Leichtathletik-EM: Owen Ansah nicht zu stoppen, Agyekum holt Silber
200 m: Ansah spektakulär Erster Was für ein Rennen von Owen Ansah: Der 25-Jährige ist der erste Deutsche, der die 200 m unter 20 Sekunden gelaufen ist. Allerdings war der Rückenwind (2,5 m/s) einen Tick zu stark, so dass seine Zeit von 19,95 Sekunden nicht als Rekord gelten kann. Gold ist es trotzdem geworden. Allerdings hat die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) ein Verfahren gegen Ansah eingeleitet. Sie wirft ihm vor, im Juli einen Dopingtest verweigert zu haben und fordert eine Sperre von vier Jahren - Ende offen. Daran wollte Ansah in diesem besonderen Moment allerdings nicht denken. "Ich bin mega happy, dass ich die Goldmedaille holen konnte", sagte Ansah nach seinem spektakulären Lauf. "Ich hätte nie gedacht, dass ich zwei Medaillen bei Europameisterschaften gewinnen konnte." Zuvor hatte der Hamburger über 100 m bereits Bronze gewonnen. Zweiter wurde Zharnel Hughes aus Großbritannien (20,16 Sekunden), Dritter Eseosa Fostine Desalu aus Italien (20,26 Sekunden). Diskus der Frauen: Shanice Craft holt sich überraschend die Silbermedaille Nächste Überraschung im Diskus-Ring: 24 Stunden nach dem Bronze-Coup von Henrik Janssen hat auch Shanice Craft eine Medaille im Diskuswurf gewonnen. Die 33-Jährige warf im Finale von Birmingham im dritten Versuch 65,72 m und sicherte sich damit Silber. Kristin Pudenz wurde mit 63,27 m Fünfte. In Abwesenheit von Titelverteidigerin Sandra Elkasevic - die Kroatin gewann zuletzt sieben Mal in Serie EM-Gold - stieg Topfavoritin Jorinde van Klinken mit 67,67 m zur neuen Titelträgerin auf. Die Niederländerin hatte in Birmingham im Kugelstoßen bereits Silber gewonnen. Bronze ging an Vanessa Kamga (64,61 m/Schweden). 800 m der Frauen: Schweizerin Werro gewinnt Gold Über die 800 m der Frauen war Audrey Werro nicht zu schlagen. Die Schweizerin setzte sich spektakulär mit EM-Rekord (1:54,81 Minuten) vor der Britin Keely Hodgkinson (1:55,01) und der Niederländerin Femke Broeders-Bol (1:55,54) durch. Deutsche Läuferinnen waren in diesem Finale nicht am Start. Hochsprung der Männer: Wendrich erreicht Ziel, Tamberi triumphiert Falk Wendrich hat beim erneuten Triumph von Gianmarco Tamberi die erhoffte Top-Ten-Platzierung im Hochsprung geschafft. Der 31-Jährige sprang bei seinem EM-Debüt im Finale 2,18 m, das reichte für Platz zehn. Seine Saisonbestleistung von 2,23 m war allerdings für ihn nicht zu erreichen. Fanliebling Tamberi sicherte sich sein drittes EM-Gold in Serie und das vierte insgesamt mit übersprungenen 2,32 m. Damit setzte sich der Italiener vor Oleh Doroschtschuk (2,30 m/Ukraine) durch. Bronze gewann Tamberis Landsmann Matteo Sioli (2,27 m). Siebenkampf: Weißenberg besonders stark über 200 m Vanessa Grimm wirkte etwas fest beim 200-m-Sprint und blieb ein wenig unter ihren Möglichkeiten an diesem langen Wettkampftag in Birmingham. Mit 24,63 Sekunden landete sie am Ende auf Platz 20. "Ich bin insgesamt zufrieden. Darauf kann man aufbauen", sagte Grimm im Sportschau-Interview, nachdem der erste Tag des Siebenkampfes für sie abgeschlossen war. Sandrina Sprengel machte in dem Lauf da weiter, wo sie beim Kugelstoßen aufgehört hatte und kam wieder näher an ihr Leistungspotenzial heran als am völlig verkorksten Vormittag. Mit 24,34 Sekunden kam für sie der 16. Platz heraus. "Ich werde dranbleiben und einfach nicht aufgeben", sagte Sprengel. Sophie Weißenberg machte im letzten Lauf des Abends den besten Eindruck der deutschen Sportlerinnen, sie lief mit 23,39 Sekunden auf den zweiten Platz hinter der Niederländerin Sofie Dokter (23,05 Sekunden). "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich bin sehr happy", sagte die 28-Jährige, die zuletzt noch einen Achillessehnenriss auskurieren musste. "Dass das so gut wird, hätte ich mir nicht erträumen können." Die gebürtige Neubrandenburgerin liegt nach dem ersten Tag in der Gesamtwertung auf dem starken vierten Platz. 400 m Hürden: Agyekum holt sich Silber, Fischer-Breiholz enttäuscht Der deutsche Rekordhalter Emil Agyekum lief mit letzter Kraft über die Ziellinie (47,87 Sekunden) und sicherte sich mit einem mutigen und engagierten Rennen die Silbermedaille. Gegen den Sieger, Karsten Warholm, war er allerdings chancenlos. Der Norweger lief EM-Rekord (46,63 Sekunden) und strahlte dabei über das ganze Gesicht. Dritter wurde der Türke Ismail Nezir. Der zweite deutsche Starter, Owe Fischer-Breiholz, lief auf den fünften Platz (48,56 Sekunden) - und war sehr enttäuscht über seine Leistung. "Ich verstehe nicht, wieso ich so wenig mitspielen konnte. Ich kenne mein Potenzial, aber ich kriege es einfach nicht hin", sagte der 22-Jährige. 10.000 m der Frauen: Battocletti triumphiert, Merkel gute 9. Was für ein Schlusssprint von Nadia Battocletti. Als die Italienerin rund 200 m vor dem Ziel urplötzlich mindestens zwei Gänge hochschaltete, war für die Konkurrenz der Ofen aus. Die 26-Jährige gewann nach ihrem Triumph über 5000 m hoch verdient die Goldmedaille. Aber auch die Leistung von Lisa Merkel auf Rang neun war bemerkenswert. Die 23-Jährige hatte zwischenzeitlich sogar die Führungsarbeit übernommen, konnte dem forschen Tempo der Konkurrentinnen aber am Ende nicht ganz standhalten. Eva Dieterich hatte sichtlich Mühe bei diesen warmen Bedingungen in Birmingham und kam als 22. über die Ziellinie. 1500 m: Farken im Finale - "Ich will EM-Gold" Robert Farken hat mit einer ebenso kontrollierten wie starken Vorstellung das Finale über 1500 m erreicht. "Ich möchte ganz gerne gewinnen. Das ist das große Ziel. Und ich finde, das ist die beste Einstellung, in ein Rennen reinzugehen, so kann man das Maximale erreichen. Ich versuche, hier morgen eine Goldmedaille um den Hals hängen zu haben", sagte der deutsche Rekordhalter nach Platz zwei im Vorlauf in 3:41,65 Minuten. Der zweite deutsche Läufer, Marc Tortell, landete im ersten Lauf auf Platz 12 und verpasste die Qualifikation für das Finale recht deutlich. 4x400 m: DLV-Quartette machen Final-Teilnahme perfekt Wenn am späten Sonntagabend (22.33/22.48 Uhr) die EM mit den beiden Finals über 4x400 beendet wird, sind auch die beiden deutschen Staffeln am Start. In ihren Vorläufen liefen sowohl die Frauen als auch die Männer als Drittplatzierte souverän ins Finale. Bei den Frauen übernahm Schlussläuferin Johanna Martin den Stab von Annkathrin Hoven an Position drei hinter den Niederlanden und Italien und brachte diese Platzierung in 3:26,24 Minuten souverän ins Ziel. Irina Gorr und Jana Lakner waren die ersten beiden Runden gelaufen. "Wir sind ein Superteam, haben viel Verständnis und einen großen Zusammenhalt. Das ist die Grundlage, um schnell zu laufen", sagte Martin. Bei den Männern war es Jean-Paul Bredau, der als Schlussläufer noch die Schweiz überholte und die deutsche Staffel in Saisonbestzeit von 3:01,07 Minuten ebenfalls auf Platz drei führte. Italien und Belgien lagen vorne. Thilo Traue als Startläufer, Thorben Finke und Manuel Sanders komplettierten das Quartett. "Wir sind zufrieden, und im Finale können wir vielleicht ja noch etwas schneller laufen", sagte Finke. Vor zwei Jahren gewann das DLV-Team bei der EM in Rom Bronze. Stabhochsprung: Lita Baehre, Ladwig und natürlich Duplantis im Finale In der Qualifikation waren alle Augen auf Weltrekordler Armand Duplantis gerichtet. Allerdings verrichtete der Schwede Kurzarbeit und sprang genau einmal über 5,60 m, dann hatte er den Platz im Finale am Sonntag (20.30 Uhr, live im Ersten und bei sportschau.de) sicher. Genauso lief es bei Bo Kanda Lita Baehre: "Ich greife im Finale neu an. Ich gebe auf jeden Fall mein Bestes. Alles ist möglich, auch mit Duplantis", sagte er. Gillian Ladwig hatte dagegen Glück: Da nur elf Springer über 5,60 m kamen, rutschte er mit übersprungenen 5,45 m noch ins Finalfeld mit 14 Athleten. Der 27-Jährige steht damit zum ersten Mal in einem Medaillen-Finale auf internationaler Bühne. "Wahrscheinlich werde ich ab Samstag ein bisschen nervös werden." Speerwurf: Ulbricht wirft mit viel Spaß ganz weit Julia Ulbricht und Luisa Tremel haben das Speerwurf-Finale erreicht. Ulbricht warf in ihrem besten Versuch 60,986 m weit, das war die zweitbeste Weite aller Teilnehmerinnen hinter der Schweizerin Leonie Hügli (62,23 m). Für Tremel reichten 58,32 m aus dem dritten Versuch, um weiterzukommen. "Ich habe damit gerechnet, dass ich gut drauf bin und weit werfe. Jetzt versuche ich, weiter Spaß zu haben und alles zu genießen - auch im Finale", sagte Ulbricht im Sportschau-Interview. "Ich hatte hohen Puls bis zum letzten Versuch. Aber ich bin einfach cool geblieben und wusste, dass ich im letzten Versuch noch einen draufpacken kann", atmete Tremel auf. Marie-Therese Obst aus Norwegen, EM-Dritte von Rom, schaffte keinen gültigen Versuch. Die Olympia-Dritte Nikola Ogrodnikova aus Tschechien schied ebenfalls aus.