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Likes werden Lebensgefährlich: Die dunkle Seite von Instagram-Wanderungen

Unterhaltung

Social-Media-Spots können Wanderungen riskant machen. Warum du Clips nicht mit Tourenplanung verwechseln solltest.

Dieser Trend beim Wandern kann schnell gefährlich werden

Viele Wanderungen beginnen heute mit einem Bild auf Social Media: ein Felsvorsprung, ein Sonnenaufgang, ein Mensch scheinbar allein vor großer Landschaft. Solche Aufnahmen machen Lust aufs Nachwandern – können aber täuschen.

Denn was schön und leicht erreichbar wirkt, ist manchmal eine lange, anspruchsvolle Tour. Wetter, Strecke und eigene Erfahrung spielen dabei eine größere Rolle als der perfekte Moment fürs Foto.

Wenn beliebte Orte überlaufen

Ein bekanntes Beispiel ist Trolltunga in Norwegen. Der Felsvorsprung über dem Ringedalsvatnet-See gehört zu den berühmtesten Fotomotiven des Landes. Online wirkt der Ort oft einsam und fast unwirklich.

Vor Ort sieht es anders aus. Die offizielle Trolltunga-Seite nennt einen starken Anstieg der Besucher*innenzahlen: von 800 Menschen im Jahr 2010 auf rund 80.000 jährlich. 2024 kamen 86 Prozent der Besucher*innen aus dem Ausland.

Zugleich heißt es dort, viele Tourist*innen seien früher schlecht auf die lange Wanderung vorbereitet gewesen. Die Betreiber warnen ausdrücklich davor, bei starkem Wind, Regen oder Nebel loszugehen.

Auch die Strecke selbst wird leicht unterschätzt. Ab Parkplatz P2 sind es laut offizieller FAQ 27 Kilometer hin und zurück, dafür werden acht bis zwölf Stunden veranschlagt. Ab P3 sind es 20 Kilometer und sieben bis zehn Stunden. Wegen ihrer Länge gilt die Route als „very demanding“, also sehr anspruchsvoll.

Wenn der Fotowunsch gefährlich endet

Bei Trolltunga zeigte sich bereits, wie tragisch der Wunsch nach dem bekannten Bild enden kann. 2015 stürzte dort eine 24-jährige australische Studentin tödlich ab. Laut „National Geographic“ wollte sie das ikonische Foto an dem Felsvorsprung nachstellen.

Auch Cabo da Roca in Portugal wurde zum Ort gefährlicher Selfies. Dort überquerte 2014 ein Paar eine Sicherheitsabsperrung, um ein Foto zu machen. Beide stürzten von der Klippe, wie „National Geographic“ berichtet.

Ein weiterer häufig geteilter Ort ist Angel’s Landing im Zion National Park in den USA. Die Route führt über schmale, ausgesetzte Passagen; an einigen Stellen helfen Ketten beim Aufstieg. Der Zugang ist nur mit Permit möglich. Nach einem tödlichen Sturz berichtete KZTV unter Berufung auf den National Park Service, dass Teile der Route zeitweise geschlossen wurden.

Warum solche Ziele so schnell bekannt werden

Nicht nur Wander-Influencer*innen machen solche Orte populär. Auch Reise-Creator*innen, Outdoor-Fotograf*innen, Vanlife-Accounts oder Adventure-Profile zeigen Bilder von Berggraten, Felskanten und steilen Abhängen.

Dazu kommt Tourismusmarketing. „National Geographic“ beschreibt am Beispiel Wanaka in Neuseeland, wie eine Tourismusbehörde 2015 gezielt Influencer*innen einlud, damit sie ihre Abenteuer posten. Das Ergebnis sei ein Tourismuswachstum von 14 Prozent gewesen.

Im selben Artikel wird der Reise- und Markenfotograf Johan Lolos, online bekannt als @lebackpacker, als Beispiel genannt. Er habe seine Karriere auch darüber aufgebaut, Unterkünfte und Erlebnisse gegen Instagram-Posts zu tauschen.

Das heißt nicht, dass einzelne Creator*innen absichtlich gefährliche Routen bewerben. Der Mechanismus ist subtiler: Das Bild wirkt machbar. Die Risiken bleiben unsichtbar.

Warum Wetter und Selbstüberschätzung riskant sind

Für manche Social-Media-Wander*innen zählt vor allem der besondere Moment: Sonnenaufgang, Nebel, Sturmwolken, steile Kante. Doch genau solche Bedingungen können gefährlich werden. Nebel erschwert die Orientierung, Regen macht Steine und Wurzeln rutschig, Wind kann an ausgesetzten Stellen riskant sein.

Der Deutsche Alpenverein („DAV“) meldete für 2022 einen Höchststand bei den absoluten Unfallzahlen. Insgesamt waren 1.243 DAV-Mitglieder von Bergunfällen oder Notfällen betroffen. Zugleich hatte der Verband laut „Rettungsmagazin“ mehr als 1,4 Millionen Mitglieder und damit ebenfalls einen Höchststand. Beim Wandern selbst waren laut „Allgäuer Zeitung“ 384 DAV-Mitglieder von Unfällen oder Notfällen betroffen, 17 Menschen starben.

Die Zahlen bedeuten nicht, dass Social Media allein für Unfälle verantwortlich ist. Sie zeigen aber: Wandern ist nicht risikofrei, besonders wenn Menschen ihre Fähigkeiten überschätzen.

Was du vor einer Wanderung klären solltest

Ein kurzer Clip ersetzt keine Tourenplanung. Vor einer Wanderung sollte deshalb klar sein:

Wie lang ist die Route?

Wie viele Höhenmeter gibt es?

Gibt es ausgesetzte oder absturzgefährdete Stellen?

Wie ist die Wetterprognose?

Passt die Tour zur eigenen Kondition und Erfahrung?

Gibt es eine sichere Alternative, falls das Wetter kippt?

Die Österreichische Bergrettung und der Österreichische Alpenverein empfehlen laut „Austria.info“, Touren sorgfältig zu planen, die Route an Kondition und Erfahrung anzupassen und Wetterveränderungen ernst zu nehmen. Bei Gewittergefahr oder plötzlich aufziehendem Nebel sollte rechtzeitig umgekehrt werden.

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