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Leichtathletik-EM: Hummel taumelt - und gewinnt noch Hammer-Silber

Sport

Im Sportschau-Interview gab Silber-Sieger Hummel, der damit seine WM-Medaille aus dem Vorjahr in Tokio bestätigte, anschließend einen tiefen Einblick in sein Seelenleben: "Die Quali gestern war hart und hat genau diese ganzen Erwartungen an mich widergespiegelt. Ich war in so einer Negativspirale und wollte eigentlich nur noch nach Hause. Das ging mir schon die ganzen letzten Tage so. Deshalb bin ich sehr stolz, dass ich mich da wieder rausgekämpft und einen echten Wettkampf abgeliefert habe. Das gibt Selbstvertrauen für die Zukunft - ich kann unter Druck performen." Viele Gespräche als Aufbauhilfe Wie er das tiefe Tal der Qualifikation vom Vortag - mit 75,49 als bestem Versuch rettete er sich als Zehnter ins Finale - überwunden hatte, beschrieb er so: "Ich habe ganz viele Gespräche geführt, mit anderen Athleten, meiner Trainerin, meinem Psychologen, meiner Freundin, meinem Zimmerkollegen. Alle haben mich aufgebaut. Am Ende habe ich dann gemerkt: Ich hab das drauf. Und das war die Realität." Im Finale deutete dann der erste seiner sechs Würfe schon mal an, dass er einen besseren Weg einschlagen würde. Er wirkte deutlich ruhiger und fokussierter. Ohne Trainingsjacke, die er in der Quali noch getragen hatte, wuchtete er den Hammer zum Auftakt auf 79,08 - und quittierte das mit einem verhaltenen, aber auch ein wenig erleichtert wirkenden Kopfnicken. Platz drei nach dem ersten Versuch Geht doch, könnte das bedeutet haben. Und tatsächlich warfen nur zwei Konkurrenten im ersten Versuch weiter: der Quali-Beste Halász mit 80,96 Metern und der Pole Pawel Fajdek, der mit 79,13 hauchdünn vor Hummel landete. Einen echten Flow löste der Auftakt bei Hummel aber nicht aus. Beim zweiten Versuch ließ der Kronacher den Hammer einen Tick zu spät los und der landete im Fangzaun. Die Quittung folgte, als der Tscheche Volodymyr Myslyvchuk seinen zweiten Wurf auf 79,42 feuerte - der Vize-Weltmeister fiel aus den Medaillenrängen auf Platz vier zurück und setzte anschließend auch seinen dritten Versuch ins Netz. Technische Hilfe von Kathrin Klaas Kopfschüttelnd holte sich der 24-Jährige Hilfe von Trainerin Kathrin Klaas, selbst zweimalige Deutsche Meisterin im Hammerwurf, sie deutete ihm an, dass er nicht verkrampfen solle. Die Soforthilfe schlug sich im vierten Versuch noch nicht nieder. Hummel nahm Fahrt auf, brach den Versuch aber ab, schlug sich auf die Oberschenkel, ging erneut in die Rotation und kam auf 75,97 Meter - da war er wieder auf dem Niveau vom Montag angelangt. Ein Griff in die Haare war sein erster Reflex, auf der Tribüne schüttelte Klaas den Kopf. Noch blieben zwei Versuche. In der Ergebnisliste war Hummel zu diesem Zeitpunkt auf Platz fünf zurückgefallen. Erster Verfolger war sein Teamkollege: Sören Klose hatte sich im dritten Versuch auf 78,13 Meter gesteigert. Hummel feuert einen raus, Halász legt nach Zu diesem Zeitpunkt deutete nur noch wenig daraufhin, dass sich der Athlet von Eintracht Frankfurt aus diesem Loch befreien würde. Doch der WM-Zweite agierte endlich wie ein Vize-Weltmeister, bei seinem fünften Versuch ging er später in die Drehung, setzte den Wurf auch höher an - und knallte den Hammer auf 81,30 Meter. Von Rang fünf feuerte er sich damit auf den Silberrang, lag nur noch 54 Zentimeter hinter Halász. Doch der starke Olympia-Zweite konterte überragend, legte Weltjahresbestweite und Landesrekord nach: 84,25 Meter waren die klare Gold-Weite. Am Ende war Hummel aber glücklich über die erste Hammerwurf-Medaille für Deutschland seit 20 Jahren.

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