Leverkusen: Das sind die Auswirkungen des Eichhorn-Ausfalls
06.08.2026 • 15:10 Uhr Kennet Eichhorn sollte bei Bayer Leverkusen direkt eine große Rolle einnehmen. Doch bis das Supertalent sein erstes Spiel für die Werkself bestreitet, könnten noch viele Monate vergehen – was auch Auswirkungen auf die Transferpläne des Vereins hat. Bayer Leverkusen investierte viel. Viel Überzeugungsarbeit. Viel Geduld. Und am Ende auch viel Geld. Immerhin war die Liste der Klubs, die Kennet Eichhorn verpflichten wollten, lang. Der FC Bayern soll ebenso interessiert gewesen sein wie Borussia Dortmund, dazu Europas Schwergewichte um den FC Barcelona, Real Madrid, den FC Liverpool oder Manchester City. Dass am Ende die Werkself den Zuschlag erhielt, lag unter anderem an der sportlichen Perspektive. Genau darum geht es aber erst einmal nicht mehr. Noch bevor Eichhorn überhaupt für Bayer auflaufen konnte, muss der Neuzugang einen ersten schweren Rückschlag verkraften. Wegen einer Stoffwechselerkrankung fällt der 17-Jährige auf unbestimmte Zeit aus. Für den Mittelfeldspieler selbst ist die Diagnose bitter. Für den Klub ebenfalls. Denn sportlich trifft der Ausfall die Leverkusener durchaus hart. Im 4-3-3-System von Cheftrainer Carles Martínez war Eichhorn fest als Teil der Doppelsechs vorgesehen und damit für eine zentrale Rolle im Spielaufbau eingeplant. Fest steht deshalb: Eichhorns Ausfall bleibt nicht ohne Folgen. Der Teenager soll ohne jeden Zeitdruck genesen und keinesfalls voreilig zurückkehren. Laut Sport Bild rechnen die Verantwortlichen mit einer längeren Pause. Einen konkreten Fahrplan für sein Comeback gibt es demnach nicht. Dem Bericht zufolge wurde Eichhorn intern sogar schon aus den Planungen für die komplette Hinrunde herausgenommen – was direkten Einfluss auf die Überlegungen auf dem Transfermarkt hat. Ursprünglich war vorgesehen, das Mittelfeld personell auszudünnen. Nun muss Bayer seine Pläne neu bewerten. Robert Andrich, Aleix García und Exequiel Fernández zählen allesamt zu den Kandidaten für einen Abschied. Im Idealfall hätten zwei von ihnen den Verein verlassen können. Nun dürfte es maximal einer werden. Die lukrativste Option bleibt Fernández. Mindestens 20 Millionen Euro soll der Argentinier nach übereinstimmenden Medienberichten einbringen können. Bei García scheinen konkrete Angebote bislang wenig überzeugend gewesen zu sein. Leverkusen: Bleiben Andrich und Fernández jetzt doch? Profitiert also vor allem Andrich von der veränderten Ausgangslage? Unter Martínez sehen die Perspektiven des Nationalspielers deutlich schlechter als unter Erik ten Hag und Kasper Hjulmand aus. Nun spricht wieder so manches für einen Verbleib. Andrich gilt intern unverändert als Führungsspieler, bringt Erfahrung mit und kann mehrere Rollen im Zentrum ausfüllen. Gerade Letzteres gewinnt wegen der womöglich langen Zwangspause von Eichhorn zunehmend an Bedeutung. Noch spannender ist die aktuelle Entwicklung bei Fernández. Nach seinem Eklat um eine verweigerte Einwechslung im Rückrundenspiel in Dortmund schien seine Zeit in Leverkusen vorbei zu sein. In der Vorbereitung aber hinterließ der 23-Jährige einen starken Eindruck und darf sich plötzlich als einer der großen Gewinner unter dem neuen Trainer bezeichnen. Zunächst setzte er in den Testspielen auf der Achterposition offensive Akzente, anschließend überzeugte er auch als Sechser mit Spielintelligenz, Zweikampfhärte und gutem Raumgefühl. Das kommt ihm entgegen. Martínez verlangt von seinen zentralen Mittelfeldspielern ein hohes Maß an Flexibilität, die Positionen wechseln regelmäßig, ohne dass das Zentrum an Stabilität verlieren darf. Wer dieses komplexe Anforderungsprofil erfüllt, sammelt automatisch Pluspunkte. Fernández wiederum hat in den vergangenen Wochen bewiesen, dass er dazu in der Lage ist. Dennoch bleibt seine Zukunft offen. Benfica Lissabon soll intensiv um den Argentinier werben. Medienberichten zufolge könnte Bayer bei einem Deal bis zu 25 Millionen Euro einstreichen. Und auch bei Exequiel Palacios ist die Tür längst nicht mehr völlig verriegelt. Wechselt am Ende sogar Palacios? Nachdem zuletzt Meldungen über Kontakte zu anderen Vereinen aufgekommen waren, nutzte Geschäftsführer Simon Rolfes die Gelegenheit zumindest nicht, um Spekulationen gleich wieder zu beenden. „Wir sind in einer sehr entspannten Position. Wir haben noch einen langen Vertrag mit ihm (bis Sommer 2030, Anm. d. Red.). Deshalb gibt es von unserer Seite überhaupt keinen Grund, etwas zu machen. Wenn wir handeln, muss es eine Situation sein, in der wir glauben, dass wir Impulse für die Mannschaft setzen oder Dinge verbessern können. Sonst machen wir es nicht“, sagte Rolfes in einer Medienrunde, als er auf Palacios angesprochen wurde. Das Aufgebot ist groß, sogar sehr groß. Und das, obwohl Eichhorn vorerst nicht mehr dabei ist. Andrich, Garcia, Fernandez und der sich noch im Urlaub befindende Palacios – sie alle stehen für die Sechserposition parat. „Dass es Konkurrenzkampf gibt, ist völlig normal. In welcher Größe der letztlich ausfällt, wird man noch sehen. Klar ist aber: Die Leistung entscheidet am Ende, und ich will meine Leistung bringen. Den Konkurrenzkampf nehme ich wie immer an. Die Situation gehört zum Profifußball und belastet mich nicht“, betonte Andrich in einem Interview mit dem kicker. Für die Werkself ergibt sich daraus trotz allem eine komfortable Ausgangslage. Die Verantwortlichen schließen zwar keine Szenarien grundsätzlich aus, müssen aber auch auf keine Entwicklung überhastet reagieren. Der Ausfall des 17 Jahre alten Eichhorn verändert zwar die Planungen, erzwingt aber keine Verpflichtung. Statt auf dem Transfermarkt nachzulegen, richtet sich der Blick nach innen. Vor allem Andrich und García erhalten nun wie Fernández die Gelegenheit, sich im Spielsystem von Martínez nachhaltig zu empfehlen und ihre Ansprüche auf einen Stammplatz zu untermauern. Leverkusen will Eichhorn ausreichend Zeit geben Bei Eichhorn selbst steht dagegen etwas anderes im Vordergrund: die vollständige Genesung. Zeitdruck soll bewusst keiner entstehen. „Kennet steht vor einer hoffentlich sehr langen Karriere auf höchstem Niveau. Wir werden ihn auf diesem Weg bestmöglich unterstützen“, sagte Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes. Entscheidend sei nun, „dass wir die richtigen Maßnahmen für seine Genesung eingeleitet haben und Kennet ohne Druck die notwendige Zeit und Ruhe für seine Behandlung erhält“. Gut möglich ist deshalb, dass Eichhorn in der ersten Saisonhälfte nicht einmal für die Europa League gemeldet wird. Klarer zeichnet sich dagegen ab, dass sich die Transferstrategie verändert. Leverkusen wird auf dem Transfermarkt vorsichtiger agieren und wohl weniger Spieler ziehen lassen als ursprünglich geplant. Wer davon am meisten profitiert, ist noch offen. Vieles spricht derzeit jedoch dafür, dass vor allem Andrich und Fernández zu den Gewinnern der veränderten Ausgangslage zählen.