Leichtathletik-EM: 19,95 Sekunden! Owen Ansah holt Gold über 200 Meter
Im Finale am Freitagabend lag der Hamburger zur Hälfte des Rennens noch auf Rang vier, zündete dann aber den Turbo und ließ die Konkurrenz förmlich stehen. Weil der Rückenwind mit 2,5 Metern pro Sekunde etwas zu stark war, wird die Zeit allerdings nicht als deutscher Rekord anerkannt - 1,9 Meter sind maximal erlaubt, um die Zeit als offizielle Bestmarke zu werten. Doch das war Ansah egal: "Ich bin mega-happy, dass ich diesen Lauf gewonnen habe. Mein Trainer hat schon gesagt, dass mir die 200 Meter eher liegen als die 100. Jetzt sind es zwei Medaillen hier geworden, ich habe nie wirklich geglaubt, dass ich sowas schaffen kann." Zweimal Bronze vergeben Mehr als zwei Zehntelsekunden hinter Ansah kam der Brite Zharnel Hughes in 20,16 auf den Silberrang. Bronze wurde zweimal vergeben: Eseosa Fostine Desalu aus Italien und Timothé Mumenthaler wurden zeitgleich in 20,26 Sekunden gewertet - weil sie auch bei den Tausendstelsekunden gleichauf waren. Ansah schon über 100 Meter Dritter Schon über 100 Meter hatte Ansah eine 40-jährige Durststrecke beendet, als er mit Bronze in 10,19 Sekunden die erste Medaille für Deutschland seit Steffen Bringmann (EM-Silber 1986 in Stuttgart) geholt hatte. Ebenfalls vier Jahrzehnte musste der DLV auf Edelmetall auf der doppelten Sprintdistanz warten, Jürgen Evers war 1986 in Stuttgart auf EM-Platz zwei gerannt. Ansah droht eine lange Sperre - rückwirkend Seit dem Vorfall vom 9. Juli dieses Jahres ist allerdings fraglich, ob die Ergebnisse, die Ansah seitdem erzielte, Bestand haben werden. Die Nationale Doping Agentur (NADA) wirft dem 25-Jährigen vor, eine Dopingkontrolle nicht ordnungsgemäß ermöglicht beziehungsweise keine Probe abgegeben zu haben, obwohl ihn ein Kontrolleur dazu aufgefordert hatte. Zu der unangekündigten Dopingprobe außerhalb des von Ansah angegebenen Zeitfensters kam es, als der Athlet gerade zum Diamond-League-Meeting nach Monaco am 10. Juli reisen wollte. Dort war der HSV-Sprinter als Nachrücker kurzfristig ins Starterfeld gerutscht. Ansah sagte später, er sei spät dran gewesen und zudem kurz zuvor schon auf der Toilette gewesen. Er habe dem Kontrolleur dann vorgeschlagen, ihn zum Flughafen zu begleiten, um die Probe dort abzugeben. Dazu kam es nicht. Vorsorglich nicht für die Staffeln nominiert Wird die von der NADA vorgeschlagene vierjährige Sperre letztlich Realität, werden alle Ergebnisse seit dem 9. Juli null und nichtig. Der DLV geht daher bei der Besetzung der Sprint-Staffeln der Männer am Samstag (Finale um 22.33 Uhr) und im Mixed-Wettbewerb (Sonntag, 21.35 Uhr) in Birmingham vorsorglich kein Risiko ein. Ansah wird nicht nominiert, um bei einer rückwirkenden Sperre nicht das Ergebnis des gesamten Teams zu gefährden.