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Legende: Der Fußball trauert um Kevin Keegan (†75)

Sport

Audioplayer wird geladen Anzeige Kevin Keegan, englische Fußball-Legende und ehemaliger HSV-Profi, ist im Alter von 75 Jahren verstorben. Das bestätigt seine Familie. Anfang dieses Jahres wurde bekannt, dass bei Keegan Magenkrebs diagnostiziert worden war. In einer Erklärung gegenüber dem britischen Sender Sky UK teilte die Familie von Keegan mit: „Mit großer Trauer geben wir bekannt, dass Kevin Keegan im Alter von 75 Jahren verstorben ist. Der ehemalige englische Nationalspieler und Trainer hatte gegen den Krebs gekämpft und war in seinen letzten Augenblicken von seiner Frau und seinen Töchtern umgeben. Kevin, zweifacher Gewinner des Ballon d’Or, war ein sehr geliebter Ehemann, Vater und Großvater. Die Familie möchte Kevins großartigem medizinischen Team für all seine Unterstützung danken. Dies ist eine äußerst schwere Zeit, und sie bitten um Rückzug und Privatsphäre.“ Anzeige Keegan hatte bei einem Interview vor Publikum Ende Mai in einem Theater in Newcastle gesagt: „Ich hatte einen Autounfall und musste deshalb operiert werden.“ Bei den Untersuchungen vor dem Eingriff sei die Krankheit entdeckt worden. Keegan: „Sie sagten, sie hätten einen absoluten Toparzt für die Behandlung dessen, was ich habe – Krebs im Stadium IV.“ Krebs im Stadium IV bedeutet in der Regel, dass sich Tumorzellen im Körper ausgebreitet und Metastasen gebildet haben. „Die Leute hielten mich für verrückt, Liverpool zu verlassen“ Begonnen hat für Keegan aber alles als Spieler. Sein großer Durchbruch gelang ihm 1971 mit seinem Wechsel zum FC Liverpool. Mit seinem aggressiven Spielstil und seinem unermüdlichen Willen eroberte der Angreifer die Herzen der Fans. Die gewonnenen Titel waren sicher auch kein Nachteil: in sechs Jahren an der Anfield Road holte er drei englische Meisterschaften, den FA Cup und 1977 den Europapokal der Landesmeister. In 322 Spielen für die „Reds“ erzielte er hundert Treffer und lieferte 88 Vorlagen. Anzeige Lesen Sie auch Von 1977 bis 1980 spielte er dann für den HSV (40 Tore in 113 Einsätzen). Sein Transfer galt damals als Sensation. „Die Leute hielten mich für verrückt, Liverpool zu verlassen. Vielleicht hatten sie recht. Aber ich musste mir selbst etwas beweisen“, begründete Keegan den Transfer. Was er sich beweisen wollte? Dass er der erste Engländer sein könnte, der sich in Deutschland durchsetzt – was ihm auf eindrucksvolle Art und Weise gelang. Lesen Sie auch Keegan entwickelte sich zu einer der prägendsten Figuren der Bundesliga. 1979 führte er den HSV zur Meisterschaft und wurde zweimal in Folge zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. Die Hamburger hatten plötzlich einen internationalen Superstar in ihren Reihen. Der größte HSV-Fußballer seit Uwe Seeler. „Kevin war ein ganz wichtiger Baustein für diese Mannschaft“, erinnerte sich sein früherer Teamkollege Felix Magath im Gespräch mit dem NDR. „Er war ein super Teamplayer und ein super Mensch.“ Und: „Er war Vollprofi und uns in der Zeit voraus, was das ganze Auftreten gegenüber Medien und Fans betraf.“ Keegan versuchte sich in seiner Hamburger Zeit auch als Sänger. Und das durchaus erfolgreich. Seine Pop-Schlager-Ballade „Head over Heels in Love“ erschien im Mai 1979 und erreichte im Sommer desselben Jahres Platz zehn der deutschen Charts. Keegan selbst sagte dem „Kicker“ später einmal: „Ich habe in Hamburg mehr über mich selbst gelernt als irgendwo sonst.“ Hrubesch: „Ein großartiger Kamerad beim HSV“ „Ich bin immens traurig“, sagte sein damaliger HSV-Mitspieler Horst Hrubesch gegenüber „Bild“: „Schade, dass so ein toller Mensch von uns gegangen ist. Als Typ war er unerreicht. Er war immer gerade und ehrlich, war allen Menschen gegenüber offen und freundlich. Zudem war er ein großartiger Mitspieler und Kamerad beim HSV. Es war eine große Ehre, mit ihm spielen zu dürfen.“ Magath sagte: „Ich bin erschüttert. Bei uns im Team ging er immer vorneweg, Kevin machte immer so einen vitalen Eindruck.“ Auch der damalige HSV-Manager Günter Netzer zeigte sich erschüttert: „Mich hat in letzter Zeit keine Nachricht so sehr getroffen wie die des Todes von Kevin“. Auch der HSV nahm öffentlich Anteil. „Der Bundesligist trauert um einen der besten Fußballer, die jemals die Raute auf der Brust getragen haben“, schrieb der HSV in einem Nachruf auf Keegan. Der Verein werde „seinem ehemaligen Meisterspieler und zweifachen Ballon-d'Or-Gewinner stets ein ehrendes Andenken bewahren“, hieß es weiter. Hemdsärmeligkeit ohne Sorge vor Konsequenzen Während seiner Zeit beim HSV wurde Keegan zweimal mit dem Ballon d'Or als „Europas Fußballer des Jahres“ geehrt. Von den Liverpool- und HSV-Fans wurde er liebevoll „King Kev“ oder „The Mighty Mouse“, die „Mächtige Maus“, genannt. Später arbeitete Keegan noch als Trainer: Er führte Newcastle United 1996 beinahe zur Meisterschaft und Englands Nationalteam 2000 zur EM. An den Glanz seiner Spielerkarriere knüpfte er als Coach aber nicht an. Aber auch als Trainer blieb Keegan, wie er immer war: kein Taktiktüftler oder Stratege, sondern ein Motivator, der die Spieler mit seiner Art mitriss. Der Fußball verliert mit Keegan einen weiteren Menschen, wie es sie heute in diesem Millionen-Business kaum noch gibt. Keegan stammte zwar aus einer Zeit, in welcher er seine Hemdsärmeligkeit ohne Sorge vor negativen Konsequenzen noch vor Mikrofonen ausleben konnte. Aber er veränderte sich und seine offene Art auch nicht, als der Fußball längst zum Medienzirkus verkommen war. „Kevin war mehr als nur ein legendärer Fußballer und Trainer. Für Generationen von Fans war er das schlagende Herz von Newcastle United“, teilte sein Ex-Klub in einem Nachruf mit. Auch Liverpool äußerte seine Trauer um die Vereinslegende. Englands ehemalige Nationalstürmer Alan Shearer sagte einst über seinen ehemaligen Trainer: „Keegan war nie der Mann für Strategiepapiere – aber einer, der dich mitreißen konnte, weil du wusstest: Der meint das ernst.“ SUF/bm

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