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Lina Beckmann und Devid Striesow über Antiken-Marathon "Fremde Sonne"

Unterhaltung

Stand: 28.09.2026 16:53 Uhr

In gleich drei Premieren spielen Lina Beckmann und Devid Striesow am Hamburger Schauspielhaus im Zuge des "Fremde Sonne - Marathon". Ein Gespräch mit den Schauspielern vor der Uraufführung über viel Text - und genauso viele Emotionen.

Vor etwa drei Jahren feierte das Schauspielhaus Hamburg mit der fünfteiligen Serie "Anthropolis" den vielleicht größten Erfolg des Hauses. Das Theater wurde zum "Theater des Jahres" und Lina Beckmann zur "Schauspielerin des Jahres" gekürt. Das Publikum war restlos begeistert. Nun möchte das Haus an dem Erfolg anknüpfen und legt einen neuen Antikenzyklus auf: "Fremde Sonne" erneut mit Lina Beckmann und Devid Striesow in der Besetzung.

In "Fremde Sonne" kommt Protagonist Jason, gespielt von Devid Striesow, mit seinen Reisegefährten, den Argonauten, in ein fremdes Land, um das goldene Vlies zu rauben. Dort trifft er Medea, gespielt von Lina Beckmann, die in heißer Liebe zu ihm entbrennt. Die Proben der aufwendigen Inszenierung laufen bereits seit Monaten. Kurz vor den Premieren hat Katja Weise Lina Beckmann und Devid Striesow bei NDR Kultur à la Carte zum Gespräch im Schauspielhaus getroffen.

Ihr spielt gleich drei Premieren an einem Wochenende - eine große Belastung. Devid, du sagst aber, dieses Engagement sei ein Theatergeschenk für dich. Du hast also nicht gezögert, zuzusagen?

Devid Striesow: Nein. Ich habe es mit meiner Familie abgeklärt, weil natürlich auf meine Frau zu Hause mit mehreren Kindern eine unvergleichbare Belastung zugekommen ist. Sie hat aber sofort gesagt, dass ich das machen muss, da es eine einmalige Chance ist. Es ist vielleicht das erste und einzige Mal, dass ich in diesem Umfang gefordert bin. Meine Frau sagte: Mach das! Mach das! Und das ist einfach unvergleichlich schön.

Wie war die Entscheidungsfindung für dich, Lina?

Lina Beckmann: Ich bin ja festes Ensemblemitglied und muss nicht gefragt werden. Aber als die Regisseurin Karin Beier mir von der Idee erzählt hat, habe ich auch nach drei Sekunden "ja" gesagt. Ich war überwältigt von ihrem Mut, so einen Marathon nochmal zu machen. Und ich weiß, dass ich es das letzte Mal ganz toll fand, so tief in eine Geschichte einzutauchen und so viele Details kennenzulernen, die nicht nur ein Stück betreffen, sondern die ganzen Stränge der Figuren. Das fand ich beim letzten Mal schon so "gänsehautig".

Striesow: Ich finde das auch so spektakulär, wie der Dramaturg Roland Schimmelpfennig mit dem Inhalt umgeht, die Art von künstlerischer Freiheit, die er sich nimmt, die auch ein Witz hat, die einen Humor hat, die eine tolle Sprache hat, die Assoziationen zulässt. Und trotzdem wird diese Geschichte um diese Figuren so durchgehend erzählt. Das macht beim Spielen unglaublich Spaß.

Jason und Medea sind ein Liebespaar, das sich am Ende hasst. Bei so vielen Emotionen ist es wichtig, mit wem man spielt. Hat das bei euch direkt gut geklappt?

Beckmann: Also ich habe bei Devid das Gefühl gehabt, dass es super leicht ging. Ich war total aufgeregt vor den ersten Proben, weil Schimmelpfennig das auch so lustig beschreibt, wie die sich kennenlernen und wie die sich lieben. Das ist ein bisschen wie so eine Teenie-Romanze von ihm geschrieben. Als wir dann zusammen auf der Bühne waren, hatte ich das Gefühl, dass unsere Körper sich sehr gut verstehen und keine Hemmungen hatten. Es bedurfte keines großen Anlaufs, um die Impulse von Devid zu spüren. Ich hatte keinen Dünkel, keine Angst oder kein Schamgefühl vor ihm und das ist schon wahnsinnig toll.

Wie hast du die Emotionen im Spiel wahrgenommen, Devid?

Striesow: Ich bin einmal wirklich in die Apotheke gegangen und habe Blutdruck messen lassen. Ich habe eigentlich sehr niedrigen Blutdruck, aber in der Apotheke bekam ich ein Zettelchen, auf dem stand, ich hätte stark erhöhten Blutdruck. Und dann habe ich mir ein Blutdruckgerät gekauft und mir danach 14 Tage jeden Tag dreimal am Tag den Blutdruck gemessen, weil ich rausfinden wollte, ob diese Erhöhung jetzt tatsächlich von der Probe kommt oder ich irgendein Problem mit dem Blutdruck hatte. Und es kam wirklich von der Probe.

Ihr habt beide noch andere Projekte, z.B. Auftritte hier am Schauspielhaus in Repertoirestücken. Ihr seid im Kino in 'Vaterland' und 'Der Spaziergang nach Syrakus' zu sehen. Befruchten diese anderen Projekte eure Arbeit am Theater?

Striesow: Es ist genau andersrum. Diese Arbeit befruchtet eher alles andere, was ich nebenbei mache. Das gibt mir hier richtig Kraft und Mut. Ich habe parallel noch an den Wochenenden viele Lesungen gehabt. Ich war eigentlich am Wochenende nie hier, wenn wir Proben frei hatten, aber ich habe immer diese Arbeit mit mir rumgetragen und das war eigentlich das, was mir so richtig Kraft gegeben hat.

Beckmann: Ich muss sagen, dass ich das auch eher befruchtend oder luxuriös finde, dass man so einen Griff manchmal lösen kann und sich wieder mit anderen Sachen beschäftigt. Aber der Prozess dieser Arbeit wächst ja in einem weiter und manchmal ist da diese Chance, nochmal neu zu gucken oder neu anzugreifen, weil man zwischendurch mit den Gedanken woanders ist oder eine kleine Pause hat. Aber diese Figur oder dieser Prozess dieser Stücke arbeitet weiter in einem. Und manchmal entstehen so schöne neue Gedanken, die unter Zeitdruck oder Probenstress nicht kommen. Und das empfinde ich als wahnsinnig luxuriös: Wenn ich im Sommer schwimmen gehe, dass ich mich dann hinsetze und ganz entspannt über dieses Stück und diesen Prozess nachdenken kann, ohne dass ich aufstehen muss, zur Probe muss, das jetzt abliefern muss.

Es ist ja eine sehr aufwendige Inszenierung ...

Striesow: Also ich muss ehrlich sagen, ich habe so ein aufwendiges Stück, so eine aufwendige Produktion, noch nie gemacht. Wir haben mehr so Theater gemacht, das von der Kunst des Weglassens lebte und jetzt wird richtig in den Theatertopf hineingegriffen und das ist echt toll. Gerade bei den "Argonauten": Dieses Bühnenschiff im besten Sinne, dieses Theaterschiff zieht los mit allen Mitteln und allen Sinnen, vom Sound über die Videoprojektion und die technischen Mittel wie Wasser und allen möglichen Kram. Das geht da richtig los und das ist für mich auch so eine Art Premiere.

Das Fremde ist in diesen Stücken wieder ein großes Thema. Inwieweit haben aktuelle Themen Einfluss auf die Proben?

Beckmann: Ach, die Welt tut ja gerade so viel dafür, dass diese Stoffe immer aktueller werden. Als ich damals geprobt habe, wurde gerade Trump gewählt und wir haben wirklich manchmal gedacht: Wahnsinn! Als ob die Welt sich verändert, damit diese Stücke aktuell bleiben. Und so ist es jetzt auch gerade, dass ich denke, die Dinge, die passieren, die zeigen, dass es sich leider immer wieder wiederholt und dass die Reaktionen der Menschen oder das Verhalten der Menschen sich auch immer wieder wiederholen - leider mehr im Negativen als im Positiven.

Striesow: Das Schöne an diesen Stücken ist, dass die so alt sind, dass diese Themen so alt sind und man immer wieder auf die Verhaltensweisen und die Inhalte zurückgehen und immer aktuell halten kann. Das macht diese Thematiken komplett zeitlos. Man wird immer wieder gefragt: Was ist denn ein Klassiker? Warum führt man denn Shakespeare immer noch auf? Ja, weil es aktuell ist, weil da genau diese Dinge drinstehen. Man kann aus dem Fenster gucken und es passiert genau das.

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