im Sommer fand nun bereits Asclepios VI statt. Eine internationale Crew zog dafür zwei Wochen lang in die ehemalige Festung Sasso San Gottardo tief im Schweizer Gotthardmassiv. Mit dabei: die 26-jährige Medizinstudentin Marla Lynn Welsch aus Solingen (NRW).
Die unterirdische Anlage wurde für die Crew zur Mondbasis . Es gab wissenschaftliche Räume, ein kleines Schlafquartier, einen Aufenthaltsbereich und eine Kommunikationsstation als Verbindung zur Außenwelt. Geschlafen, gearbeitet und gegessen wurde nach einem genau geregelten Tagesablauf.
Auch beim Essen fühlten sich die Teilnehmer wie im All. Welsch beschreibt es so: „Wir ernähren uns von einem gefriergetrockneten, dehydrierten Pulver in einer Tüte, dem wir nur noch Wasser hinzufügen.“
Doch das ungewöhnliche Essen war nicht das größte Problem. „Am schwierigsten war für mich die Isolation“, sagt Welsch zu BILD. Erst vor Ort habe sie gemerkt, wie sehr Dinge fehlen, die im Alltag selbstverständlich sind: „frische Luft, Tageslicht, spontane Gespräche oder einfach der Blick in den Himmel“.
Als „Crew Medical Officer“, also medizinische Verantwortliche, hatte Welsch dabei besonders die Gesundheit der Teilnehmer im Blick. Ihre Erkenntnis: Nicht nur medizinische Notfälle können bei einer Mondmission zum Problem werden: „Auch Schlaf, Bewegung, Ernährung, Privatsphäre und die psychische Belastung durch die Isolation spielen eine entscheidende Rolle.“
Was die Studentin am meisten vermisste
Am meisten vermisste sie ihre Freiheit: „Im normalen Alltag treffen wir ständig kleine Entscheidungen, ohne darüber nachzudenken: kurz rausgehen, jemanden anrufen, einen Kaffee trinken, frische Luft schnappen oder einfach einmal alleine sein.“
Wie schnell aus der Simulation Ernst werden kann, erlebte die Crew eines Morgens: Ein Rohr platzte, Teile des Erdgeschosses wurden mit Abwasser überflutet. „Plötzlich mussten wir improvisieren, schnell Entscheidungen treffen und als Team funktionieren“, erzählt Welsch.
Gemeinsam mit einer Kollegin absolvierte sie in voller Ausrüstung einen außerplanmäßigen Notfalleinsatz. Für Welsch eine wichtige Erfahrung: Auch bei einer echten Raumfahrtmission müsse eine Crew auf Situationen vorbereitet sein, die niemand vorher planen kann.
Seit 2021 laufen bei Asclepios regelmäßig solche Missionen. Dabei rückt neben Forschung und Technik auch die menschliche Seite in den Mittelpunkt. Denn eine künftige Mondbasis muss mehr sein als ein technisch perfekter Forschungsort. Menschen müssen dort schlafen, essen, sich erholen, miteinander auskommen und über lange Zeit psychisch stabil und leistungsfähig bleiben.