„Leute denken, ich sei ein wandelnder Geldautomat“: Österreichs Ex
Die frühere österreichische Außenministerin Karin Kneissl hat sich in einem Interview mit dem russischen Lokalmedium Ya62.ru ausführlich zu ihrem Leben in der russischen Provinz Rjasan geäußert. Diese liegt etwa 200 Kilometer südöstlich von Moskau. Dort residiert die geschiedene 61-Jährige in der Nähe von Kassimow mit diversen Tieren (darunter Pferde und Hühner) und restauriert aktuell ein altes Anwesen. „Dieses Haus hat mich Unmengen an Kraft, Nerven und Gesundheit gekostet. Ich lebe jetzt buchstäblich auf einer Baustelle. Ich mache praktisch alles allein. Ich habe kein Geld, um eine große Baufirma einzustellen. Viele denken, ich sei ein sehr reicher Mensch, aber das ist überhaupt nicht so“, sagte Kneissl. In ihrem Wohnzimmer hängt ein Bild von Russlands Machthaber Wladimir Putin an der Wand. Kneissl war von Dezember 2017 bis Juni 2019 Teil der Regierung von Kanzler Sebastian Kurz und leitet derzeit einen geopolitischen Thinktank in Sankt Petersburg. 2018 hatte sie durch ihren Tanz mit dem geladenen Gast Putin bei ihrer Hochzeit internationale Aufmerksamkeit erregt. Kurz darauf zog sie erst nach Frankreich, dann in den Libanon und schließlich im Jahr 2023 nach Russland. Ihre Ponys transportierten russische Militärs vom Luftwaffenstützpunkt Hmeimim in die Nähe von Moskau. „In russischen Dörfern gibt es fast keine Menschen mittleren Alters“ „Die letzten sieben Jahre habe ich mein Leben praktisch neu aufgebaut, und das unter sehr schwierigen Bedingungen. Russisch erwies sich als echte Herausforderung für mich. Niemand hat mir etwas auf dem Silbertablett serviert. Ich habe absolut bei Null angefangen.“ Kneissl, die sich selbst als „Dorfkind“ bezeichnet, stellte fest, dass das Leben in einem russischen Dorf im Vergleich zu europäischen Dörfern mit vielen alltäglichen Schwierigkeiten verbunden sei. „In russischen Dörfern gibt es fast keine Menschen mittleren Alters – etwa von 15 bis 50 Jahren. Diese Generation ist praktisch nicht sichtbar. Es gibt kleine Kinder, die manchmal von Großmüttern aufgezogen werden, es gibt die Großmütter selbst und ältere Menschen“, stellte die gebürtige Wienerin fest. Auch sei Alkoholismus sehr verbreitet. „Das Schwerste für mich ist, Mütter zu sehen, die unter Alkoholabhängigkeit leiden. Mein Leben ist auch nicht einfach. Aber wenn ich Probleme habe, greife ich nicht zum Alkohol. Das Schlimmste für mich ist, wenn Kinder leiden. Wenn eine Mutter kein Essen kocht, sondern in den Laden geht, um Alkohol statt Lebensmittel zu kaufen. Das ist ein riesiges gesellschaftliches Problem. Am meisten leid tun mir die Kinder, die in Alkoholikerfamilien aufwachsen. Und ich verstehe nicht, wie eine Mutter keine Verantwortung für ihre Kinder fühlen kann“, hadert Kneissl. „Die Leute erfinden verschiedene Gerüchte, reden über mich“ Konservativ sei das Dorfleben überall, dies unterscheide sich in Russland nicht großartig von etwa Österreich. „Wenn man als Ausländer in eine kleine Siedlung kommt, wird man als Außenseiter wahrgenommen. So ist jedes Dorf aufgebaut. Natürlich bleibe ich für viele eine Fremde. Die Leute erfinden verschiedene Gerüchte, reden über mich. Leider denken viele, ich sei ein wandelnder Geldautomat. Aber sollen sie reden. Es ist mir völlig egal.“ Trotz ihrer Klagen über ihr Leben in Kassimow, reagiert Kneissl pikiert, als sie nach einem möglichen Umzug gefragt wird: „Entschuldigen Sie, aber das ist eine sehr dumme Frage. Glauben Sie wirklich, dass ich nach all der investierten Kraft, dem Geld und mehreren Jahren der Renovierung plötzlich einfach aufbrechen und gehen werde? Für mich ist das wirklich eine dumme Frage“. Den hohen staatlichen Druck in Russland auf Frauen, möglichst viele Kinder zu gebären, kritisiert sie. Nicht jede Frau könne einen Ehemann finden, der ein guter Vater für drei oder vier Kinder wäre, und nicht jeder Mann eine Frau, die eine gute Mutter wäre. Kneissl selbst hat keine Kinder. Trotz allem gebe ihr persönlich das Leben in Russland aber mehr Freiheit im Alltag als das westliche Europa, betonte sie. Die Geschichte Russlands sei nie langweilig „Ich kann überall in Ruhe mit meinem Hund spazieren gehen. Ich kann hinfahren, wohin ich will. Für mich ist das auch ein Ausdruck von Freiheit. Ich kann spätabends allein auf einem Bahnhof sitzen und mich sicher fühlen.“ Die Geschichte Russlands sei zudem nie langweilig, „im Gegensatz zur Geschichte Österreichs zum Beispiel“. Die gesamte russische Geschichte bestehe aus Umbrüchen, Erschütterungen und der Notwendigkeit, immer wieder neu anzufangen. „In gewisser Weise sehe ich hier eine Parallele zu meinem eigenen Leben. Ich selbst musste schon oft von vorne anfangen“, so Kneissl. Kneissl erklärte, dass sie mit 61 Jahren keine Russin mehr werden wolle, auch wenn sie Russland dankbar sei. „Ich bin müde“, sagte sie. Ihrer inneren Einstellung nach fühle sie sich möglicherweise sogar der arabischen Welt näher als der österreichischen, nachdem sie viele Jahre im Nahen Osten gelebt und Arabisch gelernt habe. Kneissls Vater arbeitete einst als Pilot für den jordanischen König Hussein I., weswegen sie Teile ihrer Kindheit in Amman verbrachte. Viele Wünsche habe sie für ihr weiteres Leben nicht mehr. „Ich bete darum, eines Tages friedlich in meinem Haus zu sterben. Das ist mein einziger Wunsch. Nicht irgendwo weit weg zu sterben. Sondern zu Hause“. Hinweis: Das Original-Interview Kneissls wurde in der Entstehung des Artikels aus dem Russischen mithilfe von KI übersetzt.