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Leichtathletik-DM Assani besiegt Mihambo - DM-Rekorde durch Agyekum und Krause

Sport

Es waren rührende Szenen, die sich im erneut vollbesetzten Wattenscheider Lohrheidestadion abspielten. Die neue Weitsprung-Meisterin Mikaelle Assani weinte Tränen des Glücks, und die überraschend entthronte Malaika Mihambo umarmte die Sensationssiegerin und gratulierte ihr fair und von ganzem Herzen. Und das nicht nur zu ihrem Sieg, sondern zum unglaublichen Comeback der 23-Jährigen vom Karlsruher SC. Assani war erst im Juni nach 15-monatiger Verletzungspause zurückgekehrt, nun holte sie nicht nur mit 6,67 m Gold, sondern schaffte auch die Bestätigungsnorm für die in zwei Wochen beginnende EM. "Ich bin unglaublich glücklich", sagte sie im Ersten. In Birmingham zählt die Tokio-Olympiasiegerin und zweimalige Weltmeisterin Mihambo, die zuletzt in London mit 7,05 m so weit gesprungen war wie seit ihrem EM-Triumph 2024 nicht mehr, wieder klar zu den deutschen Hoffnungsträgern. Doch für die Heidelbergerin gilt es nun erst einmal, die DM und ihre 6,63 m zu verdauen. "Mein Anlauf hat durch den Wind nicht gepasst. Und ich war auch mental nicht ganz da", konstatierte sie. Sprint-Double für Owen Ansah Owen Ansah machte ungeachtet des Wirbels um seine verweigerte Dopingprobe das Sprint-Double perfekt und gewann nach den 100 m am Vortag auch über die doppelte Distanz. Der 100-m-Rekordler vom HSV triumphierte in persönlicher Bestzeit von 20,13 Sekunden. Noch näher an die 20,00-Sekunden-Schallmauer ist bisher nur der deutsche Rekordler Joshua Hartmann (ASV Köln/20,02) gelaufen, der diesmal in 20,43 Sekunden Dritter hinter Kameron Horton (Cologne Athletics/20,40) wurde. Das Duo blieb damit ebenfalls unter der Direktnorm für die EM. Bei den Frauen sprintete U20-Europameisterin Judith Bilepo Mokobe (USC Mainz) zu Gold und in 22,78 Sekunden zur EM-Teilnahme. Sophia Junk (LG Rhein-Wied) wurde nur Vierte (22,93), ist aber die Jahresschnellste. Das dritte Ticket dürfte an Vizemeisterin Talea Prepens (Cloppenburg/22,89) oder die Dritte Jessica-Bianca Wessolly (Sindelfingen/22,92) gehen. Agyekum schnappt sich nächsten Schmid-Rekord Gerade erst hatte Emil Agyekum über 400 m Hürden den 44 Jahren alten deutschen Rekord von Harald Schmid geknackt und auf 47,45 Sekunden verbessert. Nun schnappte sich der Berliner acht Tage später die nächste Bestmarke des legendären Altmeisters. In Meisterschaftsrekord von 47,65 Sekunden - seit 1985 hatte er bei 48,02 Sekunden gestanden - rannte er am Sonntag zum zweiten DM-Titel seiner Karriere und tankte noch einmal ordentlich Selbstvertrauen für die EM. Dort ist Weltrekordler Karsten Warholm der Favorit - doch Europas Nummer zwei dürfte dem Norweger gehörig Druck machen. "Ich bin super drauf, hab' ein neues Level erreicht", sagte Agyekum. Sein Motto für die EM: "No limits - alles möglich." Auch Titelverteidiger Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV) ist fit für Birmingham, in Saison-Bestzeit von 48,08 Sekunden wurde er Zweiter. Joshua Abuaku (Eintracht Frankfurt) tat alles dafür, noch die Bestätigungsnorm für die EM zu knacken, die er am Vortag um vier Tausendstel verpasst hatte. Doch er musste seinem mutigen Angang Tribut zollen und wurde letztlich in 50,82 Sekunden Sechster. Krause unterbietet eigenen DM-Rekord Meisterschaftsrekord lief auch Hindernis-Königin Gesa Felicitas Krause, die nach fünf Jahren eindrucksvoll auf den DM-Thron zurückkehrte. Die 33-Jährige setzte sich nach einem taktisch klugen Rennen souverän durch und sicherte sich erstmals nach ihrer Baby-Pause wieder den Titel - ihren siebten über 3000 m Hindernis. Die zweimalige Europameisterin siegte in 9:24,40 Minuten und unterbot damit ihren DM-Rekord aus dem Jahr 2017. Bei der EM in Birmingham will Krause ihre fünfte Medaille holen - 14 Jahre nach Bronze 2012 in Helsinki. Zweite wurde Olivia Gürth (Trier/9:27,08) vor Lea Mayer (VfL Löningen/9:30,96). Die EM-Zweite von 2022, aktuell hinter Krause die Nummer drei in Europa, verrichtete viel Führungsarbeit und konnte dann nicht mehr mitgehen, als Krause das Tempo verschärfte. Bredau mit schnellster Zeit seit 25 Jahren Für einen Paukenschlag sorgte zudem Viertelmeiler Jean Paul Bredau bei seinem Titel-Hattrick. Der 27-Jährige vom VfL Wolfsburg zauberte in 44,72 Minuten die schnellste Zeit seit Ingo Schultz vor 25 Jahren auf die Bahn und katapultierte sich in der ewigen deutschen Bestenliste auf den geteilten fünften Platz. Der deutsche U23-Meister Thorben Finke (SV Sigiltra Sögel) steigerte sich auf 45,08 Sekunden - Silber und das EM-Ticket. Der Münchner Thilo Traue unterbot als Dritter in 45,30 Sekunden die Bestätigungsnorm (45,45). Johanna Martin machte über die Stadionrunde in Abwesenheit der verletzten Titelverteidigerin Skadi Schier ihren ersten Meistertitel im Freien perfekt. Die Seriensiegerin aus der Halle setzte sich klar mit 51,20 m durch. Die 20-Jährige hat sich in dieser Saison auf 50,57 Sekunden gesteigert, lief damit die schnellste Zeit einer DLV-Athletin seit 2001 und auch direkt zur EM. Rekordläufer Farken nicht zu schlagen Robert Farken war mit der Empfehlung von zwei deutschen Rekorden in einem Rennen angereist - und der Leipziger ließ bei seinem dritten DM-Sieg über 1500 m in Folge in 3:35,33 Minuten erwartungsgemäß nichts anbrennen. Marc Tortell (Athletics Team Karben) verpasste als Zweiter in 3:38,69 Sekunden die direkte Qualifikation für Birmingham. Olympiasiegerin Mabry souverän, aber glanzlos Kugelstoß-Olympiasiegerin Yemisi Mabry feierte bei einsetzendem Nieselregen einen überlegenen, aber mit 19,04 m auch glanzlosen Sieg. Die Mannheimerin wartet weiter auf den ersten 20-m-Stoß der Saison, beim Diamond-League-Meeting in Paris war sie der Marke immerhin mit 19,93 m schon nahegekommen. Wer reist mit ihr zur EM? In Wattenscheid empfahlen sich Vizemeisterin Katharina Maisch (LV 90 Erzgebirge/18,57) und die 22-jährige Nina Ndubuisi (SG Schondorf 1846/18,32). Hummel dicht an die 80 Meter - Klose zur EM Im Hammerwurf lieferten sich Merlin Hummel und sein Frankfurter Vereinskollege Sören Klose ein tolles Duell. Der Vizeweltmeister ging seine Mission Titelverteidigung bei kühleren Bedingungen als am Vortag in langer Hose an. Im dritten Versuch übernahm der 24-Jährige, der in diesem Jahr bereits 81,74 m verbucht hat, nach etwas zähem Beginn die Führung, im vierten Versuch gelangen ihm 79,18 m. "Die 80 wäre schön gewesen, aber wir haben ja noch Birmingham", bilanzierte Hummel. Klose jubelte bereits nach 77,53 m im vierten Versuch, mit dem er die Direktnorm für Birmingham erstmals um drei Zentimeter übertraf. 78,18 m ließ er noch folgen - ein starker Auftritt. U23-Europameister Steven Richter (LV 90 Erzgebirge) als Diskus-Sieger mit 66,27 m untermauerte seine Pole Position in der deutschen Jahresbestenliste. Titelverteidiger und Dauerrivale Henrik Janssen aus Magdeburg wurde Zweiter (64,64) vor dem spät in die Saison eingestiegenen Mika Sosna (TSG Bergedorf/63,57), der in seinem vierten Wettkampf in diesem Sommer aber den EM-Richtwert verpasste. Ulbricht löst Ticket für Birmingham Speerwerferin Julia Ulbricht, die als Jahresbeste (60,58 m) in den Wettkampf gegangen war, wuchtete ihr Arbeitsgerät auf 61,58 m und übertraf damit ihre bisherige persönliche Bestweite um 56 Zentimeter. Die Rostockerin holte damit nicht nur DM-Gold, sondern ebenfalls das Ticket für die kontinentalen Titelkämpfe. Gantert siegt und sammelt wichtige Punkte Hochspringerin Dorothea Gantert (SpVg Laatzen) stellte mit 1,89 m ihre persönliche Bestleistung ein und hakte zudem ein weiteres Mal die Bestätigungsnorm für Birmingham ab. Als deutsche Meisterin sammelte die 19-Jährige wertvolle Punkte und hat nun noch die Chance, über das europäische Ranking auf den EM-Zug aufzuspringen. An 1,92 m im letzten Versuch, als sie bereits als Siegerin feststand, biss sich der Youngster noch die Zähne aus. Bei der EM starten wird nach eigener Aussage Christina Honsel. Die Jahresbeste (1,94 m) vom gastgebenden TV Wattenscheid hatte wegen Fußproblemen schweren Herzens auf ihren Start beim Heimspiel verzichtet. Nicht in Birmingham dabei ist die international erfahrene Imke Onnen. Die 31-Jährige von Cologne Athletics kommt in dieser Saison nicht in Schwung und musste sich mit schwachen 1,80 m und Rang acht begnügen. Kolbe und Stepanov über 800 m vorn Über 800 m feierte Titelverteidigerin Smilla Kolbe in einem taktischen Rennen in 2:02,20 Minuten den Sieg. Die Frankfurterin, die sich in diesem Jahr auf 1:58,99 Minuten gesteigert hat, wehrte die Attacke der zweitplatzierten Jana Becker (2:02,72) im Schlussspurt souverän ab. Die U20-Europameisterin vom Königsteiner LV darf wie die Siegerin mit dem EM-Start planen. Bei den Männern machte Favorit Alexander Stepanov, der die B-Norm für Birmingham schon in der Tasche hatte, keine Jagd auf die Zeit für die direkte Qualifikation und in einem klassischen Meisterschaftsrennen seinen vierten Titelgewinn perfekt. Der Sindelfinger siegte in 1:48,44 Minuten souverän vor Adrian Engstler (TV Villingen/1:48,95) und U23-Meister Tom Stöber (TV Wetzlar/1:49,27) - das sollte reichen für die EM-Teilnahme. Demes mit dem dritten Streich Eileen Demes (TV 1861 Neu-Isenburg) holte über 400 m Hürden nach unrunden Wochen das dritte DM-Gold in Folge, eine Steigerung der Saisonbestzeit (54,91) war aber nicht drin. In 55,71 Sekunden siegte die 28-Jährige vor Sabrina Heil (VfL Sindelfingen), die in 56,07 Sekunden einen Hausrekord aufstellte. Zweimal stand Demes bislang im WM- und einmal im EM-Halbfinale. Nun ist das Finale das Ziel.

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