Lingen: Entscheidung zu Brennelementen mit Rosatom
Brennstäbe für russische Reaktortypen dürfen in Lingen gebaut werden Stand: 22.07.2026 14:34 Uhr In Lingen können künftig Brennelemente nach russischer Bauart produziert werden. Niedersachsens Umweltministerium hat die Zusammenarbeit genehmigt - verweist aber auf rechtliche Vorgaben des Bundes. Die Genehmigung für die Fabrik im Emsland erfolge unter strengen Auflagen, teilte das Bundesumweltministerium am Mittwoch mit. Details zu den Auflagen wurden zunächst nicht bekannt. Niedersachsen Umweltministerium sei für die Entscheidung zuständig gewesen, zusammen habe man "Wert auf ein möglichst sorgfältiges Genehmigungsverfahren gelegt". Bundesministerium sieht Kooperation kritisch Das Bundesumweltministerium, das nach eigenen Angaben zudem ein Rechtsgutachten eingeholt hat, teilte gleichzeitig mit, dass man die Kooperation mit einem russischen Staatskonzern vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieg in der Ukraine kritisch sehe. Darum sei es bei der Entscheidung aber nicht gegangen. "Das geeignete Instrument, damit umzugehen, ist nicht das Atomrecht, sondern es wären EU-weite Sanktionen auch für den Nuklearbereich", teilte das Ministerium mit.Bislang gebe es für EU-Sanktionen gegen den russischen Nuklearsektor keine Mehrheit unter den EU-Mitgliedstaaten. Deutschland setze sich jedoch weiter dafür ein. Umweltminister Meyer: "Entscheidung grundfalsch" Auch Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) zeigte sich nicht überzeugt. In der Vergangenheit hatte er sich kritisch zu den Plänen geäußert und sie als "grundfalsch" bezeichnet. Diese Aussage bekräftige er auch nach der nun erfolgten Genehmigung. Meyer kritisierte die Zusammenarbeit scharf. Niedersachsen handelte in dem Verfahren demnach im Auftrag des Bundes - und er sei dabei weisungsgebunden, sagte Meyer. Abhängigkeiten von Russland müssten gerade im sensiblen Nuklearsektor verringert werden, so Meyer. Zusammenarbeit mit Rosatom geplant Damit in Lingen künftig auch Brennstäbe für russische Reaktortypen gefertigt werden können, soll die Brennelementefabrik erweitert werden. Der französische Mutterkonzern Framatome will in der emsländischen Fabrik Brennelemente nach russischer Bauart produzieren. Es geht um sechseckige Brennelemente, die nur in ehemals sowjetischen Atomkraftwerken eingesetzt werden. Diese Werke stehen in mehreren osteuropäischen Ländern. Die Brennelementefabrik Advanced Nuclear Fuels (ANF) in Lingen will dafür mit dem russischen Staatskonzern Rosatom zusammenarbeiten. Einen entsprechenden Antrag hat ANF laut Umweltministerium bereits im Jahr 2022 eingereicht. ANF ist eine Tochtergesellschaft des französischen Unternehmens Framatome. Kritik von Bürgerinitiativen Bürgerinitiativen und Umweltverbände haben die Pläne schon im Vorfeld scharf kritisiert. Sie warnen unter anderem vor russischer Spionage oder Sabotage. Umweltminister Meyer hatte im Zuge des atomrechtlichen Genehmigungsverfahrens betont, dass man "nach Recht und Gesetz im Auftrag des Bundes" prüfen werde und allen Hinweisen nachgehen werde, um zu schauen, welche Sicherheitsgefahren dort bestehen. Laut Umweltministerium gab es infolge des ANF-Antrags "umfangreiche Prüfungen" im Austausch mit Bundesbehörden. Diese seien insbesondere im Hinblick auf Gefahren für die innere und äußere Sicherheit durch die enge Kooperation mit Russland erfolgt, teilte das Ministerium mit.