Leichtathletik-EM 2026 Vierjährige Sperre? Ansah will NADA-Vorschlag nicht akzeptieren
Laut NADA-Ermittlungen habe Ansah sich geweigert oder unterlassen, eine Dopingprobe abzugeben. Deswegen liegt jetzt ein Sanktionsbescheid mit dem Vorschlag einer Sperre von vier Jahren vor. Sollte der 25-Jährige die Strafe akzeptieren, reduziert sich die Dauer der Sperre automatisch auf drei Jahre. Doch das ist kein Thema. Ansah werde den Vorschlag der NADA "nicht akzeptieren", teilte sein Anwalt Rainer Tarek Cherkeh ebenfalls am Freitag (07.08.2026) in einer Stellungnahme mit: "Er fokussiert sich nun auf die anstehende Leichtathletik-EM." DLV geht kein Risiko ein: Staffeln ohne Ansah Der Hamburger, der zu den deutschen Medaillenkandidaten zählt, werde bei der am Montag in Birmingham beginnenden EM (10. bis 16. August) wie geplant über 100 m und 200 m an den Start gehen, allerdings nicht an den Staffel-Wettbewerben teilnehmen, erklärte der Deutsche Leichtathletik Verband (DLV). Ansah war eigentlich im 100-m-Männer-Quartett sowie in der Mixed-Sprintstaffel gesetzt. Doch nun verzichtet der DLV auf ihn. Der Grund: Der Sanktionsbescheid gegen Deutschlands schnellsten Sprinter sieht auch vor, dass alle Wettkampfergebnisse ab dem 9. Juli annulliert werden - dem Tag der Kontrolle. Diese Annullierung beträfe unter anderem Ansahs deutsche Meistertitel über 100 und 200 m, die er Ende Juli in Bochum-Wattenscheid geholt hatte, aber auch mögliche Medaillen und Erfolge bei den kontinentalen Titelkämpfen. Einer möglichen nachträglichen Streichung des Mannschafts-Ergebnisses beugt der Verband so vor. "Es bleibt dabei: Der DLV hat die Organisation und Durchführung von Dopingkontrollen sowie das Ergebnismanagement und Disziplinarverfahren an die NADA abgegeben. Wir stehen gleichzeitig weiter an der Seite unseres Athleten", sagte Leistungssport-Vorstand Jörg Bügner. Keine vorläufige Suspendierung Ansah hat 20 Tage Zeit, die Strafe der NADA zu akzeptieren oder die Einleitung eines Disziplinarverfahrens beim Deutschen Sportschiedsgericht zu verlangen. Da er nicht vorläufig suspendiert wurde, darf er in Birmingham starten. Die Sperre beginnt laut Mitteilung "erst mit dem Tag der entsprechenden finalen Entscheidung der NADA oder eines Disziplinarorgans oder mit dem Tag, an welchem die vorgeschlagene Sperre akzeptiert wurde". "Es steht der Nationalen Anti Doping Agentur frei, ob sie einen Athleten suspendiert oder nicht", erläuterte ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt: "Es gab in der Vergangenheit auch schon Situationen, wo im Nachgang dann beispielsweise ein Schiedsgericht gesagt hat, man hätte nicht suspendieren sollen, das könnte dann auch Schadenersatzforderungen zur Folge haben. Möglicherweise ist man hier eher vorsichtig." "Zu keinem Zeitpunkt die Abgabe einer Probe abgelehnt" Ansah wird vorgeworfen, einem NADA-Kontrolleur Anfang Juli die Abgabe einer Dopingprobe verweigert zu haben. Die Agentur leitete daraufhin ein Verfahren wegen eines möglichen Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen ein. Cherkeh wehrt sich gegen die Darstellung. "Unser Mandant Owen Ansah hat sich zu keinem Zeitpunkt geweigert, eine Dopingkontrolle durchzuführen", hieß es in der Reaktion des Juristen. "Er hat zu keinem Zeitpunkt die Abgabe einer Probe abgelehnt. Owen Ansah hat zu keinem Zeitpunkt gesagt oder den Eindruck erweckt, dass er eine Dopingkontrolle nicht durchführen wolle." Auch Ansah selbst betonte in einer Stellungnahme seines Vereins Hamburger SV: "Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt geweigert, eine Dopingprobe durchzuführen." Der Club steht nach eigenen Angaben weiterhin an der Seite seines Athleten. Laut NADA erfolgte entsprechende Aufklärung Nach eigenen Angaben war Ansah, der im Juni seinen deutschen 100-m-Rekord auf 9,98 Sekunden verbessert hatte, als Nachrücker ins Starterfeld des Diamond-League-Rennens in Monaco gerutscht. Er habe gerade zum Flughafen aufbrechen wollen, als ein Doping-Kontrolleur außerhalb seines Proben-Zeitfensters um eine Dopingprobe gebeten habe. Er sei unter Zeitdruck gewesen und habe so kurzfristig keine Probe abgeben können, auch weil er kurz zuvor die Toilette besucht habe. "Dies habe ich mit dem Kontrolleur besprochen. (...) Zudem wurden keinerlei Konsequenzen aufgezeigt", so Ansah.