Leichtathletik: Krause steigt in Lausanne aus - Gürth vor Meyer
Wie würde sich Krause nur acht Tage nach ihrem großen Triumph präsentieren? In Birmingham hatte sich die 34-Jährige von Silvesterlauf Trier zum dritten Mal zur Europameisterin gekürt, in Lausanne waren zudem die EM-Dritte Olivia Gürth (ebenfalls Silvesterlauf Trier) sowie Lea Meyer (VfL Löningen) dabei, die bei den kontinentalen Titelkämpfen auf Medaillenkurs liegend nach einem Sturz in den Wassergraben als Vierte eine Medaille verpasst hatte.
Doch es lief nicht ideal in der Schweiz für das deutsche Trio. Krause konnte lange als einzige Deutsche mit der Spitzengruppe mithalten, fiel dann aber deutlich zurück und stieg schließlich nach mehr als der Hälfte der Strecke aus. Meyer misslang die sportliche Antwort auf ihre EM-Enttäuschung. Als Zehnte landete sie erneut direkt hinter Gürth, die in 9:22,47 Minuten genau eine Hundertstel schneller war als Meyer und damit beste Deutsche im Feld.
Olympiasiegerin Winfred Yavi (Bahrain) stürmte in Meeting-Rekordzeit von 9:00,04 Minuten zu ihrem ersten Diamond-League-Sieg vor Weltmeisterin Faith Cherotich (Kenia/9:01,90) und Marwa Bouzayani (Tunesien/9:05,55).
Fischer-Breiholz bei Benjamin-Sieg Siebter
Über 400 m Hürden suchte Owe Fischer-Breiholz nach einer in seinen Augen deprimierenden EM ("Ich habe noch nie so eine Enttäuschung verspürt") schnell wieder einen hochklassigen Wettkampf, der diesmal allerdings nicht zur Diamond-League-Kategorie zählte. Der EM-Fünfte vom Königsteiner LV wurde beim überragenden Sieg von Olympiasieger und Weltmeister Rai Benjamin (USA), der in seinem bisher einzigen Hürdenlauf in dieser Saison in 46,67 Sekunden ebenfalls zum Meeting-Rekord rannte, in 48,70 Sekunden Siebter und dürfte damit erneut nicht ganz zufrieden gewesen sein.
Bei den Frauen gewann Europameisterin Emma Zapletalova aus der Slowakei überlegen in 52,41 Sekunden vor Anna Cockrell (53,15/USA) und Paulien Couckuyt, die in 53,28 Sekunden einen belgischen Rekord aufstellte.
Werro und Broeders-Bol mit Rekorden
Audrey Werro bescherte dem Schweizer Heimpublikum den erhofften Erfolg - doch die 800-m-Europameisterin rettete sich am Ende der beiden Stadionrunden mit letzter Kraft ins Ziel und zum Sieg, den ihr Femke Broeders-Bol mit einem riesigen Finish beinahe noch streitig gemacht hätte. In 1:55,33 Minuten gelang auch der Schweizerin eine Meeting-Bestzeit, die EM-Dritte Broeders-Bol schnappte sich nach ihrem Streckenwechsel in 1:55,41 Minuten nun auch den niederländischen Rekord über 800 m.
Im nicht für die Diamond-League-Wertung zählenden B-Lauf im Vorprogramm hatte zuvor Smilla Kolbe (Eintracht Frankfurt), die im Vorlauf von Birmingham in 1:57,80 als erste deutsche Läuferin seit 1990 unter 1:58 Minuten geblieben war, in 2:00,98 Minuten Platz vier belegt. Ebenso wie Florian Zittel (Cologne Athletics), der in 1:48,72 Minuten eine persönliche Bestleistung aufstellte und erstmals die 1:50-Minuten-Marke knackte.
Im Hauptprogramm lief der kenianische Weltmeister und Olympiasieger Emmanuel Wanyonyi zu seinem ersten Diamond-League-Sieg über 800 m in diesem Jahr (1:42,19).
Visser hinter Olympiasiegerin Russell
Die Europameisterin im Hürdensprint hatte nicht nur auf dem Papier eine übermächtige Gegnerin. Nadine Visser (Niederlande) musste sich in 12,42 Sekunden erwartungsgemäß Olympiasiegerin Masai Russell (USA) geschlagen geben, die in 12,27 Sekunden trotz kühler Temperaturen einen weiteren Meeting-Rekord an diesem Abend markierte. Die Schweizer Weltmeisterin und EM-Vierte Ditaji Kambundji kam nach einem schwierigen Jahr vor ausverkaufter heimischer Kulisse nicht über Platz sechs hinaus (12,71).
White souverän vor Hunt - Drama um Shericka Jackson
Über 200 m sprintete Staffel-Weltmeisterin Kayla White (USA) in 22,18 Sekunden souverän zum Sieg vor der Britin Amy Hunt (22,32), die bei ihrer Heim-EM gleich vier Titel abgeräumt hatte und sich hauchdünn vor der zeitgleichen Favour Ofili aus Nigeria durchsetzte.
Ein Drama erlebte Jamaikas Sprint-Ikone Shericka Jackson. Die 32-Jährige lag gut im Rennen, brach dann aber plötzlich ab und wand sich auf der Bahn liegend vor Schmerzen. Bei den Männern holte sich Olympiasieger Letsile Tebogo in 19,87 Sekunden seinen zweiten Diamond-League-Sieg in diesem Jahr.
Tentoglou springt wieder zum Sieg, Diaz nicht
Im Dreisprung konnte Europameister Andy Diaz nach seinem riesigen Satz in Birmingham auf 18,15 m nicht an seiner Form von Birmingham anknüpfen. Hinter dem siegreichen EM-Zweiten Pedro Pichardo (Portugal/17,44 m) und dem Algerier Yasser Mohammed Triki (17,43) musste sich der Italiener mit Platz drei und 17,20 m begnügen.
Im Weitsprung flog dagegen der Grieche Miltiadis Tentoglou (8,24 m) wie bei der EM zum ersten Platz vor dem Schweizer Simon Ehammer (8,13).
Duplantis mit Meeting-Rekord - auch Karalis stark
Bereits am Vortag hatte Armand Duplantis im hochklassigen Stabhochsprung-Wettkampf am Ufer des Genfer Sees einmal mehr triumphiert. Der schwedische Überflieger siegte nur vier Tage nach seinem vierten EM-Titel mit 6,21 m und hatte damit den Reigen von Meeting-Rekorden eröffnet. Der Olympiasieger und Weltmeister meisterte auf dem Place de la Navigation sämtliche Höhen im ersten Versuch, ehe er zweimal die Weltrekordhöhe von 6,32 m riss und den Wettkampf beendete.
Emmanouil Karalis landete mit starken 6,16 m wie schon bei den Titelkämpfen in Birmingham auf Rang zwei. Unter freiem Himmel belegt der Grieche nun in der "ewigen" Bestenliste Platz zwei hinter Duplantis.