Live-Ticker zum Mordprozess im Fall Fabian (†8) aus Güstrow: Gutachter kommt zu eindeutigem Ergebnis: Gina H. ist voll schuldfähig
Der Mordprozess im Live-TickerGutachter kommt zu eindeutigem Ergebnis: Gina H. ist voll schuldfähig
Psychiater sieht bei Gina H. „psychopathische Tendenzen“
Der Mordprozess im Fall des getöteten achtjährigen Fabians nähert sich dem Ende. Am 32. Verhandlungstag wird das psychiatrische Gutachten vorgestellt, das sich mit der Angeklagten befasst. Alle Entwicklungen rund um den Prozess lest ihr jederzeit hier im Live-Ticker auf RTL.de.
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Wichtige Updates
Johanna Kroke
"Die mögliche Tat ist nicht Symptom einer Störung"
Verteidiger Löcker argumentiert nun, dass Gina H. bislang nie gewalttätig und maximal autoaggressiv, also gegen sich selbst gerichtet, gewesen sei. Es habe einen außerordentlichen Grund gegeben haben müssen, wenn sie die Tat begangen habe. Zu der Aussage des Anwalts erklärt Gutachter Keiper: „Wenn sie mit mir nicht über das Motiv spricht, kann ich nur spekulieren."
„Sie hat in den Tagen nach der Tat sehr unauffällig gelebt. Ist das mit einer Persönlichkeitsstörung in Einklang zu bringen?", will Löcker wissen. „Mit den psychopathischen Anteilen auf jeden Fall", antwortet der Gutachter.
„Wenn die Anspannung, die zu der Tat geführt haben könnte, zwei Tage vor der Tat begonnen habe. Ist es dann möglich, den Zustand über Stunden und Tage zu halten, der sich dann am 10. Oktober um 11.30 Uhr, 12.00 Uhr entladen habe?", fragt der Verteidiger weiter. „Das kann ich nicht sagen, weil sie mit mir darüber nicht gesprochen", erläutert der Dr. Keiper und sagt weiter: „Es ist erstaunlich, mit welcher hohen kriminellen Energie die Tat begangen wurde, wenn die Tat Frau H. zuzurechnen ist."
Gina H. spielt währenddessen mit ihrem kleinen Stressball und schaut nach unten.
„Die mögliche Tat ist nicht Symptom einer Störung", führt der Psychiater aus. „Wäre die Tat auch ohne die Krankheit annehmbar? Aufgrund der psychopathischen Merkmale, die Frau H. hat, müsste ich sagen: Ja."
Johanna Kroke
Verteidiger hinterfragen Motivhypothese
Eine weitere Motivhypothese lautete, dass Gina H. in den Tagen vor dem mutmaßlichen Mord an Fabian die Endgültigkeit der Trennung von Matthias R. bewusst geworden sei. Verteidiger Löcker verweist darauf, dass Gina H. Matthias R. an einem Abend kurz vor dem Tod von Fabian weggeschickt habe. „Herr R. hat doch gar nicht signalisiert, dass er diese Trennung wollte, sondern Frau H. wollte die Trennung zu dem Zeitpunkt“, sagt Löcker.
Er könne nur darauf zurückgreifen, was Gina H. ihm gesagt habe, antwortet Keiper. „Den Tag der Trennung am 13. August hat sie mir gegenüber als sehr dramatisch beschrieben.“ Matthias R. habe seine Sachen aus der Wohnung geholt, seine Schlüssel abgegeben. Deshalb habe es sich sehr endgültig für Gina H. angefühlt. „Was danach an Wiederannäherung und Wiederabstoßen passiert ist, hatte sie mir im Detail nicht erzählt“, so Keiper.
Johanna Kroke
Anwalt von Gina H. stellt Gutachten infrage
Verteidiger Thomas Löcker ergreift nun das Wort und stellt Hypothesen des Gutachters infrage. Seine Mandantin habe sich Anfang Oktober besser gefühlt, finanziell sei die Situation entspannter gewesen, weil sie wieder bei ihren Großeltern lebte. „Warum um alles in der Welt soll diese endgültige Trennung so etwas auslösen?"
Richter Holger Schütt schreitet ein: „Ich habe Sie ausreden lassen. Diese Frage muss ich beanstanden". Schütt begründet es damit, dass Gina H. weder in der Einlassung noch in der Befragung erklärt habe, weswegen sie Matthias R. am Abend des 8. Oktober (zwei Tage vor der Tat) aus der Wohnung warf. Insofern könne man nicht sagen, „ob alles gut war".
Der Verteidiger greift außerdem die Motivhypothesen des Gutachters an, dass Gina H. Fabian als störend und lästig empfunden habe. „Diese Hypothese ist doch umso schlechter, wenn man überlegt, dass die Verbindung so lange gut funktioniert hat im Beisein beider Kinder“, sagt Löcker. „Das ist eine Hypothese, ob das Gericht der folgt, ist Sache des Gerichts“, sagt Keiper nur.
Johanna Kroke
Anwältin von Fabians Mutter befragt den Gutachter
„Zu keinem Zeitpunkt wurde eine echte Betroffenheit oder Traurigkeit erkennbar. Sie wirkte bei diesem Themenkomplex eher gleichförmig und kontrollierend", zitiert Christine Habetha, Anwältin von Fabians Mutter, aus dem vorläufigen Gutachten.
„Das ist so. Ich habe es heute etwas verkürzt wiedergegeben", erklärt Dr. Keiper.
Fabian (8) aus Güstrow verschwand am 10. Oktober 2025. Vier Tage später wurde seine Leiche von der Angeklagten Gina H. an einem Tümpel in einem Waldstück bei Klein Upahl gefunden. Ermittler gehen von einem Gewaltverbrechen aus.
Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen
Solltet ihr selbst von Suizidgedanken betroffen sein, sucht euch bitte umgehend Hilfe. Versucht, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über eure Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.
Wenn ihr schnell Hilfe braucht, dann findet ihr unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800 – 1110111 oder 0800 – 1110222 Menschen, die euch Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.
Laut der Anklage starb Fabian durch mehrere Messerstiche. Der Leichnam soll teilweise verbrannt worden sein, offenbar um Spuren zu verwischen.
Fall Fabian (†8) aus Güstrow – die Chronologie des Verbrechens
Mehr dazu in unserem Text: Fall Fabian (†8) aus Güstrow – die Chronologie des Verbrechens
Anfang November 2025 wurde Gina H., die ehemalige Partnerin von Fabians Vater, als Tatverdächtige festgenommen. Gegen sie wurde Haftbefehl wegen Mordes erlassen, seither befindet sie sich in Untersuchungshaft. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll sie Fabian am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter gelockt, mit ihm zu einem abgelegenen Tümpel nahe Klein Upahl gefahren und ihn dort mit mehreren Messerstichen getötet haben. Anschließend soll sie versucht haben, Spuren zu verwischen, indem sie den Leichnam in Brand setzte. Diese Vorwürfe sind bislang nicht rechtskräftig festgestellt.
In dem seit dem 28. April laufenden Indizienprozess wurden bereits Dutzende Zeugen gehört und zahlreiche Gutachten vorgelegt. Eigentlich sollte der letzte Verhandlungstag bereits am 10. September laufen. Durch neue Zeugenaussagen und die Befragung der Angeklagten zieht sich der Prozess aber nun weiter in die Länge.
Verwendente Quellen: eigene RTL-Recherche