Leichtathletik-EM: Auch ohne Ansah - Sprintstaffel stürmt zu Silber
In der Topzeit von 38,64 Sekunden war am Samstagabend nur Gastgeber Großbritannien schneller - um 19 Hundertstelsekunden. Bronze ging an Belgien in 38,70. Das Quartett mit Kevin Kranz, Marvin Schulte, Heiko Gussmann und Lucas Ansah-Peprah hatte im Vorlauf mit 38,57 Sekunden hinter Großbritannien und Italien die drittbeste Zeit abgeliefert. Im Finale übergab dann Gussmann beim letzten Wechsel auf Ansah-Pepra auf Rang drei, doch der Schlussläufer raste auf der Zielgeraden noch an Belgien vorbei. Ansah-Pepra: "Bin einfach um mein Leben gelaufen" Ansah-Pepra war anschließend so glücklich, dass er den Eindruck hatte, am halben Feld vorbeigerannt zu sein. Er feierte am ARD-Mikro: "Ich hab nur gesehen, dass noch einige vor mir waren, die habe ich dann eingesammelt. Ich bin einfach um mein Leben gelaufen und habe dann erst später realisiert, dass wir Vize-Europameister sind. Unser Ziel war eine Medaille - ich bin mega-stolz auf die ganze Truppe." Startläufer Kranz war ebenfalls begeistert: "Wir haben ein ultra-gutes Race hingelegt." Schulte hob den Teamgedanken hevor: "Ich bin sehr dankbar, Teil dieser Truppe zu sein. Jeder bei uns kann sich auf den anderen verlassen - dafür haben wir uns mit Silber belohnt." Der 22-jährige Kurvenläufer Gussmann fand auch lobende Worte für den zum Zuschauen verurteilten Ansah: "Owen war beim Endlauf bei uns. Er hat uns Mut zugesprochen und uns zu Silber geschrieben. Unser Dank geht auch an ihn." Ansah zur Sicherheit nicht nominiert Owen Ansah, der mit Abstand schnellste deutsche Sprinter der Gegenwart, durfte sich das Rennen nur von der Tribüne aus ansehen - in der Aufwärmphase hatte er sein Team noch begleitet und mentale Unterstützung geleistet. Der Hamburger hat in Birmingham Bronze auf der 100-Meter-Distanz und sogar sensationell Gold über 200 Meter gewonnen, doch der Deutsche Leichtathletik-Verband nominierte ihn nicht für die Staffeln, weil ihm eine rückwirkende Aberkennung seiner Erfolge in England droht. Ansah soll am Tag vor dem Diamond-League-Meeting am 10. Juli in Monaco die Abgabe einer Dopingprobe verweigert haben. Die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) hat eine vierjährige Sperre vorgeschlagen, die Ansah aber nach Angaben seines Anwalts nicht akzeptieren wird. Es dürften langwierige Auseinandersetzungen folgen.