Lemonaid: Wenn der Finanzmarkt dir Zitronen gibt
Dass ich bei genau diesem Video auf Instagram hängen geblieben bin, lag eigentlich nur am Untertitel. Dort leuchtet in weißer Schrift auf schwarzem Grund auf: »Lemonaid wird eine Aktiengesellschaft. Aber keine normale.« Der zweite Satz machte mich neugierig. Als Finanzjournalist beschäftige ich mich naturgemäß mit Unternehmen, die Aktien ausgeben, um Geld von Anlegern einzusammeln. Was hatte es damit auf sich?
Nach ein paar Klicks fand ich eine Infobroschüre mit viel Prosa: »Wir wollen nie bloß Limonade (...) verkaufen, um euren Durst zu stillen. Wir haben das Projekt (...) gegründet, um sozialen Wandel aktiv mitzugestalten«, steht dort. Und: »Wir wollen gemeinsam mit euch trinkend die Welt verändern.« Aber auch erste Fakten finden sich dort. Lemonaid, 2009 gegründet und bekannt für seine Bio-Limonade und seinen Tee in bunten Flaschen, gibt Aktien aus, ohne an die Börse zu gehen. Wer die Aktien zeichnet, wird Shareholder, oder wie Lemonaid sagt: »Fairholder«. Ein Teil der Erlöse aus dem Limo-Verkauf fließt in soziale Projekte, damit grenzt sich Lemonaid von Großkonzernen ab. Mitglied darf deshalb auch nur werden, wer kein Großaktionär ist. Außerdem muss man mindestens sieben Aktien über eine Crowdinvesting-Plattform kaufen, Kostenpunkt je Aktie: 39,90 Euro. Dafür verspricht das Unternehmen Mitsprache, Teilhabe an einer Wachstumsgeschichte, mögliche Gewinnausschüttungen.