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Leichtathletik-DM Ansah sprintet cool zu Gold - Zecke bremst Lückenkemper

Sport

Alle Augen waren im frisch renovierten Lohrheidestadion auf Ansah gerichtet. Doch der HSV-Athlet, dem eine mehrjährige Sperre droht, zeigte sich scheinbar unbeeindruckt und sprintete fokussiert zur erfolgreichen Titelverteidigung. "Wenn ich auf die Bahn gehe, dann sind meine Gedanken völlig frei. Ich merke nichts, und das hat auch heute funktioniert", erklärte er. "Ich habe einen Super-Job geleistet. Ich kann stolz auf mich sein." Der 25-Jährige, der von der ausverkauften Kulisse mit sattem Applaus begrüßt wurde, blieb in 10,00 Sekunden nur zwei Hundertstel über seinem deutschen Rekord aus dem Juni. Heiko Gussmann (Wetzlar) wurde in persönlicher Bestzeit von 10,06 Sekunden Zweiter vor Kevin Kranz (Wetzlar/10,16). Die DM ist der letzte Härtetest vor den Europameisterschaften in Birmingham (10. bis 16. August), bei der Ansah starten dürfte. Eine Entscheidung in seinem Fall ist bis dahin nicht zu erwarten. Youngster Ernst furios - Lückenkemper entthront Bei den Frauen landete Youngster Jolina Ernst, Tochter der ehemaligen Topsprinterin Melanie Paschke, bei ihrem Heimspiel einen echten Coup und entthronte in 11,26 Sekunden Gina Lückenkemper. Deutschlands Sprint-Queen wurde in 11,29 Sekunden noch hinter Emma Goretzka (LAC Berlin/ebenfalls 11,26) nur Dritte, die Jahresschnellste Rebekka Haase Vierte (Chemnitz/11,30). Wie Lückenkemper anschließend berichtete, habe sie vor einigen Wochen ein Zeckenbiss in den Hinterkopf für einige Zeit ausgebremst. "Das hat mich echt zerstört", sagte die gebürtige Westfälin und war den Tränen nah. Da sie auch eine Absage für die Meisterschaften erwogen hatte, war sie letztlich glücklich mit der Bronzemedaille. Speerwerfer Weber schreibt DM-Geschichte Speerwerfer Julian Weber sicherte sich den sechsten deutschen Meistertitel in Serie - und das trotz eines Feueralarms im Hotel in den frühen Morgenstunden. Der Mainzer hat damit mit Legende Klaus Wolfermann gleichgezogen. Der Olympiasieger von München 1972 war zwischen 1969 und 1974 sechsmal nacheinander bundesdeutscher Meister. Weber setzte sich mit soliden 82,60 m durch und absolvierte dabei nur vier Versuche. Der Vize-Europameister war nach verschiedenen gesundheitlichen Problemen gerade erst bei einem Meeting im schweizerischen Luzern wieder in den Wettkampfzirkus eingestiegen und hatte sich mit 87,04 m direkt an die Spitze der europäischen Jahresbestenliste gesetzt. Sein Ziel für die EM: "90 Meter." Während der deutsche Rekordhalter Johannes Vetter (97,76) wegen körperlicher Probleme nicht am Start war, musste sich Rio-Olympiasieger Thomas Röhler (79,12) mit Platz vier begnügen. Vor dem wiedererstarkten Routinier lagen Nick Thumm (81,45) und Max Dehning (79,33). Der frühere Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul testete in seiner Top-Disziplin, beendete den Wettkampf aber nach nur einem Wurf auf 71,64 m als Achter. Hürdensprinterin Schuster überragt Für einen Paukenschlag sorgte Hürdensprinterin Franziska Schuster. Die Leverkusenerin überraschte sich selbst und stürmte in 12,69 Sekunden zu Gold - persönliche Bestzeit und eingestellter Meisterschaftsrekord. Die bisherige Jahresbeste Rosina Schneider (TV Sulz) sicherte sich in 12,81 Sekunden Platz zwei vor Lia Flotow (1. LAV Rostock), die ebenfalls so schnell lief wie nie zuvor (12,83). Die EM kann kommen! Titelverteidigerin Ricarda Lobe (MTG Mannheim) blieb Rang vier. Über 110 m Hürden knackte der Bonner Gregory Minoue bei seinem Sieg in 13,51 Sekunden die Bestätigungsnorm für Birmingham. Batz mit weitestem DM-Sprung seit 2009 Auch Weitspringer Simon Batz sorgte für einen Glanzpunkt. Der Mannheimer untermauerte seine bestechende Form und verbesserte seinen Hausrekord im fünften Versuch auf starke 8,29 m - Platz sechs in Europa für den 23-Jährigen. "Unfassbar, bei den deutschen Meisterschaften so was zu springen", jubelte er. Bei seinen drei gültigen Versuchen landete er immer jenseits der acht Meter. Zuletzt war 2009 sein Coach Sebastian Bayer bei einer deutschen Meisterschaft weiter gesprungen (8,49). Kevin Brucha (TLV Germaia Überruhr) flog im letzten Versuch mit 8,04 m auf Platz zwei und erstmals über die magische 8-m-Marke. Auch der Hamburger Simon Plitzko als Dritter sprang 8,00 m. Potye siegt - und schiebt Frust Das erwartete Hochsprung-Duell zwischen Titelverteidiger Tobias Potye und Falk Wendrich (LAZ Soest) endete frühzeitiger als gedacht - und mit einem Drama. Der Favorit von Munich Athletics tippelte beim Anlauf zum zweiten Versuch über 2,19 m anscheinend mit Schmerzen, prallte dann mit dem Kopf gegen einen der Ständer, die die Latte halten, und zog sich dabei eine stark blutende Wunde an der Schläfe zu. Voller Frust zerbrach der Vize-Europameister von 2022 seine Brille, bevor er von Sanitätern begleitet den Stadion-Innenraum verließ und den Wettkampf abbrach. Potye, der in diesem Jahr schon 2,30 m gemeistert hat, verbuchte dennoch mit übersprungenen 2,15 m seinen sechsten Freiluft-Titel in Serie, weil Wendrich ebenfalls bei 2,19 m patzte und mehr Fehlversuche hatte. Das letzte Kräftemessen vor der EM hatten sich aber beide sicher anders vorgestellt. "Er hat immer wieder mal Wadenkrampf-Probleme. Beim zweiten Versuch dachte ich, dass er abbricht, aber er hat durchgezogen", berichtete Wendrich, der das Malheur von Potye aus nächster Nähe beobachtete. Craft tanzt vor Freude - Steinacker im Pech Auch die Diskus-Titelverteidigerin und mit 66,55 m Jahresbeste Marike Steinacker erlebte einen schwarzen Tag. Die Leverkusenerin stieg nach zwei Versuchen als Fünftplatzierte (57,78) mit Adduktorenproblemen aus. Die dreimalige EM-Dritte Shanice Craft dagegen hatte noch vor einer Woche beim Diamond-League-Meeting in London nach einem Versuch ebenfalls wegen Adduktorenproblemen aufgehört. Nun siegte die WM-Achte vom SV Halle mit Saison-Bestleistung von 66,18 m und führte ein kleines Freudentänzchen auf. "Heute habe ich wieder zeigen können, was ich drauf habe", sagte sie. Die Tokio-Olympia-Zweite Kristin Pudenz (64,00) holte Silber vor Leia Braunagel (Frankfurt/63,15). Auch die Potsdamerin dürfte damit ihren EM-Startplatz sicher haben. Bebendorf stürzt und siegt trotzdem Zum Hindernis-König krönte sich wie erwartet Karl Bebendorf. Der Dresdner, der sich in diesem Jahr auf 8:05,55 Minuten gesteigert hat und damit zweitbester Deutscher der Geschichte ist, siegte trotz eines Sturzes ohne Fremdeinwirkung in Abwesenheit des neuen Europarekordlers Frederik Ruppert in 8:21,01 Minuten - sein siebtes Gold. "Ich bin schnell wieder aufgestanden, und dann gab es nur noch eine Richtung", sagte er. Ruppert hatte sich für den DM-Start über 5.000 m entschieden (Bebendorf: "Wir sind sehr, sehr gut befreundet. Das ist der Grund, warum wir uns eher meiden") und wurde dort aufgrund seiner immensen Spurtstärke nach einem Bummelrennen in 14:08,18 Minuten Meister. In Europa rangieren der EM-Dritte aus Tübingen und Bebendorf über die Hindernisse auf den Rängen eins und zwei. Gute Aussichten für die kontinentalen Titelkämpfe, für die auch der zweitplatzierte Niklas Buchholz (Franconia Athletics/8:22,29) qualifiziert ist. Wittmann und Maihöfer springen wohl auf EM-Zug auf Im Dreisprung überzeugte Kira Wittmann. Die Athletin von Hannover 96 übertraf ihre erst fünf Wochen alte persönliche Bestleistung (14,00 m) gleich zweimal mit 14,14 im vierten und 14,10 m im letzten Versuch und feierte ihren zweiten Freiluft-DM-Titel . Zwar fehlen sechs Zentimeter zur EM-Direktnorm, dennoch dürfte die 26-Jährige übers europäische Ranking das Ticket für Birmingham lösen, über das die letzten EM-Startplätze vergeben werden. "Die Stimmung war super. Das hat ungemein gepusht. Die Zentimeter, die ich heute verpasst habe, habe ich mir für die EM in Birmingham aufgehoben", sagte sie. Titelverteidigerin Caroline Joyeux von der LG Nord Berlin hatte die Norm bereits in der Tasche (Saison-Bestleistung: 14,22 m), die Favoritin musste sich in Wattenscheid aber mit 13,98 m und Platz zwei begnügen. Im Kugelstoßen wuchtete Eric Maihöfer sein Arbeitsgerät mit 20,26 m als einziger Teilnehmer über die 20-m-Marke - sein dritter Meistertitel in Serie. Mit seiner Saisonbestweite von 20,63 m liegt der Sindelfinger unter dem EM-Richtwert (20,80), hat aber als deutscher Meister wertvolle Punkte gesammelt und wie Wittmann gute Aussichten. Hammerwerferin Kuhn mit gelungener Generalprobe Die Frankfurter Hammerwerferin Aileen Kuhn machte unterdessen mit ihrem überlegenen Sieg mit 71,38 m nicht nur die erfolgreiche Titelverteidigung perfekt, sondern feierte auch eine gelungene Generalprobe für die EM, wo die Final-Teilnahme das Ziel ist. Die Entscheidungen im Stabhochsprung waren bereits bereits am Donnerstag und Freitag im Rahmen der "Finals" in Hannover vor spektakulärer Kulisse auf dem Opernplatz gefallen.

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