Leichtathletik-EM: Owen Ansah holt über 100 Meter historisches Bronze
"Ich bin glücklich, dass ich eine Medaille gewinnen konnte, das war mein Ziel. Ich bin der Drittschnellste in ganz Europa, das ist irgendwie verrückt und muss ich erst realisieren", sagte der Bronzegewinner im Sportschau-Interview. Ansah mit geschlossenem Shirt und super Endspurt Im Halbfinale war Ansah noch locker mit halb geöffnetem Shirt in den Endlauf gesprintet, beim Finale hatte er den Reißverschluss bis nach ganz oben gezogen. Und das half. Ansah kam als langsamster aus dem Block mit einer Reaktionszeit von 0,165 Sekunden, doch dann gewann er zunehmend an Tempo und überholte die meisten seiner Konkurrenten. Auf den letzten Metern zog Ansah schließlich noch an Elvis Afrifa (Niederlande) vorbei und wurde in 10,19 Sekunden Dritter. Zum ersten Mal in Birmingham sah man Ansah danach lachen, denn obwohl ihm die Belastung der aktuellen Vorkommnisse auf der Bahn nicht anzumerken war, ist sie natürlich da. Weil dem 25-Jährigen vorgeworfen wird, eine Dopingprobe verweigert zu haben, kann es sein, dass er seine Bronzemedaille nachträglich abgeben muss, bis zur Entscheidung wird es aber noch dauern. Sicher ist nur, dass es einen britischen Doppelsieg von Romell Glave (10,09 Sekunden) und Jeremiah Azu (10,16) gab. Sollte Ansah eine Medaille holen, muss er um sie fürchten Bei den Deutschen Meisterschaften war Ansah schon mit dem Wissen angetreten, dass er nachträglich noch seine Medaillen verlieren könnte, sofern er nachträglich gesperrt wird. Er ließ sich davon aber schon da nicht beeindrucken und gewann über 100 und 200 Meter Gold, machte somit auch Hoffnung für die EM. Da muss Ansah alle Nebengeräusche ausblenden und einfach schnellstmöglich die Ziellinie überqueren. "In der letzten Zeit habe ich viel Zuspruch aus Deutschland erhalten von Menschen, die wissen, was gerade abgeht. Ich bin unfassbar glücklich, dass Deutschland hinter mir steht und das war auch ein Stück weit für diese Menschen, dass ich Bronze gewonnen habe", sagte Ansah. "Ich konzentriere mich auf die Sachen, die ich beeinflussen kann, und das ist schnell laufen. Alles andere liegt nicht in meiner Hand." Die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) hat eine vierjährige Sperre vorgeschlagen. Über seinen Anwalt teilte Ansah bereits mit, dass er diese nicht akzeptieren wolle, die 20-tägige Frist, sich auch auf offiziellem Wege zu äußern, ist noch nicht verstrichen. Möglich, dass der Fall noch über mehrere Instanzen gehen wird und sich hinzieht. Die realistische Furcht, dass Deutschlands schnellster Mann seine möglichen Medaillen (er startet auch über 200 Meter) nachträglich verlieren könnte, reiste also mit nach Birmingham. Gussmann und Ansah-Peprah im Halbfinale raus Das Halbfinale hatte Ansah höchst souverän überstanden, gemeinsam mit dem späteren Sieger Azu ließ der Deutsche Meister seinen Lauf auf den letzten Metern austrudeln und wurde in 10,20 Sekunden Zweiter. Knapp am Endlauf gescheitert war kurz zuvor Gussmann, der bis zur Ziellinie stark mithielt, aber die entscheidenden Zentimeter nicht mehr rausholen konnte. Bei starkem Gegenwind fehlten ihm in 10,37 Sekunden nur drei Hundertstel auf Chituru Ali (Italien), der sich als Zweiter des Laufs direkt qualifizierte. Lucas Ansah-Peprah verschlief den Start komplett und hatte mit dem Kampf ums Finale nichts zu tun. In enttäuschenden 10,49 Sekunden beendete er sein Halbfinale als Letzter. Titelverteidiger Marcell Jacobs hatte sich als Schnellster qualifiziert, verletzte sich aber beim Aufwärmen - der Italiener ging an den Start, musste nach 50 Metern aber abbrechen.