„Leipzig wird nicht der letzte Anschlag gewesen sein“: Putin hat offenbar eine neue Sabotage
Wenn es um das Wort „Krieg“ geht, denken viele Menschen in Deutschland an Soldaten und an Bomben. Russland führt einen solchen Krieg seit mehr als viereinhalb Jahren in der Ukraine. Gleichzeitig aber laufen – ebenfalls seit Jahren – andere Angriffe unterhalb der Schwelle klassischer Militäraktionen. Cyberattacken, Desinformationskampagnen, Luftraumverletzungen und Sabotage treffen Nato-Verbündete der Ukraine. Hier wird nun eine Ausweitung befürchtet.
Medienbericht: Putin will mehr Sabotage in Europa
Am Flughafen in Leipzig scheiterte im August ein Anschlag, dessen Spuren zum russischen Militärgeheimdienst führen. Eine ukrainische Transportmaschine sollte offenkundig mit einer Sprengstoff-Drohne angegriffen werden. Das „Wall Street Journal“ berichtet nun, dass diese gescheiterte Operation zu den ersten Aktionen einer ausgeweiteten Sabotage-Kampagne gehörte – „angeordnet direkt vom russischen Präsidenten Wladimir Putin“. Als Quelle werden anonyme europäische Beamte genannt, die ihre Informationen von US-amerikanischen Geheimdiensten bezogen hätten.
Hintergrund: Frust im Kreml
Im Sommer war der Kreml demnach enttäuscht, dass weder die Kämpfe in der Ukraine, noch die Gespräche mit den USA dazu geführt hatten, der Selenskyj-Regierung Zugeständnisse abzutrotzen. Ganz im Gegenteil verlor die russische Armee zuletzt sogar Boden und Kyjiw zeigte sich zwar zu Gesprächen und einer begrenzten Waffenruhe bereit, nicht jedoch zur Abtretung des noch immer nicht vollständig von Russland besetzten Donbass. Auch die zahlreichen Verbalattacken von US-Präsident Donald Trump gegen die Ukraine aus den vergangenen Tagen und der Stopp von Unterstützung haben nicht zu einem Umdenken geführt.
Nach dem gescheiterten Anschlag von Leipzig soll sich ein Kreml-Kontakt an seinen Verbindungsmann der Bundesregierung gewandt haben, berichtet das „Wall Street Journal“ weiter unter Berufung auf eingeweihte Quellen. „Leipzig, warnte er, wird nicht der letzte Anschlag gewesen sein“, heißt es in dem exklusiven Bericht.
In den vergangenen Wochen wurde viel über weitere Angriffe in Europa berichtet, die ins Muster passen. Aus Polen, dem Baltikum und Bulgarien etwa wurde Sabotage in Zusammenhang mit Drohnenfabriken und Stationen des US-Satellitendienstes Starlink gemeldet. Was verspricht sich Russland von seinem oft als „hybrider Krieg“ genannten Vorgehen?
Die Strategie hinter der Sabotage
Aus den Analysen des US-Instituts für Kriegsstudien (ISW) ergeben sich diese Motivationen:
Die Einschüchterung der Nato mit dem Ziel, die finanzielle, militärische und politische Unterstützung der Ukraine aufzugeben, auf dass diese schließlich in den russischen Einflussbereich gerät.
Die Verschärfung politischer Spaltungen in Europa.
Die Normalisierung russischer Angriffe durch einen Gewöhnngseffekt.
Der Test der Reaktionsfähigkeit der Nato vor dem Hintergrund eines möglichen künftigen Großkonfliktes.
Hätte der Sabotageversuch in Leipzig zu einer großen Opferzahl geführt, wäre darüber diskutiert worden, die Nato-Beistandsverpflichtung nach Artikel 5 zu aktivieren, berichteten Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dem „Wall Street Journal“. Dazu kam es bisher nur nach den Anschlägen des 11. Septembers. (mit AFP)