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Leuna: Weltweit einzigartige Bio-Raffinerie produziert Chemie aus Buchenholz

Wirtschaft

Chemiepark Leuna

Milliardenprojekt eröffnet: Neue Bio-Raffinerie in Leuna produziert Chemie aus Holz

Stand: 15.10.2026 11:19 Uhr

Aus Leuna gab es in den vergangenen Monaten vor allem schlechte Nachrichten: Viele Chemieanlagen mussten wegen hoher Energiepreise gedrosselt werden, das Chemieunternehmen Domo rutschte sogar in die Pleite. Jetzt gibt es etwas Positives: Mitten im Chemiepark hat nach sechs Jahren Bauzeit eine weltweit einzigartige Bioraffinerie eröffnet. Eine Milliarden-Investition für eine nachhaltige Chemie.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

In Leuna hat eine weltweit einzigartige Anlage eröffnet, die aus Buchenholz Chemieprodukte herstellt.

Ein finnischer Konzern hat dafür 1,3 Milliarden Euro investiert, mehr als doppelt so viel wie ursprünglich geplant.

Noch ist Chemie aus Holz teurer als Chemie aus Erdöl.

Holz, soweit das Auge reicht. Robert Marx, Vertriebschef bei UPM, steht auf einem Lagerplatz in Leuna. Um ihn herum sind Buchenstämme gestapelt, als wäre das hier ein Sägewerk.

Doch aus dem Holz soll Chemie werden. "Wir machen aus dem Holz ein Glykol, das für Wasserflaschen oder Kühlmittel verwendet wird. Wir machen aus dem Holz Zucker, die für viele industrielle Anwendungen verwendet werden. Und wir machen aus dem Holz ligninbasierte Füllstoffe. Die gehen in Autoreifen und sonstige Gummiprodukte."

So wird aus Holz Chemie

Marx führt zur Anlage, die das Holz verarbeiten soll. Eine Bio-Raffinerie auf 15 Hektar. Die Destillationstürme glänzen schon von Weitem in der Sonne, drumherum winden sich Rohre aus Edelstahl. "Und dann stehen wir hier vor der Hackerei. Das heißt, das Holz wird gehackt zu kleinen Holzschnitzeln. Das geht dann über das Förderband in der blauen Box in die Anlage rein."

In der Anlage wird das Holz mit Enzymen und unter hohem Energieeinsatz in seine Bestandteile zerlegt. Die Endprodukte der Bio-Raffinerie wurden bislang zumeist aus Erdöl und Erdgas hergestellt.

Papierkonzern investiert 1,3 Milliarden Euro

Mit der Chemie auf Holzbasis schlägt Leuna ein neues Kapitel auf, sagt Christof Günther vom Chemieparkbetreiber Infraleuna: "Das ist ja auch in der deutschen Chemie die größte Investition der letzten Jahre. Deswegen freuen wir uns auch sehr, dass diese Investition in Betrieb gehen wird. Und wenn die Anlage dann auch voll in Betrieb ist, dann wird UPM auch der größte Kunde der Infraleuna sein. Wir werden also an UPM so viel Energie liefern wie an keinen anderen Kunden hier am Chemiestandort."

Insgesamt hat die finnische UPM 1,3 Milliarden Euro in das Projekt investiert. Doppelt so viel wie mal geplant. Das Unternehmen kommt aus der Papierindustrie. Dort sinkt die Nachfrage und damit auch der Holzbedarf seit Jahren. Auch deswegen stellt sich UPM mit der Chemie breiter auf.

Gerd Unkelbach gehörte zu den Projektplanern und lehrt heute an der Hochschule Anhalt. Er sagt, biobasierte Chemie habe Zukunft: "UPM kann nur der erste Schritt sein mit der Ansiedlung in Leuna. Wir brauchen jetzt noch verschiedene andere Akteure, die sich entweder auf dieselbe Rohstoffbasis fokussieren oder die Rohstoffbasis erweitern und dann verschiedenste Produkte in diesen Stoffverbund einschleusen."

Noch ist Chemie aus Holz teurer

Noch allerdings, das gehört zum Gesamtbild dazu, sind Chemieprodukte aus nachwachsenden Rohstoffen vergleichsweise teuer. Steigende Erdölpreise könnten den Abstand aber verringern.

An einer Vitrine im UPM-Labor zeigt Robert Marx, was mit Holz machbar ist: Hoch elastische Gummireifen, Klamotten aus Kunststoffgewebe, ganz normale Alltagsprodukte und eine Flasche: "Eine Flasche, die gemacht ist aus unserem MEG, nämlich aus Holz, das dann umgesetzt wurde zu einer Pfandflasche, wie man sie aus dem Getränkemarkt kennt."

Optisch ist die Flasche von herkömmlichen Kunststoffflaschen nicht zu unterscheiden. In den kommenden Jahren soll sie auch in Supermärkten zu finden sein: eine Mineralwasserflasche, hergestellt aus den Wäldern von Thüringen und Sachsen.

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