„Lieber Paul…“: Rummenigge gratuliert Breitner zum 75. Geburtstag
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„Lieber Paul…“: Rummenigge gratuliert Breitner zum 75. Geburtstag
Von: Klaus Heydenreich
Als „Breitnigge“ schossen sie die gesamte Bundesliga zusammen. Im Gastbeitrag gratuliert Karl-Heinz Rummenigge seinem kongenialen Partner beim FC Bayern.
... wenn ich heute über Paul Breitner spreche, denke ich zunächst an einen der außergewöhnlichsten Fußballer, mit denen ich je zusammengespielt habe. Als Paul 1978 zum FC Bayern zurückkehrte, wurde er für mich zum mit Abstand wichtigsten Mitspieler meiner Karriere. Ein Blick genügte, dann wusste er, wann ich startete und wohin er den Ball spielen musste.
Seine langen Pässe in den freien Raum hatten eine unglaubliche Präzision. Dadurch konnte ich meine Schnelligkeit ausspielen und aus dieser Kombination entstanden viele unserer Tore. Die Medien machten irgendwann „Breitnigge“ aus uns – das traf es ziemlich gut, denn auf dem Platz verstanden wir uns fast blind.
Breitner hielt mit seiner Meinung nie hinter dem Berg
Paul war aber nie das, was man sich unter einem typischen Fußballprofi vorstellte. Schon als junger Spieler hatte er seinen Ruf weg: Mao und Che Guevara an der Wand, lange Haare – der vermeintliche Revoluzzer des deutschen Fußballs. Ich glaube allerdings nicht, dass Paul jemals ein Revoluzzer war. Er wollte sich vor allem nicht vereinnahmen lassen.
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Eine Geschichte werde ich nie vergessen. Auf unserer Abschlussreise 1983 spielten wir in Singapur. Es war unglaublich heiß und schwül, wir hatten eine schlechte erste Halbzeit gespielt, Uli Hoeneß kam damals als Manager in die Kabine und machte seinem Ärger Luft. Paul widersprach ihm, die Diskussion eskalierte, und irgendwann warf Paul sein Trikot hin und sagte zu Uli: „Dann spiel doch Du.“
In der zweiten Halbzeit ging Paul nicht mehr auf den Platz. Die beiden wechselten jahrelang kein Wort mehr miteinander. Pauls Meinungsstärke hat ihm möglicherweise auch manche Tür verschlossen. Zweimal sollte er beim FC Bayern Vizepräsident werden, 1998 war Paul sogar als neuer Bundestrainer vorgesehen. Die Gespräche mit DFB-Präsident Egidius Braun waren bereits weit fortgeschritten, als ein Interview erschien, in dem Paul die DFB-Führung kritisierte. Damit war die Sache erledigt.
Ich habe mich später oft gefragt, ob der der FC Bayern und der deutsche Fußball dadurch nicht auch eine Chance verpasst haben. Denn Paul ist ein unglaublicher Fußballfachmann. Mit ihm kann man stundenlang über Spieler, Taktik oder die Entwicklung des Fußballs diskutieren. Ich bin überzeugt, dass er sowohl dem FC Bayern als auch dem DFB in einer verantwortlichen Position sehr viel hätte geben können.
Was ich an Paul darüber hinaus immer besonders geschätzt habe, ist sein Umgang mit Menschen. Er hatte immer ein Ohr für diejenigen, denen es nicht so gut ging, sein langjähriger Einsatz für die Münchner Tafel, sein Engagement als Schirmherr der Malteser-Mahlzeitenpatenschaften und für andere Organisationen sind schlichtweg herausragend und beispielhaft.
Rummenigges Lob an Breitner: „Bleib so, wie Du bist“
Ich glaube aber, Pauls größter Erfolg neben seinem Weltmeistertitel und all den anderen, ist die Tatsache, dass er sich selbst immer treu geblieben ist. Lieber Paul, zu Deinem 75. Geburtstag (am 5. September, Anm. d. Red.) wünsche ich Dir alles erdenklich Gute und vor allem Gesundheit. Und bleib so, wie Du bist. Denn der Fußball braucht unbequeme Geister.