Lebenslauf: „Wer so seine Bewerbung schreibt, braucht sich über Absagen nicht zu wundern“
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Eine Bewerbung zu schreiben, kann eine Arbeit für sich sein. Vom ersten Kontakt zur Stellenanzeige bis zu dem Zeitpunkt, an dem Fotos, Anschreiben und Lebenslauf aktuell sind und abgeschickt werden, lassen sich die Deutschen im Schnitt drei Tage Zeit. Dort, wo die Unterlagen dann ankommen, sieht es anders aus: Laut einem aktuellen Stimmungsbild des Job-Portals Indeed unter 300 Personalentscheidern nimmt sich ein Drittel weniger als eine Minute, um die Bewerbung zu lesen.
Das Bewerbungsverfahren wird überall schnelllebiger. 56 Prozent der von Indeed befragten Firmen erhielten nach eigenen Angaben heute auch mehr Bewerbungen pro ausgeschriebener Stelle als noch vor zwölf Monaten, 50 pro Posten seien dabei eher normal als die Ausnahme. Der Grund dafür ist vor allem, dass am Jobmarkt der Gegenwart Künstliche Intelligenz eine immer zentralere Rolle einnimmt.
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Eine repräsentative Umfrage des Berliner Profiling Instituts belegte das im Sommer. Demnach erstellen mittlerweile 67 Prozent der Bewerber Anschreiben oder Lebenslauf mit der Hilfe von KI. Firmen sind laut dem Digitalverband Bitkom im Bewerbungsverfahren mit 12 Prozent zwar noch deutlich zurückhaltender, planen aber flächendeckend, nachzuziehen. „Technisch ist vieles möglich und noch mehr denkbar“, heißt es von Bitkom. Kandidaten müssten sich deshalb auf vollkommen neue Anforderungen einstellen, schätzen Experten.
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Das, was eine gute Bewerbung von anderen unterscheidet, ändert sich jedenfalls. Laut Indeed füllen die Deutschen Anschreiben und Lebenslauf noch immer gern aus – 54 Prozent der befragten Personaler sagten aber, dass das Anschreiben für sie „an Aussagekraft verloren“ habe.
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Über den Lebenslauf sagten das 46 Prozent, „schriftliche Antworten im Bewerbungsformular“ hielten 43 Prozent für weniger bedeutsam als früher, „zu Hause umgesetzte Testaufgaben“ 33 Prozent.
„Die allgemeine Qualität der Unterlagen ist im Durchschnitt sicherlich gestiegen, da die Form stimmt, weniger auf allgemeine Mustertexte zurückgegriffen wird und Rechtschreibfehler kaum noch eine Rolle spielen“, sagt Karriere-Coach und Bewerbungs-Experte Stefan Gerth.
Comeback der Bewerbung ohne KI
Gut sei das dennoch nicht, denn die „Flut von KI-generierten Bewerbungen“ mache es Personalern immer schwerer, „Alleinstellungsmerkmale oder besondere Leistungen von Bewerbenden festzustellen“, sagt Gerth. „Obwohl diese wahrscheinlich vorhanden sind.“
Experte Gerth prognostiziert: Die Bewerbung ohne KI könnte deshalb eine Rückkehr erfahren. „Wer sich seine Bewerbung ausschließlich von KI schreiben lässt, ohne selbst Zeit und eigene Gedanken zu investieren, der braucht sich nicht über Absagen zu wundern“, sagt er.
Sein Tipp: „Viel wichtiger als Formulierungen ist der tatsächliche Inhalt des Profils“ – und diesen gelte es in den eigenen Unterlagen künftig über allem hervorzuheben.
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Zum Beispiel, indem Interessenten für eine Stelle stärker darauf achten, was die genauen Anforderungen in der Ausschreibung sind. Könnten sie diese ohnehin nicht erfüllen, so der Karriere-Coach, helfe auch ein gut formatierter Lebenslauf oder ein kluges Anschreiben nur wenig.
Typisch im neuen Software-trifft-auf-Software-Bewerbungsprozess sei etwa, in den Unterlagen bestimmte Schlagwörter einzufügen. Aber: „Das mehrfache Platzieren von vermeintlich wichtigen Keywords, funktioniert nur noch bei schlechten Bewerbermanagementsystemen“, sagt Gerth.
Qualifikation sei um Längen wichtiger. „Wenn ich gut auf eine Stelle passe, alle harten Kriterien erfülle und die Technologie das auch versteht“, sagt Gerth, „habe ich gute Chancen, die erste Hürde zu überstehen.“
Unsichtbare Prompts „fallen natürlich auf“
Auch andere vermeintliche Tricks, wie für den Menschen unsichtbare Prompts in die Unterlagen einzuarbeiten, hält Gerth für wenig sinnvoll. Im Gegenteil: Diese Strategien deuteten aus Personaler-Sicht eher darauf hin, dass Kandidaten von vornherein damit rechnen, nicht wirklich mit ihren Fähigkeiten überzeugen zu können, oder eigentlich nicht genau zur Stelle zu passen. Solche Strategien könnten zwar „im ersten Step funktionieren“, sagt Gerth, fielen spätestens im Bewerbungsgespräch „aber natürlich auf“.
Und noch ein Tipp vom Profi: Wer auf ein Stelleninserat reagiert, sollte besonders darauf achten, neben den harten Qualifikationen die eigene Motivation möglichst umfangreich und schlüssig darzulegen.
Der Extra-Aufwand lohne sich hier besonders, denn im KI-Zeitalter werde individueller Charakter potenzieller Mitarbeiter für Firmen immer wichtiger. „Unternehmen suchen nach Kandidaten, die auch persönlich ins Team passen“, sagt Gerth.
Ganz vom Technik-Einsatz rät der Experte aber auch nicht ab. Denn selbst wer die passenden Unterlagen hat, geht ohne ein Risiko ein. In der Indeed-Umfrage sagten 63 Prozent der Personalchefs, dass sie fürchteten, mit Software- oder KI-Hilfsmitteln versehentlich auch passende Kandidaten auszusortieren.
Damit das nicht passieren kann, rät Gerth dazu, sogenannte CV-Parsing-Check-Tools im Internet einzusetzen. Die Programme können prüfen, ob eine Bewerbung korrekt von typischer Bewerbungs-Software ausgelesen werden kann.
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Ein Mensch irgendwo im Bewerbungsprozess ist übrigens Pflicht für die Firmen. Die KI allein darf laut Datenschutz-Grundverordnung nicht einfach über Absagen entscheiden. Und auch vonseiten der EU gibt es dazu neue Regelungen.
Brüssel stuft KI-Software im Bewerbungsprozess aktuell als „Hochrisiko-System“ ein und ab dem Dezember des nächsten Jahres müssen Firmen sich an neue Dokumentations- und Transparenzpflichten halten.
Wie Menschen entscheiden, wenn sie eine KI-Bewerbung in den Händen halten, zeigt die Indeed-Umfrage passenderweise auch. Dort sagten 41 Prozent der Personaler, „eindeutig von der KI verfasste Unterlagen“ sofort auszusortieren.
Dieser Artikel wurde für WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.
Felix Seifert ist Redakteur im Ressort Wirtschaft und Innovation. Er schreibt unter anderem über die Themen Karriere, Verbraucher, den Standort Deutschland und den öffentlichen Dienst.